Flugunfall in Leeuwarden NL: Mit Kampfjet kollidiert – Patrouille-Suisse-Pilot von Militärgericht verurteilt

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 Flugunfall in Leeuwarden NLMit Kampfjet kollidiert – Patrouille-Suisse-Pilot von Militärgericht verurteilt

Ein Pilot der Patrouille Suisse musste sich vor Gericht verantworten. Es ging dabei um einen Flugunfall in Leeuwarden NL. Nun wurde er verurteilt. 

von
Michelle Ineichen
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Beim Prozess vor dem Militärgericht in Aarau ging es um den Flugunfall am 9. Juni 2016 in der Nähe des niederländischen Luftwaffenstützpunkts Leeuwarden. (Symbolbild)

Beim Prozess vor dem Militärgericht in Aarau ging es um den Flugunfall am 9. Juni 2016 in der Nähe des niederländischen Luftwaffenstützpunkts Leeuwarden. (Symbolbild)

20min/Vanessa Lam
Am Montag begann in Aarau die Hauptverhandlung vor dem Militärgericht gegen den Piloten der Patrouille Suisse.

Am Montag begann in Aarau die Hauptverhandlung vor dem Militärgericht gegen den Piloten der Patrouille Suisse.

20min/mie
Die Anklage warf ihm unter anderem fahrlässigen Missbrauch und fahrlässige Verschleuderung von Material sowie mehrfache fahrlässige Nichtbefolgung von Dienstvorschriften vor. (Symbolbild)

Die Anklage warf ihm unter anderem fahrlässigen Missbrauch und fahrlässige Verschleuderung von Material sowie mehrfache fahrlässige Nichtbefolgung von Dienstvorschriften vor. (Symbolbild)

20min/Vanessa Lam

Darum gehts

  • In Aarau fand diese Woche die Hauptverhandlung vor dem Militärgericht gegen einen Piloten (37) der Patrouille Suisse statt. 

  • Dieser kollidierte während eines Trainingsflugs in den Niederlanden mit einem zweiten Kampfjet.

  • Am Donnerstag wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. 

Während eines Trainingsflugs in der Nähe des niederländischen Luftwaffenstützpunkts Leeuwarden kollidierten am 9. Juni 2016 zwei Kampfjets vom Typ F-5 Tiger der Patrouille Suisse. Eines der Flugzeuge stürzte dabei ab.

Was ist genau passiert? 

«So ein Vorfall geht an niemandem spurlos vorbei», sagte der Angeklagte am Montag vor Gericht. Der heute 37-Jährige fliegt weiterhin für die Patrouille Suisse: «Sobald ich konnte, bin ich wieder geflogen. Zuvor wurde natürlich alles im Team besprochen. Der Unfall hat uns zusammengeschweisst.» Im Juni 2016 fanden auf dem Luftwaffenstützpunkt Leeuwarden NL die «Netherland Airforce Open Days 2016» statt. Auch die Patrouille Suisse nahm an den Flugvorführungen teil.

Am 9. Juni 2016 fand dafür ein Trainingsflug der Kunstflugstaffel statt. Die sechs Flugzeuge starteten am Nachmittag, wobei der Beschuldigte feststellte, dass er zu schnell flog und dafür ein sogenanntes Overshoot-Manöver einleitete, um seine Geschwindigkeit zu reduzieren. Als er einen zweiten Kampfjet der Formation von unten kreuzen wollte, verlor der Beschuldigte laut Anklage das Flugzeug aus den Augen, schätzte seine Position im Verhältnis zum zweiten Kampfjet falsch ein und bewirkte eine unkontrollierte Annäherung. Der Beschuldigte habe es unterlassen, dies über Funk zu melden, was schliesslich zur Kollision führte.

Gab es Verletzte? 

Das vom Angeklagten gelenkte Kampfflugzeug geriet aufgrund dieser Kollision in eine unkontrollierbare Rollbewegung. Der Beschuldigte konnte sich mit dem Schleudersitz retten und überlebte den Unfall leicht verletzt. Das unbemannte Kampfflugzeug schlug in einem Weiher neben einem in Betrieb befindlichen Treibhaus und unmittelbar neben einem Bauern- und Wohnhaus auf. Der Angeklagte landete mit seinem Fallschirm unmittelbar neben der Absturzstelle in dem Treibhaus und durchschlug dabei dessen Glasdach. Der zweite Pilot konnte sein beschädigtes Flugzeug sicher landen.

Wie hoch war der Schaden? 

Durch den Absturz wurde das Kampfflugzeug vollständig zerstört. Laut Anklageschrift hatte dieses einen hinterlegten Wert von über 25,5 Millionen Franken. Zudem entstand beim Manöver getroffenen Kampfjet ein Sachschaden von knapp 150’000 Franken. Für die Wracksicherung, Wrackbergung, Reparatur des Treibhauses sowie Sanierung des Weihers entstanden Kosten in der Höhe von über 1,2 Millionen Franken, wovon die Schweiz den Betrag von knapp 400’000 Franken übernahm.

Wie fiel das Urteil aus? 

Am Montag begann der Prozess vor dem Militärgericht in Aarau. Dem heute 37-jährigen Piloten werden fahrlässiger Missbrauch und Verschleuderung von Material, fahrlässige Störung des öffentlichen Verkehrs sowie mehrfache fahrlässige Nichtbefolgung von Dienstvorschriften vorgeworfen. Laut Anklage war es für den Beschuldigten vorhersehbar, dass eine unkontrollierte Annäherung zu einer Kollision führen könnte. Die Kollision sowie die Gefährdung anderer Personen wären demnach vermeidbar gewesen. Die Verhandlung war auf fünf Tage angelegt.

Wie Medien unter Berufung auf die Nachrichtenagentur SDA berichten, hat ihn das Militärgericht am Donnerstag wegen fahrlässigen Missbrauchs und Verschleuderung von Material zu einer bedingten Geldstrafe von drei Tagessätzen zu 160 Franken verurteilt. Freigesprochen wurde der Pilot vom Vorwurf der fahrlässigen Störung des öffentlichen Verkehrs. Zudem wird das Verfahren wegen mehrfacher fahrlässiger Nichtbefolgung von Dienstvorschriften eingestellt.

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