Aktualisiert 25.08.2015 05:28

Antibiotika-AlternativeMit Kastanie resistente Bakterien bekämpfen

Die Esskastanie füllt nicht nur den Magen. Ihre Blätter enthalten auch Stoffe, die Bakterien unschädlich machen können, gegen die Antibiotika machtlos sind.

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Weil viele Erreger wie Staphylococcus aureus heute Resistenzen gegen Antibiotika gebildet haben, ist die einstige Wunderwaffe häufig wirkungslos.

Weil viele Erreger wie Staphylococcus aureus heute Resistenzen gegen Antibiotika gebildet haben, ist die einstige Wunderwaffe häufig wirkungslos.

PD
Diese Erfahrung hat auch der olympische Goldmedaillengewinner Ian Thorpe gemacht. Er soll sich 2014  im Spital zwei schwere Infektionen eingefangen haben.

Diese Erfahrung hat auch der olympische Goldmedaillengewinner Ian Thorpe gemacht. Er soll sich 2014 im Spital zwei schwere Infektionen eingefangen haben.

Keystone
Infiziert haben soll er sich mit dem Spitalkeim MRSA, der  zum Teil offene Hautinfektionen, entzündete Organe oder Blutvergiftungen zur Folge hat und tödlich enden kann.

Infiziert haben soll er sich mit dem Spitalkeim MRSA, der zum Teil offene Hautinfektionen, entzündete Organe oder Blutvergiftungen zur Folge hat und tödlich enden kann.

Gregory Moran

Immer häufiger bringen Antibiotika nichts. Denn aufgrund ihres massiven Einsatzes haben einige Erreger Resistenzen gebildet: Sie tragen nun Gene, die sie vor der Wirkung des Medikaments schützen. Für Patienten kann das tödliche Folgen haben.

Abhilfe erhoffen sich Wissenschaftler um Cassandra Quave von der Emory University in Atlanta nun von Inhaltsstoffen der Esskastanie. Die Forscher konnten nachweisen, dass ein Extrakt aus der Pflanze MRSA-Keime nicht nur bekämpft, sondern gleichzeitig auch der Entstehung von Resistenzen vorbeugt, wie sie im Fachjournal «PLOS One» schreiben.

Toxinproduktion komplett blockiert

Das Extrakt besteht aus 94 verschiedenen Inhaltsstoffen. Zu einem grossen Teil besteht es aus Komponenten auf der Basis von Ursanen und Oleananen, die zu den sogenannten Saponinen gehören. Das sind Stoffe, die den Pflanzen wahrscheinlich als Abwehrstoffe dienen – zum Beispiel gegen Pilzbefall oder Insekten.

In der Studie konnten Quave und ihr Kollege Alexander Horswill von der University of Iowa zeigen, dass das Extrakt den Bakterien der Art Staphylococcus aureus die Fähigkeit nimmt, miteinander zu kommunizieren. Das ist aber wichtig, um Gifte zu produzieren. Damit ist die Toxinproduktion komplett blockiert.

Winzige Dosis, grosser Effekt

Schon eine einzige 50-Mikrogramm-Dosis des Mittels reiche, um keimbefallene Wunden auf der Haut von Mäusen zu heilen, so die Forscher. Laut ihnen verlor das Extrakt mit der Zeit weder an Aktivität noch wurden die Erreger resistent. Tests an menschlichen Hautzellen zeigten zudem, dass die Stoffe für die Haut nicht schädlich sind.

Quave und ihre Kollegen haben bereits ein Patent angemeldet. Ihr Ziel: Das Extrakt aus der Edelkastanie soll dereinst als Medikament anerkannt werden und Menschen helfen.

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