Standortmarketing: Mit Kirschtorten gegen Steuerflüchtlinge
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StandortmarketingMit Kirschtorten gegen Steuerflüchtlinge

Wirtschaftsdelikte, Steuerflucht, Briefkastenfirmen: Der Kanton Zug sorgt sich um sein Image. Jetzt schlägt die Regierung zurück. Und zwar mit der Zuger Kirschtorte.

von
ann

Zug ist der reichste Kanton der Schweiz: Dank tiefen Steuern und vielen vermögenden Mitbürgern lässt man es sich im kleinen blauweissen Kanton gut gehen. Es gibt kaum Arbeitslose und der Standort floriert. Doch wie die «NZZ» berichtet, plagen auch Zug Sorgen: Mit dem Image steht es in der restlichen Schweiz nicht zum Besten. «Zug verbindet man mit Stereotypen wie Steueroase, internationaler Finanzplatz, Briefkastenfirmen und Reichtum. Alles hat mit Geld zu tun und weckt nicht nur positive Emotionen», sagt Baudirektor Heinz Tännler.

Lichtgestalt Kirschtorte

Das will die Regierung nicht länger auf sich sitzen lassen und hat bereits eine Lösung im Köcher: die Zuger Kirschtorte. «Sie ist die Lichtgestalt unter den Zuger Stereotypen», sagt Tännler. So soll nun der Fokus, den die Welt auf Zug richtet, weg von den Banknoten und hin auf das Dessert und das süsse Kernobst gelenkt werden. Das ist aber gar nicht so einfach. Denn die Zuger Chriesi sind in den letzten Jahren arg vernachlässigt worden. Von einst 43 000 Hochstamm-Kirschbäumen im Jahr 1951 ist der Bestand im Kanton heute auf 16 000 geschrumpft. Und davon wird mehr als die Hälfte nicht gepflegt. Die Kirschen aus dem Ausland sind viel zu günstig.

Die Kirsche wird gepflegt

Jetzt will Zug Gegensteuer geben: Ende 2009 haben Kirschproduzenten und Destillateure mit Unterstützung des Kantons den Verein Zuger & Rigi Chriesi gegründet. Bald soll es auch eine vom Kanton mitfinanzierte IG Zuger Kirschtorte geben. Und im Kantonshauptort wurde das Projekt «1000 Kirschbäume für Zug» gestartet. Die Kirschtorte soll das Image aufmöbeln – koste es, was es wolle.

Doch für einmal will Zug, das sonst rund 200 Millionen als Finanzausgleich nach Bern schickt, sogar vom Bund Unterstützung erhalten. Die gegründeten Organisationen werden beim Bundesamt für Landwirtschaft ein Projekt zur regionalen Entwicklung einreichen, um Beiträge für die Förderung von einheimischen und regionalen Produkten und Dienstleistungen zu erhalten.

Geschütze Labels für Kirsch und Torte

Gegen den Druck der internationalen Kirschenkonkurrenz möchte man den neuen Imageträger des Kantons zudem mit Labels schützen. Schnaps mit Kirschen aus dem Kanton Zug soll die Ursprungsbezeichnung AOC Zuger Kirsch erhalten. Im gleichen Zug soll die Lichtgestalt Zuger Kirschtorte durch das Label GGA (geschützte geografische Angabe) aufgewertet werden. Das würde bedeuten, dass nur noch Konditoren, die die Torte im Kanton Zug mit AOC-Kirsch herstellen, ihr Gebäck Zuger Kirschtorte nennen dürfen.

Und damit auch jeder merkt, was das neue Wahrzeichen der Steueroase ist, stellt der Kanton grosse Tafeln auf. An den Einfallachsen des Kantons werden die Autofahrer bald mit dem Slogan «Zuger Chriesiland» begrüsst.

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