Politischer Vorstoss: Mit Kitas im Spital gegen den Personalmangel
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Politischer VorstossMit Kitas im Spital gegen den Personalmangel

24-Stunden-Kitas im Spital: SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr will in der Herbstsession mit dieser neuen Idee gegen den Mangel an Pflegepersonal vorgehen.

von
S. Marty
SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr fordert Kindertagesstätten in den Spitälern.

SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr fordert Kindertagesstätten in den Spitälern.

Die Notfallstationen in der Schweiz laufen am Limit: Knapp 1500 Pflegefachleute fehlen landesweit jährlich. Bis 2020 könnte dieser Mangel gar auf bis zu 25'000 Fachkräfte ansteigen, prophezeit eine Studie dem Schweizer Gesundheitswesen.

Während Spitäler versuchen, sich bei der Rekrutierung mit immer höheren Prämien gegenseitig zu übertrumpfen, hat Jacqueline Fehr eine andere Idee, diesen Mangel anzugehen: Die SP-Nationalrätin will, dass Spitäler dazu verpflichtet werden, Kindertagesstätten anzubieten - und dies am liebsten rund um die Uhr. Sie plane, für die kommende Herbstsession einen entsprechenden Vorstoss einzureichen.

Die Überlegung: Da die Pflegenden an ihre unregelmässigen Arbeitszeiten gebunden seien, brauche es spitaleigene Betreuungsangebote, «die auf die besonderen Arbeitszeiten Rücksicht nehmen». Da ein Spital ein 24-Stunden-Betrieb sei, müsste dies durchaus möglich sein.

«Nachwuchs fehlt nach wie vor»

Auch der Präsidentin der Schweizerischen Interessensgemeinschaft Notfallpflege, Petra Tobias, gefällt deshalb Fehrs Idee. Die meisten grösseren Spitäler verfügten zwar über entsprechende Betreuungsangebote, doch diese hätten nur am Tag geöffnet: «Doch wir müssen uns 24 Stunden um die Patienten kümmern.» Vom Angebot würde meist nur der Frühdienst profitieren. «Ein 24-Stunden-Betrieb bedingt aber auch eine 24-Stunden-Kinderbetreuung.» Im Pflegebereich würden viele Alleinerziehende arbeiten, die auch in der Nacht auf eine Betreuungsangebot angewiesen seien.

Eine Anpassung der Öffnungszeiten wäre laut Tobias ein erster Schritt in die richtige Richtung. «Vor allem für Wiedereinsteigerinnen ist so ein Angebot bestimmt attraktiv.» Dennoch aber relativiert Tobias: «Auch trotz besserem Betreuungsangebot wird der Nachwuchs nach wie vor fehlen.» Auszubildende hätten meist noch keine Kinder und müssten mit anderen Anreizen gelockt werden. «Unser Beruf muss wieder attraktiver werden und braucht mehr Wertschätzung von der Gesellschaft und der Politik.»

Spitäler sehen kein Handlungsbedarf

Mit den Forderungen konfrontiert, sehen Spitäler kein Grund, ihr Angebot zeitlich zu erweitern. Im Universitätsspital Zürich etwa heisst es, dass das Thema bereits eingehend diskutiert wurde. «Derzeit steht im USZ aber die Umsetzung anderer Formen der Flexibilisierung des Betreuungsangebotes im Vordergrund», sagt Irene Etzer, Abteilungsleiterin Gesundheitsmanagement und Mitarbeiterservices am Universitätsspital Zürich. Ab 2015 prüfe man etwa eine Ausdehnung der Öffnungszeit auf das Wochenende und die Vermittlung alternativer Betreuungsangebote. «In der Schweiz wurde die Erfahrung gemacht, dass ein 24-Stunden-Angebot eine beschränkte Nachfrage auslöst», so Etzer.

Dieser Meinung ist man auch im Kantonsspital Graubünden: «An unserem Spital ist die Nachfrage nach einer 24-Stunden-Krippen nicht gegeben», so Hans-Christian Grass von der Patientenadministration. Ein entsprechendes Angebot sei nie genutzt worden. «Sollte der Wunsch nach flexibleren Betreuungsmodellen aufkommen, sind wir bemüht, mit den Eltern entsprechende Lösungen zu finden.»

Dies versucht auch das Universitätsspital Basel. Im Januar 2015 startet dort ein Pilotprojekt, welches Eltern in Ausnahmesituationen eine kurzfristige Kinderbetreuung anbieten möchte. «Die eigens für diesen Bedarf rekrutierten Betreuerinnen gehen dann zu den Familien nach Hause und übernehmen die Betreuung der Kinder in deren gewohnter Umgebung», heisst es beim USB.

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