Rücktritt von SVPler: Mit Köpfungs-Video gegen Grabfelder für Muslime

Aktualisiert

Rücktritt von SVPlerMit Köpfungs-Video gegen Grabfelder für Muslime

Ein SVP-Politiker hat ein Video verschickt, das die Köpfung eines Mannes durch Islamisten zeigt. Damit warb der St. Galler gegen Grabfelder für Muslime. Nun ist er zurückgetreten.

von
sst
Ausschnitt aus dem brutalen Video: Ein Mann in Syrien wird von Islamisten geköpft. Peter Kobel warb damit gegen Grabfelder für Moslems in der Stadt St. Gallen.

Ausschnitt aus dem brutalen Video: Ein Mann in Syrien wird von Islamisten geköpft. Peter Kobel warb damit gegen Grabfelder für Moslems in der Stadt St. Gallen.

Das Video hat am Wochenende mehrere St. Galler Stadtparlamentarier schockiert: Es zeigt, wie ein Mann in Syrien – angeblich ein Christ – von maskierten Männern, offenbar Islamisten, mit einem Fleischmesser enthauptet wird. Den Link zum Video erhielten die Politiker am Samstagabend per Mail von ihrem Ratskollegen Peter Kobel von der SVP.

Doch genauso skandalös wie das Video selbst fanden die Politiker den Zusammenhang, in den Kobel die Aufnahmen stellte: Denn er wollte mit Blick auf die für diese Woche geplante Debatte über ein Grabfeld für Muslime auf dem St. Galler Friedhof Feldli eine «kleine Hilfe für die Entscheidungsfindung» leisten.

«Zweimal überlegen»

Mit den brutalen Bildern aus Syrien wollte der SVP-Politiker seine Kollegen gegen die Parlamentsvorlage aufbringen: «Für die Anhänger dieses Glaubens werden wir an der nächsten Sitzung ein Entgegenkommen beschliessen», schrieb Kobel. Angesichts dieses Videos müsse man sich diesen Entscheid jedoch zweimal überlegen. Und er fügte an: «Die Gläubigen im Video berufen sich auf ihren Gott, genauso die Mitbürger gleichen Glaubens hier.»

Wie das «St. Galler Tagblatt» schreibt, seien viele Empfänger des Mails schockiert gewesen über die «in eindeutiger Absicht» und «schlicht falsche» Verknüpfung dieser Bilder mit der hiesigen Politik.

«Solche Links darf man nicht versenden»

Am Sonntag schien Kobel einen Sinneswandel durchlaufen zu haben. Er schickte ein zweites Mail, in dem er sich für das erste entschuldigte. «Ich muss jetzt, selbst erschüttert und konsterniert, einsehen, dass man solche Links nicht versenden darf», heisst es wörtlich im Mail. Er sei sich der Tragweite des Mails nicht bewusst gewesen.

Kobel traf weitreichende Konsequenzen: Bereits am Montag trat er aus dem Parlament zurück und gab «persönliche Gründe» dafür an.

Grabfelder neu erlaubt

Die SVP distanziert sich ausdrücklich vom Mailversand ihres Mitglieds. Die Partei habe in den letzten Jahren im Stadtparlament klar anders politisiert und argumentiert, als es Kobel getan habe.

Dies zeigte sich auch an der Abstimmung vom Dienstag: Ohne Gegenstimme verabschiedete das Stadtparlament die Änderungen am Friedhofreglement, die die Einrichtung von Grabfeldern für Muslime ermöglichen.

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