Sing dich reich!: Mit Kohle gegen den Kandidaten-Schwund
Aktualisiert

Sing dich reich!Mit Kohle gegen den Kandidaten-Schwund

Den Castingshows laufen die Zuschauer wie die Kandidaten davon. Das neue Format «The Winner is...» hat dagegen ein einfaches Mittel gefunden: Der Sieger erhält eine Million Euro.

von
Kaspar Isler

Nach gefühlten viertausend Staffeln «Popstars», «Deutschland sucht den Superstar» und weiteren, meist inhaltsfreien Spielen fürs Volk glaubte der etwas naive Zuschauer, «The Voice of Germany» sei eine Rückbesinnung auf musikalische Grundwerte – und wurde bitterlich enttäuscht.

Trotz echter Musiker in der Jury vermochte es die Sendung weitgehend nicht, ihr Niveau über dem des unverschnörkelt platt daherkommenden Entertainment-Schlachtschiffes «Das Supertalent» zu halten. Längst sind Casting-Wettbewerbe zu blossen Fernsehsendungen verkommen. Die Gewinner sind nur noch ein sekundäres Nebenprodukt, das von der TV-Maschinerie nach dem letzten Cut ausgespuckt und vergessen wird. Ein Wiedersehen mit den einst strahlenden Siegern folgt jeweils zwei bis sechs Jahre später: Wahlweise vor dem Finanzamt oder einem Promikompost namens «Ich bin ein Star, holt mich hier raus» im australischen Dschungel.

Sing dich reich!

Genau da setzt der neuste Castingstreich namens «The Winner is..» aus dem Hause Sat1 an. Sinkende Quoten und ein offensichtlicher Mangel an Bewerbern liess die Macher nämlich über einem neuen Konzept brüten. Und womit ködert man die Menschen, wenn der kurzlebige Ruhm eines Sieges als Motivator nicht mehr reicht? Genau – mit Geld. Der Gewinner oder die Gewinnerin des Wettbewerbes erhält eine Million Euro. Sing dich reich, so die Aufforderung von Moderations-Dinosaurier Linda de Mol. Zudem kann der Kandidat um sein Weiterkommen zocken: Casting-Game-Show nennt sich das dann. Das genaue System zum neusten Streich aus dem deutschen Privatsendertum finden Sie hier.

Preisgeld ist ein Kandidaten-Köder, auf den mittlerweile auch «Deutschland sucht den Superstar» zurückgreifen muss. Allerdings kassiert der DSDS-Erste dafür lediglich 500 000 Euro. Dies entspricht vermutlich in etwa der Summe, die sie zum Überleben brauchen, bis sie ihr Umfeld als Musiker wieder ernst nehmen wird nach dem Sieg in einer Casting-Show.

Musikalischer Gemischtwarenladen

Wir möchten uns – zumindest vor dem Sendestart am 11. April 2012 – nicht zu einem vorschnellen Urteil hinreissen lassen. Dennoch, von Vorselektion halten die Macher von «The Winner is..» offenbar nicht viel. Der Blick auf die Kategorien der Teilnehmer lässt auf ein JeKaMi-Festival erster Güte schliessen. Diese sind:

Männliche Solokünstler (unter 39)

Weibliche Solokünstler (unter 39)

Solokünstler über 40

Familien

Kinder und Teenager (unter 17)

Gesangsgruppen

Duette

Zu Deutsch: Menschen beider Geschlechter, jeglicher Altersklassen in allen nur erdenklichen Kombinationen. Die vielversprechendste Kategorie haben wir Ihnen übrigens für den Schluss aufgespart:

Professionals! Das sind Musiker, die in den letzten 25 Jahren einen Top10-Hit in den Charts hatten. In dieser Kategorie haben sich bereits ehemalige Siegertypen wie Benjamin Boyce von «Caught in the Act» und der einstige «Deutschland sucht den Superstar»-Kandidat Nevio angekündigt. Zumindest das Preisgeld könnten diese beiden, nach Jahren in Vergessenheit, wohl besser gebrauchen als alle anderen.

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