«Occupy Paradeplatz»: Mit Kostümen gegen Banken
Aktualisiert

«Occupy Paradeplatz»Mit Kostümen gegen Banken

Mit Transparenten, in Masken oder im Chirurgenoutfit protestieren vor dem Finanzzentrum der Schweiz hunderte gegen die Macht der Banken. Genauere Forderungen gehen in der Vielfalt unter.

von
M. Gilliand / J. Bedetti

Was bewirkt Protest ohne Struktur? Diese Frage wird zurzeit am Zürcher Paradeplatz beantwortet. «Occupy Paradeplatz» ist entstanden als Kundgebung ohne Organisationskomitee, ohne Sprecher, aber auch ohne Programm abgesehen vom vagen Slogan «Rettet Menschen – nicht Banken».

Die offene Form trug zweifellos dazu bei, dass am Samstagnachmittag an die 1000 Personen, hauptsächlich Junge, ihren Unmut gegen die Banken und die Finanzwelt bekundeten, und das mit einer Vielfalt von Erscheinungen. Eine Truppe erschien in Robin-Hood-Kostümen, andere mit goldener Schminke und Kartongewehren, wieder andere breiteten sich zum Picknick aus. Die Handvoll Vertreter von «We are Change», die Verschwörervereinigung, mit welchen sich die Medien (auch 20 Minuten Online) im Vorfeld beschäftigten, gingen in der Vielfalt an Gruppierungen völlig unter. Obwohl einige wenige Knaller gezündet wurden, drohte die Demonstration zu keinem Zeitpunkt ausser Kontrolle zu geraten.

Debattieren? Eher weniger

Den Nachteil eines Protests ohne Struktur wurde aber spätestens um 13 Uhr deutlich, als sich die Demonstranten zur Vollversammlung trafen. Angekündigte Reden gab es, dem basisdemokratischen Anspruch der Demo entsprechend, nicht. Stattdessen forderte ein Sprecher, vermutlich aus den Kreisen der Juso, die Anwesenden auf, in kleinen Gruppen über konkrete Forderungen und Lösungen, was die Übermacht der Banken betrifft, zu debattieren. Der Forderung kam jedoch nur ein Bruchteil der Anwesenden nach.

Ein harter Kern der linken Aktivisten, vor allem eine kleine Gruppe von Secondos, hat Stühle, Tische und Zelte an den Paradeplatz gebracht. Dort wollen sie ein Camp errichten und vorerst nicht vom Zürcher Finanzviertel weichen. Trotz tiefen Temperaturen beabsichtigen die jungen Leute im Schlafsack und in Zelten im Freien zu übernachten. Ein Redner liess verlauten, dass man aber bei einer polizeilichen Wegweisung gewaltfrei den Ort räumen und auf den Lindenhof in der Altstadt zügeln werde. Bisher blieb die Lage friedlich.

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