Mit Le-Mans-Sieger Andy Wallace im Bugatti T35 durch die Alpen

Andy Wallace im Bugatti T35, gefolgt von einem Bugatti T51.

Andy Wallace im Bugatti T35, gefolgt von einem Bugatti T51.

Bugatti
Publiziert

Bis zum StelviopassMit Le-Mans-Sieger Andy Wallace im Bugatti T35 durch die Alpen

In einem Vorkriegs-Bugatti T35 trotzte Redaktor Michael Lusk als Co-Pilot von Le-Mans-Sieger Andy Wallace Regen und rutschigen Strassen. 

von
Michael Lusk / A&W Verlag
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Geschwindigkeit hat im Leben von Andy Wallace und in der Geschichte von Bugatti schon immer eine grosse Rolle gespielt. In den 80er-Jahren gewann der Brite unter anderem das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. 1994 stellte Wallace einen Geschwindigkeitsweltrekord mit einem Serienwagen auf. Er fuhr mit einem McLaren F1 auf der VW-Teststrecke in Norddeutschland 386 km/h. Ein Vierteljahrhundert später – genauer gesagt im August 2019 – legte er an gleicher Stelle nochmals nach. In einem Bugatti Chiron Super Sport 300+ knackte er als erster Mensch die Marke von 300 mph, am Ende zeigte das Messgerät unglaubliche 490,484 km/h an.

Über 2000 Siege

Aus einer anderen Welt waren in den 1920er-Jahren auch die Fahrleistungen des Bugatti T35. Von null auf 100 km/h ging es in 6,5 Sekunden, der Topspeed betrug 215 km/h. Kein Wunder, fuhr der nur 45 Mal gebaute Vorkriegsrenner über 2000 Siege bei Rennen ein.

Andy und das Auto bildeten an der diesjährigen Passione Engadina also die ideale Kombination, um auf der bereits zum elften Mal durchgeführten Gleichmässigkeits-Rallye trotz Dauerregen bis zum Stelviopass und zurück nach St. Moritz an diese Erfolge anzuknüpfen.

Gemeinsam mit Andy Wallace durfte Redaktor Michael Lusk als Rallye-Co-Pilot in einem Vorkriegs-Bugatti mitfahren.

Gemeinsam mit Andy Wallace durfte Redaktor Michael Lusk als Rallye-Co-Pilot in einem Vorkriegs-Bugatti mitfahren.

Giacomo Geroldi
Der Brite ist seit dem Ende seiner aktiven Motorsport-Karriere Testfahrer bei Bugatti.

Der Brite ist seit dem Ende seiner aktiven Motorsport-Karriere Testfahrer bei Bugatti.

Passione Engadina/Andrea Klainguti
Natürlich standesgemäss gekleidet, mit Bugatti-Overall, Lederhaube und Cabriobrille.

Natürlich standesgemäss gekleidet, mit Bugatti-Overall, Lederhaube und Cabriobrille.

Michael Lusk

Am Auto und am Fahrer sollte es also nicht scheitern. Eher schon an meiner Aufgabe als Co-Pilot, Andy mittels Roadbook über die richtige Strecke und vor allem durch zahlreiche Sonderprüfungen zu dirigieren. Zwar habe ich das über 100 Seiten dicke Buch am Vorabend der Rallye im Hotelzimmer gründlich studiert, im offenen Vorkriegsrenner bei Regen und in voller Fahrt, standesgemäss gekleidet in Rennoverall, Lederhaube und Cabriobrille, komme ich aber trotzdem kaum mit den Anweisungen nach.

Auf Überholtour

Denn Andy denkt trotz Regen nicht daran, das fast 100-jährige Auto aus dem Bugatti-Museum zu schonen. Er gibt stattdessen alles, um einen Bugatti T51, der kurz vor uns gestartet ist, einzuholen und einen weiteren Vorkriegs-Bugatti in Schach zu halten, der von seinem Besitzer rasant die zahlreichen Kurven des Stelviopasses hinaufgejagt wird. Sogar die Touristen, die in ihren modernen Autos die zahllosen Kehren des Passes hochfahren, überholen wir einen nach dem anderen.

Selbst der Regen wird langsam schwächer, in Tunnels und den Steinmauern aus den Spitzkehren des Stelvio heraus dreht Andy den Achtzylinder immer wieder hoch, der Bugatti «fliegt» förmlich dem Gipfel entgegen. Weil der Regen für relativ kühle Bedingungen sorgt, bleibt auch die Temperatur unseres Bugattis immer im grünen Bereich. Keine Selbstverständlichkeit, wie wir später erfahren – denn die Rallye forderte von den Teilnehmern ihren Tribut und einige Ausfälle.

Strafsekunden

Einzig der Grip der Reifen respektive die teilweise sehr rutschigen Strassen fordern auch Andy volle Konzentration ab. So sind wir auch erleichtert, dass der Asphalt nach dem Mittag endlich abtrocknet. St. Moritz als Zielort rückt nach über 200 Kilometern und fast sechs Stunden immer näher. Am Ende erreichen wir tatsächlich als Schnellste das Ziel. Der Wermutstropfen: Wären da nur nicht die Sonderprüfungen gewesen, die uns so viele Strafsekunden einbrachten. So dürfen wir am Ende zwar keinen offiziellen Siegerpokal in Empfang nehmen. Die Erinnerung an eine unvergessliche Fahrt aber kann uns keiner nehmen.

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