Mels SG: Mit Leggings überm Kopf die eigene Frau überfallen
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Mels SGMit Leggings überm Kopf die eigene Frau überfallen

Am Donnerstag traf sich ein Ehepaar vor Gericht. Er soll sie maskiert in ihrem Auto überfallen haben.

von
jeb
Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland in Mels.

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland in Mels.

Kein Anbieter/jeb

Laut Anklage begab sich die Ehefrau (heute 30) im November 2014 nach Feierabend gegen 23 Uhr zu ihrem Auto, das vor einem Restaurant im Bezirk Werdenberg stand, in dem sie damals arbeitete. Sie öffnete die Fahrertüre und setzte sich.

Noch bevor sie den Zündschlüssel drehen konnte, wurde ihr von hinten eine Hand auf den Mund gelegt und ein Stück Stoff in den Mund gestopft, so die Anklage. Schliesslich konnte sich die Frau befreien und um Hilfe rufen. Derweil flüchtete der Täter. Laut Anklageschrift handelte es sich dabei um ihren Ehegatten (heute 33). Darüber wurde nun am Donnerstag in Mels vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verhandelt. Das einstige Paar lebt inzwischen getrennt, das Scheidungsverfahren läuft.

Sag nichts!

Der Gatte war vor Gericht nicht geständig und verstrickte sich in Widersprüche. Er habe von der Attacke auf seine Frau von seiner Schwägerin erfahren und sei darauf sofort zum Restaurant gefahren. Dort habe er nicht mit seiner Frau sprechen können, er sei dann von der Polizei mitgenommen worden und habe darauf zwei Tage in Untersuchungshaft verbracht. In der polizeilichen Einvernahme gab er allerdings eine andere Version zu Protokoll, wie der Anwalt der Frau vor Gericht ausführte.

Nach der Attacke sei seine Mandantin mit der Polizei zum Auto gegangen. Da habe sie erschreckt festgestellt, dass auf dem Rücksitz ein Messer mit 22 Zentimeter langer Klinge und ein Stück ihrer Leggings lag. Damit hatte sich der Täter maskiert, später wurde die DNA beider Eheleute daran gefunden. Als die Polizei zum Auto ging, soll der Mann seiner Frau auf albanisch zugerufen haben: «Sag nichts, sonst sind wir am Arsch.»

Motiv unklar

Ein Motiv für die Tat des Mannes hatte der Anwalt der Frau ebenfalls parat. Er führt die Spielsucht des Gatten ins Feld. So soll er nicht nur das Geld seiner Frau verspielt sondern auch heimlich einen Kredit aufgenommen haben. Die dazugehörigen Papiere soll er im Ersatzrad seines BMWs versteckt haben. Zudem habe er Frauengeschichten gehabt. Für den Anwalt ist klar: Der Mazedonier führte ein Doppelleben: Tagsüber arbeitete er, in der Nacht ging er seiner Spielsucht nach und kontaktierte Frauen über Chats. Irgendwann wurde der Stress zu gross, deshalb der Überfall.

Die Verteidigerin des Mannes sieht kein Motiv für die Tat und plädierte deshalb auf einen vollumfänglichen Freispruch. Der einzige Fehler des Mannes sei, dass er spielsüchtig gewesen sei und Schulden hatte. Doch diese Probleme hätte er mit einem Überfall auf seine Frau nicht lösen können. Die Verteidigerin vertrat die These, dass eine Drittperson die Frau überfiel. Der Anwalt der Frau sieht das anders: Die Beweislast sei erdrückend. Die Frau hätte Todesangst ausgestanden. Deshalb plädierte der Anwalt auf vorsätzliche Tötung und schwere Körperverletzung.

Die Staatsanwaltschaft fordert wegen einfacher Körperverletzung, mehrfacher Nötigung und groben Verletzung der Verkehrsregeln eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen und eine Busse von 2500 Franken.

Das Urteil wird in den nächsten Tagen eröffnet.

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