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Hochstapler und BankierMit Lügen Millionen ertrogen

Ein türkischer Hochstapler aus Schlieren muss für vier Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Er prellte mehrere Opfer über 1,2 Millionen Franken. Mit der Unterstützung eines CS-Kadermanns.

von
Attila Szenogrady
Ein türkischer Betrüger und ein Kadermann der Credit Suisse prellten mehrere Opfer um 1,2 Millionen Franken. Beide wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, der CS-Mann allerdings nur zu einer bedingten Freiheitsstrafe.

Ein türkischer Betrüger und ein Kadermann der Credit Suisse prellten mehrere Opfer um 1,2 Millionen Franken. Beide wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, der CS-Mann allerdings nur zu einer bedingten Freiheitsstrafe.

Es war am 28. Oktober 2006, als an der Wagistrasse 23 in Schlieren das Nobel-Restaurant namens «Maxime Suisse» seine pompöse Eröffnung feierte. Edle Tropen, sündhaft teure Speisen und eine hochkarätige Musikformation unterhielten die zahlreichen Gäste, die zum Teil in Stretch-Limousinen direkt vom Flughafen ins Limmattal chauffiert wurden.

Doch bereits am nächsten Morgen folgte der grosse Kater. So blieb das Taxiunternehmen auf seinen offenen Rechnungen von insgesamt über 10000 Franken sitzen. Zu den weiteren Opfern gehörte auch ein Versicherungsvertreter, der dem Lokal ein Darlehen von über 18000 Franken gewährt hatte. Ebenso eine Schreinerei, welche im „«Maxime Suisse» Umbauarbeiten für über 17000 Franken geleistet hatte. Alle Geschädigten warteten vergeblich auf ihr Geld. Alle waren einem heute 45-jährigen Kaufmann aus Schlieren auf den Leim gekrochen.

Landsleute um Millionenvermögen gebracht

Der türkische Angeklagte lebte seit Sommer 2003 in Schlieren und gab sich als erfolgreicher Geschäftsmann und Millionär aus. Niemand wusste damals, dass der mittellose Hochstapler erst kurz zuvor in Deutschland wegen Betrügereien in Millionenhöhe eine Freiheitsstrafe von über vier Jahren verbüsst hatte.

Der Angeschuldigte blendete in erster Linie gutgläubige Landsleute, denen er mittels angeblich gewinnbringenden Bankanlagen das schnelle Geld versprach. Dabei war dem Gauner ein damaliger Vizedirektor der Crédit Suisse behilflich. Der 45-jährige Schweizer bestätigte die Angaben des angeblichen Jachtbesitzers und nahm die vermeintlichen Anlagegelder entgegen. Alleine ein fleissiges türkisches Ehepaar aus Dietikon vertraute dem Haupttäter über den CS-Kadermann über 870000 Franken an. Die Gelder flossen auf das Konto des Angebers, der die Gelder für sein grössenwahnsinniges Gastro-Projekt innert kurzer Zeit verprasste.

Verhaftet und verurteilt

Der Angeklagte setzte sich im Herbst 2006 zunächst in die Türkei ab. Dann wurde er aber bei seiner Rückkehr in die Schweiz im Februar 2008 von der Polizei festgenommen. Im Dezember 2009 kam er zuerst vor das Bezirksgericht Zürich, wo er wegen Betrugs und Drohung eine hohe Freiheitsstrafe von fünf Jahren kassierte. Der ehemalige CS-Vizedirektor erhielt wegen Gehilfenschaft 15 Monate bedingt. Beide Angeklagten gingen in die Berufung und verlangten am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht umfassend Freisprüche.

Schuldsprüche bestätigt, Strafen leicht gesenkt

Der Hauptbeschuldigte sprach von missglückten, jedoch legalen Geschäften. Einer der türkischen Geschädigten habe ihm sogar ein Killerkommando auf den Hals geschickt, beschwerte er sich. Der Bankfachmann schob die Schuld hingegen auf den Hochstapler. Dieser habe ihn mit magischen Kräften um den Finger gewickelt, liess er vermelden und stellte damit jegliche strafrechtliche Verantwortung in Abrede. Erstaunlich war dabei, dass der CS-Mann ein geplündertes Konto des Haupttäters mit eigenen Mittel wieder heimlich gestopft hatte. So etwas habe er noch nie erlebt, erklärte der erfahrene Oberrichter Marco Ruggli dazu.

Das Obergericht bestätigte die Schuldsprüche grösstenteils. Einzig bei einer Drohung sah es die Schuld des Millionenbetrügers als nicht mehr erwiesen an. Was zu einer leichten Strafsenkung um zwei Monate auf noch vier Jahre und zehn Monate führte. Auch der wegen Gehilfenschaft verurteilte Ex-CS-Mann bekam einen Rabatt von zwei Monaten. Das Obergericht hielt ihm zugute, dass er einen Teil des Schadens wiedergutgemacht habe. Von einem völligen Strafverzicht wollten die Oberrichter aber nichts wissen. Es blieb damit bei 13 Monaten bedingt.

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