Nach Grenzattacken: Mit Luftangriffen gegen Extremisten
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Nach GrenzattackenMit Luftangriffen gegen Extremisten

Ägypten geht massiv gegen militanten Angreifer auf dem Sinai vor. Mindestens 30 wurden dabei getötet. Über die Herkunft der Extremisten wird weiter gerätselt.

Ägyptische Sicherheitskräfte formieren sich vor der Militäraktion gegen die Extremisten im Nord-Sinai.

Ägyptische Sicherheitskräfte formieren sich vor der Militäraktion gegen die Extremisten im Nord-Sinai.

Ägyptens Militär hat den bewaffneten Extremisten auf der Halbinsel Sinai den Krieg erklärt. Kampfflugzeuge bombardierten am Mittwoch die Verstecke der Militanten und töteten nach Angaben aus Sicherheitskreisen mehr als 30 von ihnen.

Den Luftangriffen waren in der Nacht zuvor neue bewaffnete Attacken der Extremisten auf insgesamt fünf Militär- und Polizeikontrollpunkte nahe der Grenze zu Israel und zum palästinensischen Gazastreifen vorausgegangen. Dabei waren mehrere Sicherheitsbeamte verletzt worden.

Es handelt sich um den schwerwiegendsten bewaffneten Konflikt in Ägypten seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Hosni Mubarak im Februar 2011. Im Inneren und im Norden des Sinai herrscht ein Sicherheitsvakuum, das sich seit dem Mubarak-Sturz noch verstärkte.

Spekulationen über Herkunft der Dschihadisten

Über Herkunft und Zugehörigkeit der sogenannten Dschihadisten (Religionskrieger) wird in Ägypten spekuliert. Das Militär machte dazu bislang nur Andeutungen. Demnach soll ein Teil von ihnen durch Schmugglertunnels aus dem Gazastreifen gekommen sein. Ägyptische Experten sehen aber vor allem neue einheimische, radikal- islamistische Strömungen am Werk.

In dem gesetzlosen Umfeld hätten sich demnach Gruppen von Dschihadisten etabliert, die sich an der extremistischen Ideologie und an den terroristischen Methoden von Al-Kaida orientieren.

Der Zugang zu Waffen sei wiederum durch den Umsturz im Nachbarland Libyen erleichtert worden. Die zahlreichen Milizen, die während des Aufstands gegen das Gaddafi-Regime entstanden waren, hätten einen Teil ihres Kriegsgeräts an überregional operierende Waffenhändler verkauft.

Kairo: Ferienziel Sinai bleibt sicher

Der Sinai ist zugleich ein beliebtes Ferienziel für Ausländer. Die Hotel- und Strandresorts liegen im Süden der Halbinsel. Sie seien durch den bewaffneten Konflikt in keiner Weise betroffen, sagte der ägyptische Fremdenverkehrsminister Hischam Sasu am Mittwoch dem Portal «alahramonline». Die Touristen könnten sich dort unverändert in Sicherheit fühlen, fügte er hinzu.

Am Sonntag hatten Bewaffnete bei einem Überfall auf einen ägyptischen Grenzposten 16 Soldaten getötet. Danach waren einige von ihnen mit einem erbeuteten Panzerfahrzeug nach Israel eingedrungen, wo sie durch einen israelischen Luftangriff getötet wurden.

Die Luftangriffe am Mittwoch seien in der Ortschaft Sheikh Suwaid in der Nähe der Provinzhauptstadt Al-Arish, geflogen worden, berichtete das Internetportal «alahramonline». Starke Bodentruppen verfolgten zudem die Angreifer in einer gebirgigen Region südlich der Stadt. Nach Medienberichten zerstörte das Militär auch drei gepanzerte Fahrzeuge der Extremisten.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi entliess am Mittwoch seinen Geheimdienstchef und den Gouverneur des nördlichen Teils der Sinai-Halbinsel. Mursi forderte zudem Verteidigungsminister Hussein Tantawi auf, den Kommandanten der Militärpolizei auszutauschen. Die Einheit war seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak vor 18 Monaten besonders häufig zum Einsatz gekommen.

Clinton sagt Unterstützung zu

Unter anderem wegen der unsicheren Lage auf der Sinai-Halbinsel hatten die USA am Dienstag eine engere Zusammenarbeit mit Kairo bei der Terrorabwehr angekündigt.

US-Aussenministerin Hillary Clinton sicherte dem neuen ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil Unterstützung zu für «die Bemühungen der ägyptischen Regierung, die Sicherheitslage in der Region zu verbessern».

Gewaltsamer Extremismus stelle eine Gefahr für Ägypten, die Nachbarn Ägyptens und auch für Amerikaner dar, sagte dazu der US- Aussenamtssprecher Patrick Ventrell. Die USA seien zudem der Sicherheit Israels verpflichtet. (sda)

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