Sexualdelikt vor Strafgericht BS – Mädchen (10) stürmte panisch aus WC – «sonst hätte ich weitergemacht»
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Sexualdelikt vor Strafgericht BSMädchen (10) stürmte panisch aus WC – «sonst hätte ich weitergemacht»

Am Mittwoch musste sich ein 37-Jähriger wegen sexueller Nötigung und sexueller Handlungen mit Kindern vor dem Basler Strafgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft verschärfte die Anklage auf versuchte Vergewaltigung.

von
Steve Last
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Auf dem WC eines Hotels in Basel hat ein 37-Jähriger ein zehnjähriges Mädchen eingesperrt, um sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen.

Auf dem WC eines Hotels in Basel hat ein 37-Jähriger ein zehnjähriges Mädchen eingesperrt, um sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen.

Panther Media/Péter Gudella
Kurz darauf wurde er von der Polizei festgenommen. Am Mittwoch musste er sich vor dem Basler Strafgericht verantworten.

Kurz darauf wurde er von der Polizei festgenommen. Am Mittwoch musste er sich vor dem Basler Strafgericht verantworten.

20min/Steve Last
Das Verfahren wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft ausgesetzt. Aufgrund von Aussagen des Beschuldigten geht sie nun von versuchter Vergewaltigung aus.

Das Verfahren wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft ausgesetzt. Aufgrund von Aussagen des Beschuldigten geht sie nun von versuchter Vergewaltigung aus.

20min/Steve Last

Darum gehts

  • Ein 37-Jähriger folgte in Basel im September 2021 einem zehnjährigen Mädchen aufs WC und versuchte dort, sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen.

  • Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen sexueller Nötigung, sexueller Handlungen mit Kindern sowie Freiheitsberaubung. Inzwischen geht sie von versuchter Vergewaltigung aus.

  • Der Beschuldigte äusserte sich am Mittwoch erstmals zu den Vorwürfen. Das Verfahren wurde ausgesetzt, um ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen.

Ein 37-jähriger Mann stand am Mittwoch vor dem Strafgericht Basel-Stadt, weil er im September 2021 einem zehnjährigen Mädchen auf ein Hotel-WC folgte, sich dort mit ihr einschloss und versuchte, ihr die Hose herunterzureissen. Bei der Befragung gestand er die Tat grundsätzlich ein und eröffnete gar neue Informationen – es war das erste Mal, dass er sich zu den Vorwürfen geäussert hat. Das Mädchen stiess den Beschuldigten weg und entkam aus der Kabine. «Sonst hätte ich weitergemacht», so der Beschuldigte. In der Folge verschärfte die Staatsanwaltschaft die Anklage von sexueller Nötigung auf versuchte Vergewaltigung.

Videoaufnahmen der Überwachungskamera des Hotels zeigen den Gang vor dem WC zum Tatzeitpunkt. Zuerst geht das Mädchen auf die Toilette. Dann betritt der Beschuldigte das Bild, späht zuerst ins Männer-WC, folgt dann dem Mädchen. Kurz darauf stürmt die Zehnjährige panisch hinaus. «Was Sie getan haben, ist ein grausames Delikt», stellte der Präsident des Dreiergerichts am Mittwoch fest. Eine rechtliche Einordnung und eine Strafe blieben jedoch aus, weil das Verfahren ausgesetzt wurde.

Psyche des Beschuldigten wirft Fragen auf

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft vertagte das Gericht einen Entscheid, um ein forensisch-psychiatrisches Gutachten des Beschuldigten erstellen zu lassen. Zunächst muss geklärt werden, ob bei dem Mann eine Pädophilie vorliegt. Er soll immer wieder den Kontakt zu Teenagerinnen gesucht haben, mit einer 15-Jährigen gar eine sexuelle Beziehung geführt haben, als er schon lange erwachsen war. Das wurde am Mittwoch zum ersten Mal erwähnt. Auch wurden sexualisierte Bilder von jungen oder zumindest jung aussehenden Mädchen und Frauen auf seinem Handy gefunden – gemäss Einschätzung der Staatsanwaltschaft knapp nicht pornografisch, weshalb es nicht angeklagt wurde.

Weiter muss die Schuldfähigkeit des Mannes geprüft werden. Vor Jahren erlitt er laut eigenen Aussagen eine drogenverursachte Schizophrenie. Seither widme er Mädchen immer mehr Aufmerksamkeit. Auch zum Tatzeitpunkt befand er sich in einem substanzbedingten Ausnahmezustand, hatte seit Tagen nicht geschlafen. Und schliesslich soll fachlich ermittelt werden, ob von dem Mann weiterhin eine Gefahr ausgeht. Das Gericht setzte ein vorläufiges Ja unter diese Frage und erliess eine Haftverlängerung. «Wir haben grosse Bedenken und können Sie nicht freilassen. Sie sind eine tickende Zeitbombe», begründete der Gerichtspräsident den Entscheid.

Bei Verurteilung droht Landesverweis

Welcher Straftatbestände sich der Mann schuldig gemacht hat, bleibt vorerst offen und wird erst bei der Fortsetzung der Hauptverhandlung vom Gericht beurteilt. Ein psychiatrisches Gutachten dürfte Erkenntnisse dazu liefern, ob es Sinn macht, eine etwaige Strafe zugunsten einer Therapie aufzuschieben. Auch wenn der Beschuldigte am Mittwoch wenig Interesse an einer Behandlung zeigte und am liebsten mit einer bedingten Strafe davongekommen wäre, könnte sich seine Einstellung noch ändern. Hinter seiner Zukunft stehen viele Fragezeichen, zumal für den deutschen Staatsbürger auch ein obligatorischer Landesverweis zur Debatte steht.

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

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