Lieber Phil Geld: Mit Maschinen an der Börse Geld verdienen?
Aktualisiert

Lieber Phil GeldMit Maschinen an der Börse Geld verdienen?

Marco (38) interessiert sich für Anlagestrategien, die dem Code eines Computerprogramms folgen. Sind solche Modelle tatsächlich empfehlenswert?

Regelbasierte Computer-Programme wurden zuerst von Hedge Funds eingesetzt. Die Idee: Ihre Performance soll die Vergleichsindizes übertreffen.

Regelbasierte Computer-Programme wurden zuerst von Hedge Funds eingesetzt. Die Idee: Ihre Performance soll die Vergleichsindizes übertreffen.

Lieber Phil Geld

Mich faszinieren Anlagestrategien, die auf einer Computer-Software basieren. Wie sind die Risiken solcher Modelle zu beurteilen? Ist diese mechanische Anlagestrategie wirklich empfehlenswert?

Lieber Marco

Solche regelbasierte Programme gibt es schon seit vielen Jahren. Sie wurden zunächst von Hedge Funds eingesetzt. Inzwischen hat jede grössere Fondsgesellschaft-Gruppe entsprechende Anlagegefässe, die strikt einem Algorithmus gehorchen. Am stärksten verbreitet sind computerbasierte Systeme im Devisenhandel und im kurzfristigen Aktienhandelsgeschäft.

Über den Erfolg dieser «Maschinen», wie sie Banker im Fachjargon nennen, ranken sich Legenden. Wenn wir aber die Performance der entsprechenden Fonds analysieren, zeigt sich ein erstaunliches Bild. Die Jahresrenditen fallen im Vergleich zu Indizes wie Dow Jones, S&P 500, DAX, SMI in guten Jahren tiefer aus. Die Verluste sind in schlechten Jahren aber ebenfalls kleiner. Generell sprechen Börsianer von einer tieferen Volatilität. Die Risiken sind also entgegen dem Vorurteil ebenfalls relativ tief. Ein weiterer Vorteil von mechanischen Konzepten: Anleger werden nicht verleitet, aufgrund von Emotionen falsche Anlageentscheide zu treffen.

Allerdings unterscheiden sich die Programme bzw. ihre Konzepte erheblich. Soeben hat das VZ VermögensZentrum ein mechanisches Anlagekonzept vorgestellt. Dabei wird das Geld zu gleichen Teilen in die zehn besten Schweizer Aktien gemäss unabhängiger Aktienanalyse von theScreener investiert. Das Anlageuniversum besteht aus den Aktien der 100 grössten an der Börse SIX kotierten Schweizer Unternehmen.

Das VZ ersetzt einen Titel, wenn sein Risiko-Rating ein «hohes Risiko» signalisiert oder sein Chancen-Rating zu weniger als zwei Sternen führt. Beim Ersatz eines Titels wird der gesamte Verkaufserlös in den besten Titel investiert, der sich noch nicht im Portfolio befindet.

Im laufenden Jahr hat dieses VZ-Modul eine Rendite von 7,2 Prozent erzielt; das entspricht exakt der Performance des Swiss Market Index (SMI). Seit 2002 habe die Mehrrendite gegenüber dem SMI 38 Prozent betragen, schreibt das VZ. Allerdings ist dieser Vergleich mit Vorsicht zu geniessen: Die entsprechende Strategie wurde im Backtesting simuliert.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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