Zurich Pride: «Mit meinen 130 Kilo habe ich die homophoben Angreifer in die Flucht geschlagen»

Aktualisiert

Zurich Pride«Mit meinen 130 Kilo habe ich die homophoben Angreifer in die Flucht geschlagen»

Franz (40) ist der Held der Pride: Als ein aggressiver Mob den queeren Gottesdienst stürmen wollte, hat er sich ihnen als Erster in den Weg gestellt.

von
Zora Schaad
1 / 8
Franz (40) ist der Held der Pride: Der Gottesdienstbesucher mit Security-Know-how hat sich dem homophoben Mob als Erster in den Weg gestellt.

Franz (40) ist der Held der Pride: Der Gottesdienstbesucher mit Security-Know-how hat sich dem homophoben Mob als Erster in den Weg gestellt.

Privat
Zum Abschluss der Pride fand am Sonntagnachmittag in der Peter- und Paul-Kirche ein Gottesdienst statt. 

Zum Abschluss der Pride fand am Sonntagnachmittag in der Peter- und Paul-Kirche ein Gottesdienst statt. 

Instagram/Zurich Pride
«Kurz nach Beginn des Gottesdienstes öffnete sich die Seitentüre und etwa sechs bis acht weiss Vermummte mit einem weissen riesigen Kreuz auf einem Betonsockel versuchten, sich Zutritt zur Kirche zu verschaffen», so Franz. 

«Kurz nach Beginn des Gottesdienstes öffnete sich die Seitentüre und etwa sechs bis acht weiss Vermummte mit einem weissen riesigen Kreuz auf einem Betonsockel versuchten, sich Zutritt zur Kirche zu verschaffen», so Franz. 

Privat

Darum gehts

Franz*, erzähl mal, was ist gestern passiert?

Der Gottesdienst begann ruhig. Fünf Minuten nach Beginn ging die Seitentüre auf und etwa sechs bis acht weiss Vermummte mit einem weissen riesigen Kreuz auf einem Betonsockel haben versucht, sich Zutritt zur Kirche zu verschaffen. Sie hatten ein Megaphon dabei und wollten Flyer verteilen. Ich sass ganz in der Nähe, bin sofort aufgesprungen und habe sie aufgehalten.

Wie hast du sie vertrieben?

Ich habe mich den homophoben Angreifern in den Weg gestellt und habe versucht, die Türe von innen zuzudrücken. Ich bin 130 Kilo schwer, das macht Eindruck.

Hattest du Hilfe?

Sehr rasch sind mir fünf bis sechs weitere Gottesdienstbesucher zu Hilfe geeilt. Wir haben die Polizei gerufen. Sie kamen und blieben vor Ort, bis der Gottesdienst vorüber war.

Du arbeitest nebenher im Security-Bereich und hast auch am Pride-Umzug am Samstag für Sicherheit gesorgt. Wie hat dir dein Know-how als Profi geholfen?

Mein Wissen hat mir sehr geholfen, ich wusste, wie ich reagieren muss: In den Weg stellen, ruhig bleiben, keine Gewalt anwenden. Aber wenn es nötig gewesen wäre, hätte ich gewusst, welche Griffe ich anwenden muss, damit die Angreifer keinen Mucks mehr machen. 

Die Angreifer sahen trainiert aus und waren in der Überzahl. Hattest du keine Angst?

Ich habe sehr schnell Unterstützung erhalten. Und ich hatte gar keine Zeit, Angst zu haben. Aber mein Adrenalin war schon sehr hoch, ich hatte einen Schock.

Hast du oder haben Personen in deinem Umfeld schon Queerfeindlichkeit erlebt?

Du bist Sicherheitsverantwortlicher für die Pride Luzern, die Anfang September stattfindet. Triffst du jetzt Massnahmen?

Auf jeden Fall! Nach diesem Vorfall werden wir das Sicherheitsdispositiv anpassen.

Schon mehrmals griffen Rechtsextreme im Ausland Pride-Veranstaltungen an. Auch über den Mob, der die Peter- und Paul-Kirche in Zürich störte, wird gemunkelt, dass es sich um Rechtsextreme handelt. Was war dein Eindruck?

Ja, ich habe das auch gehört. Es macht mich sehr traurig. Zum Glück ist ausser ein paar Kratzern auf dem Boden nichts passiert.

40’000 Menschen haben am Wochenende in Zürich ein friedliches Fest gefeiert. Das klingt nach grosser Solidarität in der Gesellschaft. Und dann kam es beim Abschlussgottesdienst zu diesem Vorfall. Was sagt das über Akzeptanz der queeren Bewegung aus?

Ich hätte nie damit gerechnet, dass so etwas passiert. Leider gibt es immer noch Menschen, die uns hassen. 

*Vollständiger Name der Redaktion bekannt 

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

InterAction, Beratung und Information für intergeschlechtliche Menschen, Tel. 079 104 81 69

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Hol dir den OneLove-Push!

Du willst keinen Comic von Yehuda Devir mehr verpassen, willst wissen, welche Bettgeschichten Ella, Bruce und Lars diese Woche erzählen, und interessierst dich für Facts und Trends rund um Beziehung, Sex und Dating? Kannst du von aussergewöhnlichen Liebesgeschichten und ungewöhnlichen Schicksalen nicht genug bekommen? Dann hole dir den OneLove-Push, um keine wichtige Story mehr zu verpassen.
So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «OneLove» an – schon läufts.

Deine Meinung