Aktualisiert 12.11.2019 13:36

A1Mit Millionen Bildern gegen den Götterbaum

Um die Verbreitung invasiver Neophyten zu erfassen, wurden über 4000 Kilometer Grünstreifen entlang von Autobahnen gefilmt. Mit künstlicher Intelligenz wurden Millionen von Bilder ausgewertet.

von
jeb
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Mit einer handelsüblichen Kamera, montiert in einem Auto, wurden die Grünstreifen entlang der A1 von St. Margrethen nach Genf erfasst.

Mit einer handelsüblichen Kamera, montiert in einem Auto, wurden die Grünstreifen entlang der A1 von St. Margrethen nach Genf erfasst.

WSL
Ziel dabei: Die Kartierung von Neophyten wie dem Götterbaum. Dieses Bild entstand bei einer Geschwindigkeit von 90 km/h.

Ziel dabei: Die Kartierung von Neophyten wie dem Götterbaum. Dieses Bild entstand bei einer Geschwindigkeit von 90 km/h.

WSL
Der schnellwüchsige Götterbaum verdeckt auf diesem Bild ein Verkehrsschild.

Der schnellwüchsige Götterbaum verdeckt auf diesem Bild ein Verkehrsschild.

slf.ch

Invasive Neophyten sind gebietsfremde Pflanzen, meist aus exotischen Ländern, die in unserer Flora nichts zu suchen haben. Um die heimische Biodiversität zu schützen und ökonomische oder gesundheitliche Schäden zu reduzieren, werden Massnahmen gegen invasive Neophyten ergriffen. So auch entlang der Schweizer Autobahnen. In einem Projekt unter der Leitung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) werden mit Hilfe von Millionen von Bildern und künstlicher Intelligenz die Neophyten Götterbaum und Schmalblättriges Greiskraut aufgespürt.

«Eine Kamera macht 24 Bilder pro Sekunde», berichtet das SRF Regionaljournal Ostschweiz am Montag. «Dieses Jahr wurden vom Forschungsteam 4000 Kilometer Autobahn abgefahren», sagt Projektleiter Michael Nobis, Ökologe beim WSL, zu 20 Minuten. «Das Auto fährt mit 90 km/h. Die Kamera ist dabei auf die Vegetation am Strassenrand gerichtet und erfasst diese.» So kommen Millionen von Bildern zusammen.

Diese werden in Zusammenarbeit mit dem Computer Vision Lab der ETH Zürich ausgewertet. Dazu wird mit künstlicher Intelligenz gearbeitet. Einer Software wird anhand von Bildern gelernt, wie sie die beiden invasiven Arten Schmalblättriges Greiskraut und Götterbaum erkennen kann.

Giftig für Mensch und Tier

«Als Resultat werden die Fundorte der Neophyten auf wenige Meter genau kartiert», sagt Nobis. «Dank diesen Informationen wissen die Mitarbeiter des Strassenunterhalts, wo sich die gesuchten Neophyten befinden.» Das sei für die Mitarbeiter ein grosser Vorteil, auch weil sie nicht selbst nach Neophyten suchen müssen, während der Verkehr in hoher Geschwindigkeit vorbei rast, was sehr gefährlich sein kann.

Laut Nobis habe man dank der Erfassung festgestellt, dass sich das Schmalblättrige Greiskraut bereits stärker ausgebreitet hat, als man das befürchtet hatte. Dieser Neophyt sei problematisch, weil er giftig ist. «Bei Menschen können Inhaltsstoffe der Pflanze, über Lebensmittel aufgenommen, Leberschäden verursachen.» Auch für Tiere sei sie schädlich, zum Beispiel für Pferde. Deshalb ist die weitere Ausbreitung des Schmalblättrigen Greiskrauts besonders in landwirtschaftlichen Flächen zu verhindern. Auch der Götterbaum wird zum Problem, wenn die schnell wachsende Art zu erhöhten Unterhaltskosten führt oder Strassenschilder abdeckt (siehe Bildstrecke).

Erfasst wurden für das Projekt die A1 zwischen St. Margethen SG und Genf, aber auch Strecken wie Basel - Luzern und Biel - Thun. Dies geschah in drei Wellen, im Frühling, Sommer und Herbst. Die Resultate des Projekts stehen nächstes Jahr für den Strassenunterhalt zur Verfügung.

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