Geld für die Zukunft: Mit nachhaltigen Fonds die Umwelt retten
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Geld für die ZukunftMit nachhaltigen Fonds die Umwelt retten

Börsenkapriolen und Bitcoin-Exzesse machen vermehrt Schlagzeilen. Nachhaltige Anlagen können ebenso profitabel sein und haben erst noch einen Nutzen, wie Raiffeisen-Experte Erol Bilecen im Interview erklärt.

von
Jan Graber
Lotto mit Herzinfarktrisiko: Das Rauf und Runter von Anlagen wie Bitcoins ist nichts für schwache Nerven.

Lotto mit Herzinfarktrisiko: Das Rauf und Runter von Anlagen wie Bitcoins ist nichts für schwache Nerven.

REUTERS/Dado Ruvic

Darum gehts

  • Nachhaltige Anlagen sind profitabel und krisenresistenter.

  • Kleinanleger investieren am besten in Fonds.

  • Nachhaltige Anlagen können Unternehmen zu umweltbewusstem Handeln anspornen.

Als Ende Januar der Wert der Gamestop-Aktie von Kleinanlegern mit der Robinhood-App in absurde Höhen getrieben wurde, schien die Börsenwelt aus den Fugen zu geraten. Kapriolen macht auch die Digitalwährung Bitcoin: mal schiesst sie in schwindelerregende Höhen, dann stürzt sie wieder ab. Wer Geld ohne Herzinfarktrisiko anlegen möchte, findet hingegen einen Anlagenbereich, der nicht nur dem eigenen Portemonnaie, sondern auch der Umwelt guttut: nachhaltige Fonds. Erol Bilecen, Experte für nachhaltige Investitionen bei Raiffeisen, erklärt im Interview, auf was man achten sollte.

20 Minuten: Erol Bilecen, was versteht man unter nachhaltigen oder grünen Investitionen?

Nachhaltige Investitionen basieren auf drei Pfeilern: Ökologie, soziale Nachhaltigkeit und den Prinzipien der guten Unternehmensführung – kurz ESG. Es geht also nicht nur um Klimaschutz, obwohl dieser ein grosses Thema ist.

Schliessen sich nachhaltige Investitionen und profitable Gewinne nicht aus?

Viele wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Anlagen, die auf den drei ESG-Pfeilern stehen, zu einem finanziellen Mehrwert führen. Wer nachhaltig investiert, vermeidet zudem eher Rückschläge.

Haben Sie ein Beispiel?

Einige Anbieter nachhaltiger Anlageprodukte waren nicht in VW investiert. Als der Dieselskandal losbrach, waren ihre Anlagen nicht betroffen. Auch von der Finanzmarktkrise 2008 waren nachhaltige Anleger weniger betroffen, weil sie in qualitativ hochwertigen Papieren investiert waren.

Nachhaltige Investitionen sind demnach sicherer?

Für nachhaltige Aktien gilt, was für alle Aktien wahr ist: Es gibt höhere Renditechancen, aber auch mehr Verlustrisiko, denn Unternehmen können scheitern. Wer sich heute auf Aktien aus dem Öl- oder Gassektor einlässt, setzt grundsätzlich auf einen Wirtschaftszweig ohne Zukunft.

Erol Bilecen ist Spezialist für nachhaltige Anlagen bei Raiffeisen Schweiz.

Erol Bilecen ist Spezialist für nachhaltige Anlagen bei Raiffeisen Schweiz.

Raiffeisen

Nehmen wir an, ich möchte 20'000 Franken investieren. Was muss ich beachten?

Prinzipiell sollte ich mir Gedanken dazu machen, welches Risiko ich eingehen kann und welchen Anlagehorizont ich habe. Brauche ich die 20'000 die nächsten zehn Jahre nicht, können Aktien eine sinnvolle Investition sein. Auf alle Fälle sollte ich in mindestens 25 Unternehmen investieren. Da dies mit 20'000 Franken schwierig ist, steckt man das Geld besser in einen Fond. Fonds sind generell auch günstiger, was die Gebühren betrifft.

Wie finde ich nachhaltige Anlage-Fonds?

Es gibt sehr viele Anbieter und Konzepte im Markt. Einen Hinweis auf nachhaltige Fonds geben Bezeichnungen wie zum Beispiel «sustainable» oder «ESG». In den Datenbanken nachhaltiges-investment.org und yoursri.ch finden sich viele Produkte, auch Aktien und Indizes.

Können Anleger Unternehmen gezielt zur Nachhaltigkeit motivieren?

Zwei Strategien zielen darauf ab. Die eine heisst «Engagement». Hier nutzt der Fondsmanager seine Stimmrechte im Unternehmen und sucht aktiv den Dialog mit dem Management. Die zweite Strategie lautet «Impact». Diese Fonds investieren gezielt in Unternehmen mit klarem ökologischen oder sozialen Nutzen.

Haben Unternehmen ihre Geschäftsfelder aufgrund grüner Impulse auch schon geändert?

Es gibt tatsächlich solche Unternehmen. Ein sehr spannendendes Beispiel ist Ørsted. Das dänische Unternehmen beutete früher Öl und Gasvorkommen in der Nordsee aus. Vor acht Jahren wandelte es sich komplett. Heute ist Ørsted der grösste Betreiber von Offshore-Windparks.

Deine Meinung

102 Kommentare
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Holdrioh11

07.04.2021, 23:53

Bei einem Fonds gibt es zu 100% einen Gewinner: der Verkäufer, respektive die Bank. Klar kann der Käufer auch gewinnen.... aber wenn der Fonds runtergeht, dann verliert die Bank nie, niemals - daher sind Fonds für Banken so attraktiv, zumal auch noch Verkaufsprämien dazukommen. Und das Thema ‚Nachhaltigkeit‘ ist momentan so richtig ‚in‘ - da muss man als Bank solche Fonds doch verkaufen und einem Kundenbedürfnis gerecht werden und kann so mit gutem Gewissen Geld verdienen. Fragen Sie mal als Kunde nach einem Fonds mit einer garantierten Rendite von 0.1% - der Verkäufer kann Ihnen keinen anbieten, gleichzeitig aber 2 bis 5% Rendite pro Jahr in Aussicht stellen - seltsam.

Thinktank

07.04.2021, 21:12

Wind- 💨 und Solaranlagen ☀️ sowie Wasserkraft 💧 und Biomasse lieferten 2020 rund 38 Prozent des EU-Stroms. 👍 Zum ersten Mal übertraf damit die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien jene aus fossilen Brennstoffen ⛽️ die auf 37 Prozent kamen. Deutschland 🇩🇪 hatte bei seiner Stromerzeugung den dritthöchsten Anteil an Erneuerbaren hinter Dänemark 🇩🇰 und Irland 🇮🇪. Europa konnte 2020 das grünste Stromjahr ⚡️aller Zeiten verzeichnen, wie eine veröffentlichte Analyse 📖 von Agora Energiewende und dem britischen Thinktank Ember zeigt.

Tante Rosie

07.04.2021, 19:52

Die Welt retten heisst, auf Profit verzichten. Die Gangart die eines Milliardärs würdig sei.