14.09.2016 13:46

Einfache Lösung?

Mit Nasenspray Depressionen bekämpfen

Manche Menschen nehmen Ketamin, um high zu werden. Auch Depressive könnten von dem Arzneistoff profitieren – und zwar innert Minuten.

von
Heute.at/fee
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Depressionen wollen österreichische Forscher künftig mithilfe von Ketamin bekämpfen.

Depressionen wollen österreichische Forscher künftig mithilfe von Ketamin bekämpfen.

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Verabreichen wollen sie das Narkotikum in Form von Nasenspray. Dabei werde die Leber geschont und der Wirkstoff kann direkt über die Schleimhäute auf kürzestem Weg ins Hirn.

Verabreichen wollen sie das Narkotikum in Form von Nasenspray. Dabei werde die Leber geschont und der Wirkstoff kann direkt über die Schleimhäute auf kürzestem Weg ins Hirn.

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«Ketamin wirkt bereits nach 10 bis 20 Minuten und hellt die Stimmung auf», sagt Siegfried Kasper, Leiter der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie: «Es kann somit effizient zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden.»

«Ketamin wirkt bereits nach 10 bis 20 Minuten und hellt die Stimmung auf», sagt Siegfried Kasper, Leiter der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie: «Es kann somit effizient zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden.»

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Der Stoff Ketamin ist vielen zumindest vom Hörensagen eher als Droge denn als Arzneimittel bekannt. Experten der MedUni Wien wissen aber um die positiven Wirkungen bei Depressionen und stellen nun einen Nasenpray vor, der rasche Hilfe verspricht.

Das aus der Chirurgie bekannte Narkotikum holt Menschen sehr schnell aus ihrer Depression und verdrängt suizidale Gedanken, heisst es in einer Mitteilung der Hochschule.

Erfolgreich erprobt

Nachdem man nach chirurgischen Eingriffen bemerkt habe, dass es den mit Ketamin narkotisierten Patienten anschliessend deutlich besser gegangen sei als anderen, die ein anderes Anästhetikum erhalten hatten, habe man die Verwendung auch auf den Bereich der Psychiatrie ausgeweitet – erfolgreich.

«Ketamin wirkt bereits nach 10 bis 20 Minuten und hellt die Stimmung auf», sagt Siegfried Kasper, Leiter der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie: «Es kann somit effizient zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden.»

Direkt dorthin, wo es wirkt

Als neue «Wunderwaffe» soll Ketamin in Form eines Nasensprays eingesetzt werden. Dabei werde die Leber geschont und der Wirkstoff könne direkt über die Schleimhäute auf kürzestem Weg ins Hirn, erklärt Kasper.

Ketamin ist nicht nur aus der Human-, sondern auch aus der Tiermedizin als Pferdebetäubungsmittel bekannt. Als Droge missbraucht kann es beim Menschen schwere Schäden anrichten.

Das bewirkt Ketamin

Ketamin gleicht eine Störung der sogenannten Glutamat-GABA-Balance im Gehirn aus: Im Denkorgan ist Glutamat von zentraler Bedeutung, weil es sowohl für die Bewegungssteuerung als auch für die Sinneswahrnehmung sowie das Gedächtnis wichtig ist. GABA ist ein hemmender Neurotransmitter Gehirn. Dockt er an den Rezeptor an, setzt er die Erregbarkeit der Nervenzellen herab. Somit ist GABA quasi der Gegenspieler von Glutamat. Bei Menschen mit Depressionen oder Angstzuständen ist diese Balance gestört, die durch Ketamin repariert werden kann.

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