Aktualisiert 18.09.2018 05:48

Prügelnde PredigerinMit Ohrfeigen und Schere gegen den Teufel

Die südkoreanische Sekte Grace Road Church betrieb jahrelang das «Dreschen». Ein verstörendes Video zeigt den angeblich biblischen Brauch.

von
mat

Der Name führt in die Irre: Von einem Weg der Gnade ist bei Grace Road Church wenig zu spüren. Ein unlängst aufgetauchtes Video zeigt, dass es bei den Treffen der südkoreanischen Sekte wenig zimperlich zuging: Man sieht, wie Anführerin Shin Ok-ju Menschen an den Haaren aus ihren Stühlen zerrt, ihnen mit der Schere ganze Büschel abtrennt und die willenlos scheinenden Gläubigen zu Boden wirft.

Eine andere Szene zeigt, wie zwei Männer einen Dritten festhalten, während Shin Ok-ju ihn mit gestrecktem Arm ohrfeigt. Dieses Ritual des «Dreschens», wie es bei Grace Road Church genannt wurde, diente dazu, Dämonen auszutreiben. Ein Sprecher der Sekte rechtfertigte das «Dreschen» mit Verweis auf die Heilige Schrift: «Das Dreschen zieht sich durch die ganze Bibel.» Einzig Grace Road setze dieses biblische Ritual voll und ganz um.

Tochter schlägt Mutter

Die Videos, die ursprünglich vom südkoreanischen Fernsehen SBS und nun auch vom britischen «Guardian» verbreitet wurden, zeigen zudem, wie Sektenmitglieder sich gegenseitig ohrfeigen. Man sieht eine junge Frau, die ihre Mutter ins Gesicht schlägt – zuerst zögerlich, dann unter den Anleitungen von Shin Ok-ju stärker und insgesamt 25-mal.

Ein 70-jähriger Mann soll während Stunden mit 600 bis 700 Schlägen traktiert worden sein, worauf er verstarb. Ein Arzt hatte nach dem Ritual ein Hämatom festgestellt. Seine Familie, ebenfalls Mitglieder von Grace Road Church, stritt später ab, dass der Mann an den Folgen des «Dresch»-Rituals gestorben sei. «Er war bereits krank», gab sein Sohn zu Protokoll.

Anführer verhaftet

Die aufwühlenden Aufnahmen waren in der Folge von Ermittlungen gegen Grace Road Church an die Öffentlichkeit gelangt. Sektenführerin Shin Ok-ju und drei weitere ranghohe Mitglieder waren vergangenen Monat auf einem Flughafen in der Nähe von Seoul verhaftet worden.

Rund 400 Mitglieder der Sekte sind seither auf den Fidschi-Inseln gestrandet, nachdem sie mit Shin Ok-ju vor einer angeblichen Hungersnot aus Südkorea geflohen waren. Dort wurden ihnen die Ausweise abgenommen und sie mussten unentgeltlich arbeiten. Vom christlichen Glauben inspirierte Sekten seien in Korea im Aufwind, wie der «Guardian» schreibt.

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