Drohungen gegen Lehrer: Mit Polizeischutz zum Elterngespräch

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Drohungen gegen LehrerMit Polizeischutz zum Elterngespräch

Fälle, in denen Eltern Lehrer bedrohen, nehmen zu. In Luzern musste in diesem Schuljahr schon viermal die Polizei bei einem Gespräch im Schulhaus anwesend sein.

von
ann
Bereits vier Mal sassen in diesem Schuljahr Polizeibeamte im Nebenzimmer, wenn Eltern zum Gespräch in eine Schule im Kanton Luzern kamen. Solche Vorfälle nähmen tendenziell zu, heisst es bei den zuständigen Stellen.

Bereits vier Mal sassen in diesem Schuljahr Polizeibeamte im Nebenzimmer, wenn Eltern zum Gespräch in eine Schule im Kanton Luzern kamen. Solche Vorfälle nähmen tendenziell zu, heisst es bei den zuständigen Stellen.

Eine Lehrperson des Kantons Luzern entschied im vergangenen Schuljahr, ein Kind in einem Internat unterzubringen. Darauf lauerten Unbekannte einer Person mit demselben Namen auf und bedrohten sie.

Vorfälle wie dieser haben die Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern dazu bewogen, bei besonders heiklen Elterngesprächen von Anfang an die Polizei beizuziehen. «Die Polizisten warten dann im Nebenzimmer. In den meisten Fällen reicht das, um die Situation zu beruhigen», sagt Dienststellenleiter Charles Vincent gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag».

Gewalt und Drohungen haben zugenommen

Seit August dieses Jahres haben Schulen schon viermal zu dieser extremen Massnahme gegriffen. Die Lehrer seien im Vorfeld verbal attackiert worden. «Konkret wurden Eltern, vor allem Väter, während Gesprächen ausfällig, weil sie mit der Anordnung bestimmter Sonderschulmassnahmen nicht einverstanden waren.» Ein Teil der Eltern habe sogar gedroht, dass etwas passiere, falls der Entscheid gefällt werde.

Die Dienststelle Volksschulbildung wird immer dann eingeschaltet, wenn Schulleitungen Unterstützung brauchen und sich an die Schulberatung wenden. «Bei rund 40 Prozent aller Notfälle geht es um die Androhung oder den Vollzug von Gewalt», sagt Vincent. Das sei ein wesentlicher Teil und habe in den letzten Jahren tendenziell zugenommen.

«Eltern sind mit den Jugendlichen überfordert»

Am häufigsten komme es zu Problemen, wenn es um Gefährdungsmeldungen durch Schulleitungen gehe. Dabei gehe es in der Regel um eine mögliche Misshandlung oder Vernachlässigung des Kindes durch die Eltern. Vincent: «Der Vorwurf geht vielen Eltern verständlicherweise nahe.»

Nicht alle Luzerner Gemeinden wenden sich an die Dienststelle, sondern haben eigene Konzepte. Die Volksschule Ebikon etwa schaltete im vergangenen Jahr zweimal die Polizei ein. «Manche Eltern sind mit den Jugendlichen überfordert und suchen in ihrer Ohnmacht jemanden, dem sie die Schuld geben können», sagt Rektor Olivier Prince. Gewalttaten wolle er um jeden Preis verhindern. Darum seien Lehrpersonen in der Regel nicht allein – und im Zweifelsfall werde die Polizei vorinformiert.

Information und Dialog von Anfang an

Auch in Kriens war die Polizei laut Rektor Markus Buholzer schon bei Elterngesprächen vor Ort. Man versuche aber, eine solche Eskalation zu verhindern. Oft würden die Drohungen auf Missverständnissen beruhen. «Manche Familien verstehen nicht, dass die Massnahme der Förderung des Kindes dient.» Man setze deshalb frühzeitig auf Information und Dialog.

So geht man auch im Thurgau vor. «Bei so grossen Entscheiden sind viele Stellen involviert und der Vorlauf ist lang», sagt Felix Züst, Verbandspräsident der Thurgauer Schulen. Einen Extremfall, bei dem die Polizei zugegen sein musste, kennt er nicht.

Ähnlich tönt es aus der Stadt Basel. «Es gibt Eltern, die drohen und solche Vorfälle nehmen zu», so Regierungsrat Christoph Eymann. Es gebe auch ein Konzept, bei dem notfalls die Polizei beigezogen werde. «Gebraucht haben wir es aber noch nie.»

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