Aktualisiert 11.05.2017 15:29

Bäbi statt Handy«Mit Puppen zu spielen ist auch als Teenager cool»

Eine Schweizer Ex-Bankerin will den Puppenmarkt revolutionieren – mit einer Puppe, mit der auch 17-Jährige spielen sollen.

von
B. Zanni
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«Viele Kinder spielen gar nicht mehr richtig. Oft sitzen schon Neunjährige nur noch am Handy», sagt Theresia Le Battistini.

«Viele Kinder spielen gar nicht mehr richtig. Oft sitzen schon Neunjährige nur noch am Handy», sagt Theresia Le Battistini.

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Die Fashion-Dolls von «I'm a Girly» sollen dies ändern.

Die Fashion-Dolls von «I'm a Girly» sollen dies ändern.

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Mit der Schweizer Autorin Mirjam Hüberli hat die Marke für jede Fashion-Doll einen individuellen Charakter entwickelt.

Mit der Schweizer Autorin Mirjam Hüberli hat die Marke für jede Fashion-Doll einen individuellen Charakter entwickelt.

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Nach dem Mutterschaftsurlaub kündigte Theresia Le Battistini ihren Job bei der UBS. Denn sie hatte einen Traum: Eine Puppe zu kreieren, die die Kindheit verlängert. «Viele Kinder spielen gar nicht mehr richtig. Oft hängen schon Neunjährige nur noch am Handy», sagt Le Battistini. Zudem komme das Spielen zu kurz, weil viele Kinder in der Freizeit komplett verplant seien. «Die Eltern chauffieren sie von einem Hobby zum anderen.»

Die Fashion-Dolls von I'm a Girly, die Le Battistini mit den Ratschlägen einer Gruppe von 9- bis 13-jährigen Mädchen entwickelt hat, sollen dies ändern. Die Dolls können mit einer grossen Kleider- und Accessoire-Palette individuell gestylt werden. «Und endlich kann man den Puppen die Haare abschneiden, ohne dass die Puppe danach futsch ist», sagt Le Battistini. Die Kollektion hat austauschbare blonde, braune und violette Perücken im Angebot. Eine Puppe kostet 148 Franken.

Weder zu dick noch zu dünn

Die Gründerin hat sich darum bemüht, möglichst natürlich wirkende Puppen zu kreieren, um den heranwachsenden Mädchen keine falschen Rollenbilder zu zeigen. «Die Beine sind weder zu dick noch zu dünn. Auch haben wir Taille und Lippen den natürlichen Proportionen angepasst.»

Das Ziel der Ex-Bankerin ist es auch, Teenager von den Bildschirmen wegzulocken. «16- bis 17-jährige Mädchen stylen nämlich gern Puppen, anstatt ständig nur Selfies auf Instagram zu posten.» Dabei könnten sie die Puppen verschieden kleiden und frisieren und setzten sich automatisch mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinander. «Das fördert die Kreativität.»

Heimliches Spielen

Das Spielen mit Puppen sei ein Bedürfnis, das auch noch viele ältere Mädchen hätten, sagt Le Battistini. «Aus Angst, von ihren Kameradinnen ausgelacht zu werden, weil sie damit kindisch wirken könnten, tun sie es meist heimlich.» Jungs hätten gleichzeitig aber genauso Freude an Drohnen, was dem Spiel mit ferngesteuerten Autos sehr nahe komme. Mit den Fashion Dolls sollten die Teenager ein klares Statement setzen können: «Die Puppen sind so modern, dass die Mädchen zeigen können: ‹Hey, mit Puppen zu spielen ist auch als Teenager cool.›»

Ganz weg vom Bildschirm will I'm a Girly die Teenager aber nicht bringen. «Mir ist bewusst, dass Instagram für viele junge Mädchen heute eine unvermeidliche Realität ist», sagt Le Battistini. Sie hofft, dass die Mädchen Fotos von den Puppen anstatt von sich selbst posten. «Warum sollen sie ihren Style auf Instagram nicht mit ihrer Puppe ausdrücken?»

Puppen-Selfies

Dies käme auch vielen Eltern entgegen. «Denn viele Eltern verbieten ihren Töchtern einen Instagram-Account, weil sie Angst haben, die Fotos könnten Pädophile anziehen.» Andere befürchteten, dass die sozialen Medien aus ihren Kindern selbstverliebte Menschen mache.

In Amerika gibt es bereits einen Trend mit Puppen-Selfies. «In den USA ist es längst normal, dass 16- und 17-jährige Mädchen solche Puppen stylen und fotografieren», sagt Le Battistini. Davon zeugen Tausende von Fotos von Puppen der Mattel-Tochter American Girl auf Instagram.

«Teenager lösen sich bewusst von Spielsachen»

Kurt Meister, Spielwarenexperte beim Schweizer Marktforschungsinstitut GfK zweifelt daran, dass die Puppen für Teenager interessant sind. In der Oberstufe lösten sich die Mädchen bewusst von den Spielsachen. «Sie frisieren und schminken lieber sich selbst als ihre Puppen und Barbies.» Heute würden die Kinder auch immer schneller erwachsen. «Die Kinder müssen mehr leisten und haben weniger Zeit zum Spielen.» Zudem spielten Handy und Laptop mit ihren schier unendlichen Möglichkeiten eine immer grössere Rolle, nicht nur in der Freizeitgestaltung.

Meister stellt zudem fest, dass der Puppenabsatz auch bedingt durch Preissenkungen auf dem Spielwarenmarkt in den letzten vier Jahren um acht Prozent zurückgegangen ist. Stattdessen seien Spiele-Apps, aber auch Brett-und Kartenspiele mit hohem Funfaktor sowie Basteln und Kreieren angesagt.

9- bis 13-jährigen Mädchen halfen bei der Entwicklung der Fashion-Dolls von I'm a Girly mit:

Teenager sollen mit Puppen spielen

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