Politikberater sagt: «Mit Roger Köppel ist der SVP ein Coup gelungen»
Aktualisiert

Politikberater sagt«Mit Roger Köppel ist der SVP ein Coup gelungen»

Der SVP sei mit Köppel als Nationalratskandidat ein geschickter Schachzug gelungen, sagt Politologe Mark Balsiger. Als Blocher-Nachfolger sieht er ihn trotzdem nicht.

von
S. Marty
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«Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel will für die SVP ins Bundeshaus. Mit diesem Entscheid löst der Zürcher Begeisterung aus.

«Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel will für die SVP ins Bundeshaus. Mit diesem Entscheid löst der Zürcher Begeisterung aus.

Keystone/Steffen Schmidt
«Das ist grossartig. Die Schweiz und die SVP würden massiv gestärkt», sagt SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Als Unternehmer verkörpere Köppel bürgerlich-liberale Ideale.

«Das ist grossartig. Die Schweiz und die SVP würden massiv gestärkt», sagt SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Als Unternehmer verkörpere Köppel bürgerlich-liberale Ideale.

Keystone/Peter Klaunzer
Für den Medienunternehmer Roger Schawinski ist klar: «Die Weltwoche ist ab heute das offizielle Parteiblatt der SVP.» Das sei das Comeback der Parteipresse.

Für den Medienunternehmer Roger Schawinski ist klar: «Die Weltwoche ist ab heute das offizielle Parteiblatt der SVP.» Das sei das Comeback der Parteipresse.

Keystone/Ennio Leanza

Herr Balsiger*, Roger Köppel hat vor den Medien seine Nationalratskandidatur für die SVP begründet. Wie hat Ihnen seine Rede gefallen?

Mark Balsiger: Er hat einen lustvollen Auftritt hingelegt, spitzbübisch und scharfzüngig zugleich. Und er schaffte es, komplizierte Inhalte auf den Punkt zu bringen. Zudem sprach er frei. Das ist eine Qualität, die wenige Politiker verinnerlicht haben. Positiv formuliert ist er ein Verdichter, negativ ausgedrückt ein Vereinfacher.

Seine Sätze wirkten fast wie abgelesen. War seine Rede einstudiert?

So etwas hat ein Roger Köppel nicht nötig. Durch seine zahlreichen öffentlichen Auftritte hat er viel Erfahrung gewonnen und weiss, wie er punkten und provozieren kann. Genau wie Roger de Weck spricht Köppel im sogenannten Baukastensystem: Da er immer wieder mit gleichen Themen konfrontiert ist, kann er sich auch immer wieder auf dieselben Elemente abstützen. Dadurch wirkt er sehr eloquent.

Scheint so, als wäre der SVP mit ihm ein geschickter Schachzug gelungen.

Ja, der SVP ist mit ihm sicher ein Coup gelungen und offenbar konnte auch Köppel dem süssen Gift der medialen Aufmerksamkeit nicht länger widerstehen. Im Parlament allerdings hat auch er nicht mehr als eine Stimme – und sein Einfluss wird in Bundesbern begrenzt sein. Es wird oftmals unterschätzt, dass der Nationalrat vor allem ein Arbeitsparlament ist. Das ist harte Knochenarbeit und die Gefahr besteht, dass Köppel davon zermürbt wird. Ich gehe davon aus, dass Köppel ein Politiker für die Bühne wird.

Wie schätzen Sie denn die Chancen ein, dass er überhaupt gewählt wird?

Köppel ist definitiv gewählt. Das ist gar keine Diskussion bei einer Person mit solch einem Bekanntheitsgrad, die für die wählerstärkste Partei ins Rennen geht.

Bereits wird Roger Köppel als Nachfolger von Christoph Blocher gehandelt. Hat er das Potenzial, in seine Fussstapfen zu treten?

Natürlich hat Roger Köppel ein enormes Potenzial. Er ist schnell, sehr belesen und kennt die Polit- und Medienlandschaft aus dem «Effeff». Und er ist ein leidenschaftlicher Debattierer. Köppel hat den Ehrgeiz, bei der SVP die neue Leaderfigur zu werden. Ob er allerdings die Parteibasis mitreissen kann, wie Blocher dies schafft, bezweifle ich. Ebenso, ob er als Intellektueller auf dem Land vom Volk geliebt wird.

Als Unternehmer mit seinem Intellekt könnte er es aber schaffen, bei den FDP-Wählern zu punkten.

Auf Panaschierstimmen ist er nicht angewiesen. Er wird von der SVP einen guten Listenplatz bekommen, das ist wichtig. Aber klar, Roger Köppel kann mit seinem unternehmerischen Geist und seiner Art auch Nicht-SVP-Wähler abholen. Doch wo es Bewunderer gibt, gibt es auch immer Feinde. Und diese sind in seinem Fall ebenso zahlreich vorhanden. Roger Köppel ist in den letzten zehn Jahren auch zu einer der grössten Hassfiguren der Gegenwart geworden. Es gibt Leute, die kriegen einen roten Kopf, wenn sie nur schon seinen Namen hören.

*Mark Balsiger ist Politologe und Herausgeber mehrerer Wahlkampf-Bücher.

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