Aktualisiert 06.02.2019 11:06

Chur GR

Mit rund 120 km/h und Schneeketten auf A13

Ein Video, das derzeit in den sozialen Netzwerken kursiert, sorgt für Aufsehen. Inhalt: Ein Rumäne, der mit Schneeketten und Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn bei Chur fährt.

von
juu

In einem Video, das gerade in den sozialen Netzwerken zu sehen ist, filmt ein Beifahrer, wie ein silbernes Fahrzeug mit rumänischem Nummernschild auf der Autobahn A13 von Chur Richtung Zürich mit montierten Schneeketten unterwegs ist. Dem Video ist zu entnehmen, dass der Rumäne rund 120 km/h schnell gefahren sein muss. «Das ist einfach wahnsinnig, dass der so fährt», so ein Leser-Reporter, der das Video an 20 Minuten schickte.

Tempo meist angepasst

Weder im Kanton St.Gallen noch im Kanton Thurgau kam es in den letzten Jahren zu vergleichbaren Vorfällen. «Bei uns gibt es ja auch keine hohen Berge oder Pässe, die den Gedanken an Schneeketten aufkommen lassen könnten», so Daniel Meili, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau.

In Graubünden allerdings scheint es kein Einzelfall zu sein: «Es kann immer wieder vorkommen, dass Verkehrsteilnehmende mit Schneeketten auf der Autobahn fahren», sagt Roman Rüegg, Mediensprecher der Kapo Graubünden. Meist würden die Verkehrsteilnehmer allerdings ihr Tempo entsprechend anpassen und bei solchen Verhältnissen die Autobahn schnellstmöglich verlassen, erklärt Rüegg.

Man darf mit Schneeketten auf die Autobahn

Mit Schneeketten auf der Autobahn zu fahren ist nicht per se verboten: «Es ist nicht explizit verboten, auf schneefreien Strassen zu fahren, aber die Fahreigenschaften des Autos sind natürlich nicht dieselben wie ohne Ketten», so Meili. So könne das Fahrzeug aufgrund der schlechten Haftung auf der Fahrbahn ins Schleudern geraten, ergänzt Rüegg. Auch ein Zerbersten der Ketten bei so einer Geschwindigkeit sei möglich.

Der TCS rät daher, die vom Schneekettenhersteller angegebene Höchstgeschwindigkeit nicht zu überschreiten, auch nicht auf der Autobahn. «Meistens sind es 50 km/h», so Erich Schwizer, Experte Mobilitätsberatung TCS. Auch wenn man theoretisch damit auf der Autobahn fahren dürfte, rät der Experte davon ab: «Meist liegt dort nicht so viel Schnee, dass Schneeketten sinnvoll sind.»

Kantone sind sich einig

Die Mediensprecher der Kantone St.Gallen, Thurgau und Graubünden sind sich einig: «Wenn wir ein solches Auto auf schneefreier Strasse antreffen würden, würden wir es stoppen und die Fahrerin oder den Fahrer auffordern, die Ketten zu demontieren.»

Auch könne eine solche Fahrweise Konsequenzen mit sich ziehen: «Wenn ein Autofahrer beispielsweise einen Unfall verursacht, der auf die Schneeketten zurückzuführen ist, kann das bei der Strafzumessung durch die Staatsanwaltschaft negative Folgen haben», erklärt Meili.

Leistungen könnten gekürzt werden

Und wie sieht es mit der Versicherung aus? «Generell muss jeder Schadenfall individuell geprüft werden», sagt Olivia Guler, Mediensprecherin der Axa. Sollte aber die in der Bedienungsanleitung angegebene Höchstgeschwindigkeit in hohem Grade überschritten worden sein, könne dies als Grobfahrlässigkeit des Lenkers gelten, so Guler. «In einem solchen Fall könnte die Motorfahrzeughaftpflichtversicherung zwar für die Schäden von Dritten aufkommen, sie könnte jedoch für einen Anteil der erbrachten Versicherungsleistungen auf den Unfallverursacher Rückgriff nehmen», erklärt Guler. Auch könnten Versicherungsleistungen für allfällige Schäden am Fahrzeug sowie Leistungen aus der Insassenunfallversicherung gekürzt werden.

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