Zürcher Wahlen: Mit Saft und Äpfeln in den Wahlkampf-Endspurt
Aktualisiert

Zürcher WahlenMit Saft und Äpfeln in den Wahlkampf-Endspurt

Mit Orangensaft, Rosen oder Äpfeln kämpfen die Kandidatinnen der Zürcher Regierungsratswahlen um letzte Wählerstimmen. Rausgeworfenes Geld, findet ein Politologe.

von
Maja Sommerhalder
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FDP-Politikerin Carmen Walker Späh verteilt vor den Regierungsratswahlen Flyer und Äpfel am Bahnhof Hardbrücke.

FDP-Politikerin Carmen Walker Späh verteilt vor den Regierungsratswahlen Flyer und Äpfel am Bahnhof Hardbrücke.

som
Währenddessen will Silvia Steiner die Passanten auf dem Paradeplatz mit Orangensaft überzeugen.

Währenddessen will Silvia Steiner die Passanten auf dem Paradeplatz mit Orangensaft überzeugen.

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Jacqueline Fehr (SP) versucht es kurz vor den Wahlen mit Rosen.

Jacqueline Fehr (SP) versucht es kurz vor den Wahlen mit Rosen.

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Silvia Steiners Mutter hatte mit ihren 82 Jahren kurz vor den Regierungsratswahlen vom Sonntag viel zu tun: Etwa 3000 Orangensaftpäckli beklebte sie mit dem Bild ihrer Tochter – die CVP-Kandidatin steht nun am Donnerstag um 7 Uhr auf dem Paradeplatz und drückt das Goodie den Passanten in die Hand. «Orangensaft passt doch mit seiner Farbe und dem Vitamin C zur CVP», so Steiner. Zudem könne man ihn sofort trinken und müsse ihn nicht den ganzen Tag herumschleppen.

Länger haltbar wäre Carmen Walker Spähs Handcreme, die die FDP-Kandidatin in den letzten Wochen fleissig verteilt hat: «Sie waren heiss begehrt, nun sind aber alle 3000 weg.» Drei Tage vor der Entscheidung müssen es darum Flyer und Äpfel richten: «Schliesslich gehen etwa 10 Prozent der Wähler erst am Wochenende an die Urne.» Dies sieht auch ihre Konkurrentin Jacqueline Fehr (SP) so, die am Donnerstag auf dem Tessinerplatz Rosen verteilt: «Vielleicht kann ich so noch einige überzeugen, doch noch den Wahlzettel auszufüllen.»

«Botschaften wären wichtiger als Goodies»

Dass die drei Politikerinnen noch bis zuletzt um die Gunst der Wähler kämpfen, findet Politologe Louis Perron gut: «Gerade wenn es knapp wird, kann jede Stimme entscheidend sein.» Goodies verteilen ist für Perron allerdings rausgeworfenes Geld und verschwendete Zeit: «Wichtiger wäre, während des gesamten Wahlkampfes mit überzeugenden Botschaften zu punkten.» In der Politik gehe es um Inhalte: «Dann wäre der Wahlkampf auch weniger lau als der diesjährige.»

Trotzdem glaubt er, dass Steiner, Fehr und Walker Späh gute Chancen haben, in den Regierungsrat einzuziehen. «Zusammen mit dem Bisherigen Martin Graf werden sie wohl um die drei letzten Sitze kämpfen.» Er schätzt, dass Steiner am ehesten über die Klippe springen muss: «Das hat aber wenig mit der Negativ-Kampagne gegen sie zu tun.» Vielmehr sei sie am wenigsten bekannt und die CVP sei eine kleine Hausmacht.

«Für Graf kann es knapp werden»

Ebenfalls zittern muss laut Perron wohl Martin Graf (Grüne), während seine Kollegen Markus Kägi (SVP), Thomas Heiniger (FDP), Ernst Stocker (SVP) und Mario Fehr (SP) problemlos wiedergewählt werden düften: «Als Grünen-Politiker hat Graf nicht so eine grosse Wählerbasis.» Zudem habe der Fall Carlos seinem Ansehen geschadet und er könne nicht mehr wie vor vier Jahren vom Fukushima-Effekt profitieren. Dass Atomthemen weniger gefragt sind, hat sich bereits bei den Wahlen in Luzern und Basel-Land gezeigt: Hier ist der Wähleranteil der Grünen und Grünliberalen eingebrochen, während die bürgerlichen Parteien in der Tendenz zulegen konnten.

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