Mit Sandsäcken und Helm ruhig gestellt
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Mit Sandsäcken und Helm ruhig gestellt

In einen Helm gesteckt und mit Sandsäcken behängt liess ein Heim-
leiter einen 14-Jährigen sechs Stunden ausharren. Jetzt stand er vor Gericht.

Der heute 42-jährige Mann pflegte bis 2004 in seinem Jugendheim in Salmsach Missetäter zur Strafe zu fesseln. Als sich eine 16-jährige, renitente Jugendliche weigerte, zur Arbeit zu gehen, Hanf in einem Garten stahl oder wenn sie zu spät nach Hause kam, wurde sie jeweils für bis zu zwei Stunden an ein Bett gefesselt.

Einen damals 14-Jährigen fesselte der Heimleiter rund 30-mal mit Handschellen oder Bettgurten, weil er mit Mitinsassen gestritten hatte oder die Heimleitung provoziert hatte. Am schwersten jedoch dürfte der so genannte Behindertentag wiegen: Der Heimleiter setzte dem Jungen einen Töffhelm auf, fesselte seine Handgelenke mit einem Gurt an den Körper und befestigte an den Beinen zehn Kilo schwere Sandsäcke, damit sich der Junge nur mühsam bewegen konnte – rund sechs Stunden lang.

Das war vor drei Jahren. Das Bundesgericht bestätigte 2006 eine bedingte Gefängnisstrafe gegen den Mann wegen ähnlicher Vorfälle. Das Bezirksgericht Arbon sprach gestern eine Zusatzstrafe von 15 Tagessätzen bedingt. Pikant ist, dass der Mann behauptet, die Utensilien für die Tortur von einer renommierten Thurgauer Sonderschule ausgeliehen zu haben. Sie würden dort ständig eingesetzt. Die Sonderschule bestritt dies auf Anfrage heftig.

Gaudenz Looser

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