Miet-Erfahrungen: Mit schäbigen Tricks auf Wohnungssuche
Aktualisiert

Miet-ErfahrungenMit schäbigen Tricks auf Wohnungssuche

Familienfotos, Gratisferien, Bestechungen: Um sich gegen die Heerscharen an Mitbewerbern durchzusetzen, fahren Wohnungssuchende schwerstes Geschütz auf.

von
Joel Bedetti
Wie komme ich zu einer Bleibe? Stadtwohnung in Winterthur.

Wie komme ich zu einer Bleibe? Stadtwohnung in Winterthur.

Alle wollen in die Stadt. Die Leerwohnungsziffer in Zürich und anderen Schweizer Städten ist inzwischen etwa auf dem Niveau der Veganer- oder Fructarierquote in der Bevölkerung: nämlich bei nahezu null. Die extreme Konkurrenzsituation hat zur Folge, dass einige Wohnungssuchende sämtliche Register ziehen, um ihre Mitbewerber um eine Bleibe auszustechen.

«Häufig bekommen wir schön gestaltete Briefe, Zeichnungen und Bilder von der Familie. Die Dossiers ähneln immer mehr einem Bewerbungsschreiben für eine Stelle», sagt Hans Barandun, Liegenschaftsverwalter beim Zürcher Hauseigentümerverband. Von den frischgebackenen Mietern kriege man als Dank manchmal Blumen und Pralinen, so Barandun weiter, das akzeptiere man gerade noch.

Simple Bestechungsversuche

«Einige Leute aber legen den Schreiben Gutscheine bei, zum Beispiel für einen Flug, oder sie versprechen eine Woche Gratis-Ferien. Manchmal stellen sie auch gleich Bargeld in Aussicht», sagt Barandun.

Die Bestechungsversuche seien in allen Preissegmenten zu beobachten, so Barandun, speziell aber natürlich bei Wohnungen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Bei den seriösen Hausverwaltungen komme man damit aber nicht durch, ist Hans Barandun überzeugt. Im Gegenteil: «Solche Leute wären wahrscheinlich auch keine angenehmen Mieter.»

Schäbige Möbel verkaufen

Walter Angst, Sprecher des Mieterverbands Zürich, bestätigt die Erfahrungen von Hans Barandun - und auch die Tatsache, dass die meisten Hausverwaltungen korrekt arbeiten.

Häufiger ist es gemäss Angst, dass Mieter die Not ihrer potentiellen Nachfolger ausnutzen würden. Gerade private Vermieter seien froh, wenn sie um das teure und aufwendige Inserieren herumkommen, indem die ausziehenden Mieter selbst ihren Nachfolger vorschlagen. «Manche wollen ihre Wohnung behalten und mit einer Untermiete noch Geld machen», so Walter Angst. Oder sie würden zur Bedingung machen, dass die Nachmieter die schäbige Möblierung teuer kaufen müssen.

Gemäss Angst gibt es in Einzelfällen noch weitergehende Angebote, genauer will der Mietervertreter nicht werden. Er sagt nur: «Es gibt Leute, denen jeder Trick recht ist, um zu kriegen, was sie wollen. Die Ellbogenkultur ist auch bei der Wohnungssuche angekommen.»

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