Aktualisiert 08.02.2010 19:03

Nackter ProtestMit Sex-Appeal gegen Sexismus

Sie sind schnell, frech und effizient. Mit nackter Haut holen sich die Schönheiten der ukrainischen Frauenbewegung «Femen» die Publicity für ihre Anliegen.

von
dhr

Diesmal traf es den Präsidenten in spe, Viktor Janukowitsch. Das Wahllokal in der Hauptstadt Kiew, in dem der Favorit der ukrainischen Präsidentschaftswahl seine Stimme abgeben wollte, wurde von vier jungen Frauen gestürmt. Die Aktivistinnen wussten genau, dass im Lokal ein internationaler Medientross aus auf den Auftritt des aussichtsreichsten Kandidaten wartete. Vor dem Pulk der Kameras zogen sie sich aus — das sicherste Mittel, um das Blitzlichtgewitter auf sich zu ziehen.

Katerstimmung im Krisenland

Der hüllenlose Protest richtete sich gegen die «Vergewaltigung der Demokratie» in der Ukraine. Das von der Wirtschaftskrise gebeutelte osteuropäische Land ist auch politisch tief gespalten; im Wahlkampf flogen die Fetzen, und jetzt — kurz nach der Wahl — wird der Gewinner Janukowitsch bereits von seiner Rivalin Timoschenko des Wahlbetrugs bezichtigt. Die Aufbruchstimmung der «Orangen Revolution» von 2004 ist längst einem herben Kater gewichen; kein Politiker geniesst bei der Wählerschaft noch wirklich Vertrauen.

Hart trifft die Krise besonders die Frauen. Manche Frauen — vornehmlich junge — sind aufgrund der katastrophalen Wirtschaftslage gezwungen, sich zu prostituieren. Allein nach Regierungsangaben verdienen rund 12 000 Frauen ihren Lebensunterhalt mit Prostitution; die Dunkelziffer dürfte beträchtlich höher liegen.

Nackte Guerilla

Seit Frühjahr 2008 formiert sich unkonventioneller Widerstand gegen die Sexindustrie und andere Missstände. Die Frauenbewegung «Femen» protestiert in ungewohnten, äusserst provokativen Formen gegen Sextourismus, Prostitution und Pornoindustrie. «Die Ukraine ist kein Bordell!», ist einer der Kernsätze der Bewegung. So führten letzten Herbst leicht bekleidete Frauen in einer Performance vor, wie Studentinnen an der Uni von Professoren sexuell belästigt werden (siehe Video unten). Die Aktivistinnen spielen dabei virtuos mit den Medien-Mechanismen und nutzen auch das Internet, um ihre Anliegen zu propagieren. Nach wie vor verfügt die Bewegung nicht über ein Büro; der harte Kern, etwa 30 Frauen, nutzt ein Café als Treffpunkt. Die Zahl der Sympathisantinnen allerdings ist grösser — und sie wächst.

Die vier Frauen, die das Wahllokal in Kiew zur Bühne umfunktionierten, wurden festgenommen. Doch die Bilder der Verhaftung gingen um die Welt. Es war mit Sicherheit nicht die letzte Aktion der nackten ukrainischen Guerrilla.

Video: «Femen» protestiert vor der Uni gegen die sexuelle Belästigung von Studentinnen durch Professoren

Quelle: YouTube

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