Aktualisiert 25.11.2013 12:31

Junge in der Fürsorge

Mit Sozialhilfe den Lehrlingslohn aufbessern

Wenn Lehrlinge bei den Eltern ausziehen, können sie in gewissen Fällen gleich Sozialhilfe beantragen – und damit ihr Einkommen deutlich erhöhen.

von
lüs
18- bis 25-Jährige machen in den grossen Schweizer Städten rund zehn Prozent der Sozialhilfebzüger aus.

18- bis 25-Jährige machen in den grossen Schweizer Städten rund zehn Prozent der Sozialhilfebzüger aus.

Kaum war sie 18 geworden, wollte eine junge Frau aus der Stadt Zürich von zu Hause ausziehen. Als die Eltern ihr sagten, dann müsse sie auch finanziell selber für sich sorgen, antwortete sie: «Kein Problem, das Sozialamt wird zahlen.» Das hätten auch zwei ihrer Freundinnen so gemacht.

Die Eltern hätten erst geglaubt, sie bluffe, berichtet die «Weltwoche». Doch die Tochter wurde tatsächlich von der Fürsorge der Stadt Zürich unterstützt, sobald sie ausgezogen war. Davon erfuhren die Eltern aber erst, als sie wenige Monate später einen Brief bekamen, in dem das Sozialamt von den Eltern das Fürsorgegeld zurückforderte, das man der Tochter zahle. Da die Tochter sich als Lehrling in der Erstausbildung befinde und die Familie über ein geregeltes Einkommen verfüge, nehme man Regress. Die Eltern weigerten sich zu zahlen und konnten sich nach zähem Ringen mit dem Sozialamt durchsetzen. Die Beträge, die das Sozialamt von den Eltern zurückforderte, lassen laut «Weltwoche» darauf schliessen, dass die junge Frau durch den Auszug bei den Eltern und den Gang zur Fürsorge ihre Einkünfte verdoppeln konnte.

Die meisten jungen Sozialhilfezüger leben nicht allein

In den Schweizer Städten machen Personen im Alter zwischen 18 bis 25 Jahren rund zehn Prozent der Sozialhilfebezüger aus. In Zürich sind dies rund 1700 Personen. Die meisten von ihnen lebten aber nicht allein, sondern seien «eingebettet in ein Familiensystem», sagt Franziska Schawalder, Sprecherin der Sozialen Dienste der Stadt Zürich. Ab Erreichen der Volljährigkeit könne man den Wohnsitz selber wählen, die Sozialhilfe finanziere jungen Erwachsenen aber keine eigene Wohnung, sondern sie müssten beispielsweise in einer WG wohnen.

Natürlich unterstütze die Sozialhilfe aber nicht jede 18-jährige Person, die von zuhause ausziehen wolle. «Es muss nachgewiesen sein, dass sie mittellos ist.» Dazu würden die finanziellen Verhältnisse der Eltern geklärt, die während der Erstausbildung ihres Kindes unterhaltspflichtig sind, und man ergründe, warum jemand nicht mehr zuhause leben könne. «Erst wenn die Mittellosigkeit ausgewiesen ist, müssen die volljährigen Gesuchstellenden von Gesetzes wegen von den Sozialen Diensten unterstützt werden», so Schawalder.

Kinder mit wohlhabenden Eltern erhalten nichts

Zahlen darüber, wie oft man von Eltern, deren Kinder von der Sozialhilfe unterstützt werden, Gelder zurückfordert, kann man bei den Sozialen Diensten der Stadt Zürich nicht nennen. Generell gilt laut Schawalder, dass junge Erwachsene, deren Eltern «wohlhabend» sind, nicht unterstützt werden. «Das müssen die Kinder und Eltern untereinander regeln und allenfalls sogar vor Gericht gehen.»

Neben Zürich hat auch die Stadt Basel einen hohen Anteil von jungen Erwachsenen, die Sozialhilfe beziehen: 838 Einwohner von Basel zwischen 18 und 25 Jahren leben von der Fürsorge, dies entspricht einem Anteil von 8,6 Prozent bei dieser Altersgruppe. Nicole Wagner, Amtsleiterin Sozialhilfe von Basel-Stadt, sagt, man unterstütze nur junge Erwachsene, deren Eltern bedürftig sind. Dabei setze man grundsätzlich voraus, dass diese in einem gemeinsamen Haushalt mit den Eltern leben und berechne auch ihren Bedarf entsprechend.

Ausnahmen gebe es nur, wenn «triftige Gründe» vorliegen, dass das Zusammenleben zwischen Eltern und ihren mündigen Kindern «nicht zumutbar» ist. Allein lebende junge Erwachsene werden laut Wagner nur unterstützt, wenn sie bereits zwölf Monate einen eigenen Wohnsitz hatten, bevor sie «bedürftig» wurden.

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