Basel: Mit Spanner-Brille unterwegs
Aktualisiert

BaselMit Spanner-Brille unterwegs

Monatelang machte ein 41-Jähriger
mit einer Kamerabrille versteckte Aufnahmen von nackten Männern. Gestern musste er sich dafür vor dem Richter verantworten.

von
Anna Luethi
Tatwaffe Kamerabrille.

Tatwaffe Kamerabrille.

Mit einer schwarzen Sonnenbrille war er in der Garderobe und der Dusche eines Fitnessstudios unterwegs – doch über die Aufmachung des 41-jährigen Schweizers wunderte sich monatelang niemand. Bis zu dem Tag, an dem ein Mitglied eine Speicherkarte fand. Darauf zu sehen waren Filmaufnahmen nackter Männer, darunter der Finder selbst. Von Herbst 2009 bis Februar 2010 hatte der Spanner in James-Bond-Manier durch eine Brille mit Kamerafunktion gefilmt.

«Mein Mandant empfindet unendliche Scham und Reue für seine Tat», sagte sein Verteidiger gestern vor Gericht. Die Bilder verwendete er nur für den Eigengebrauch. Das Gericht sprach dem Voyeur denn auch lediglich eine bedingte Strafe zu: 60 Tagessätze mit zwei Jahren Bewährung. Speicherchips und Brille wurde beschlagnahmt. Brisant ist die Beschaffung: Er habe die Brille für 190 Franken auf dem Flohmarkt erstanden, so der Angeklagte.

Peter Gill von der Staatsanwaltschaft sagt zwar, dass der Einsatz solcher Kamerabrillen «sehr selten» sei – aber: «Voyeurismus kann durch technische Raffinessen heute mehr ausgelebt werden.» In Umkleidekabinen von Badeanstalten und Kleidergeschäften werde immer wieder gespannt: Dort kommen meist Kameras, Handys und Spiegel zum Einsatz.

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