Scientology: Mit System in den Selbstmord getrieben
Aktualisiert

ScientologyMit System in den Selbstmord getrieben

«Kritiker sind Verbrecher», sagt Scientology-Gründer und Science-Fiction-Autor Ron Hubbart. Wie ernst es den Sektenmitgliedern mit dieser Auffassung ist, zeigt heute eine TV-Dokumentation.

Wer Scientology skeptisch gegenübersteht, wird nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst: Wer es wagt und die selbsternannte «Kirche» öffentlich kritisiert, wird an den Pranger gestellt. Ihm drohen vielleicht sogar - wie es in einem internen Kommando-Papier der Bewegung heisst - «geräuschvolle Ermittlungen» durch eine Spezialeinheit der Scientologen. Dazu gehören auch Befragungen bei Freunden und Nachbarn: «Du betonst immer wieder, dass du bereits einige erstaunliche Tatsachen beisammen hast... es macht nichts aus, wenn du nicht viele Informationen erhältst. Sei nur geräuschvoll - es funktioniert ganz phantastisch».

In den Selbstmord getrieben

Ein aktueller Fall aus Florida zeigt, wie ein Scientology-Kritiker mit System in den Selbstmord getrieben wurde. Auch in Deutschland hat sich die Organisation mit Stammsitz Los Angeles längst breitgemacht. Das System ist weit verzweigt, aufgegliedert in Organisationen mit zumeist harmlos klingenden Namen: «Narconon» - ein Verein, der vorgibt, Drogenmissbrauch zu bekämpfen. «Criminon» verspricht die Läuterung von Kriminellen, «Professionelles Lernen» lockt mit Nachhilfe-Unterricht. Die resolute Sekten-Kritikerin Ursula Caberta, Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology in Hamburg (der bislang einzigen staatlichen Beratungsstelle dieser Art) weiss aus jahrelanger Erfahrung, was hinter diesen vermeintlich unverfänglichen Angeboten steht: ökonomisches Wachstum und Machterweiterung der Bewegung. Insider und Aussteiger weltweit, Menschen ohne Angst, beschreiben den Alltag von Scientolgy: von den Anwerbungsversuchen bis zu den Prozeduren der Hirnwäsche. Immer wieder wird, etwa von Politikern aus Hamburg und Bayern, ein Verbot von Scientology gefordert. Aber die seit Jahren gesammelten Erkenntnisse des Verfassungsschutzes scheinen nicht auszureichen.

Dokumentation aus aktuellem Anlass

Die Dokumentation von Tilman Jens versucht eine Bestandesaufnahme - am Vorabend des deutschen Filmstarts von «Operation Walküre», der die Diskussion um die Sekte noch einmal anheizen wird: Was kommt heraus, wenn sich Tom Cruise, der bekannteste Scientologe der Welt, am Widerständler Claus von Stauffenberg versucht?

Quelle: ARD

TV-Tipp:

«Hirnwäscher - wie gefährlich ist Scientology?», Mittwoch, 21. Januar 2009 um 23:30 Uhr in der ARD.

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