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Zürcher Luxus-Boutiquen«Mit T-Shirt wird man arrogant bedient»

Kein Einzelfall: Nicht nur Star-Talkmasterin Oprah Winfrey hat in Zürcher Luxus-Shops schlechte Erfahrungen gemacht – auch 20-Minuten-Leser sind aufgrund ihres Aussehens schon schlecht bedient worden.

von
bat

Die Empörung über die schäbige Behandlung der US-Talkmasterin Oprah Winfrey in Zürich ist gross. Auch 20-Minuten-Leser haben in Luxusshops in und ausserhalb von Zürich schlechte Erfahrungen gemacht, wie zahlreiche Zuschriften an die Redaktion zeigen. Dabei ist nicht primär die Hautfarbe an der schlechten Behandlung schuld, wie Oprah vermutet, sondern die Kleidung.

So schreibt zum Beispiel Leserin B.C.: «Ich wollte in einem Uhrengeschäft an der Bahnhofstrasse ein neues Lederarmband für meine Breitling kaufen. Da hiess es: ‹Das ist aber sehr teuer.›» In Basel wollte C. in einem Luxuskaufhaus als Stammkundin auf Rechnung kaufen. Da habe die Verkäuferin quer durch den Laden zur Filialchefin geplärrt, ob sie wohl kreditwürdig sei. C. schreibt, dass sie nur in Jeans, T-Shirt und Flip-Flops unterwegs war. «Das war wohl mein Fehler», schreibt sie.

Ähnliche Erfahrungen hat S.K. gemacht. «Ich war mit Wanderhosen und einem einfachen T-Shirt an der Bahnhofstrasse. Unglaublich, wie arrogant die Verkäuferin war. Seither gehe ich nicht mehr an der Bahnhofstrasse einkaufen.» Und auch P. L. ist aufgrund seiner Kleider in einem Juweliergeschäft in Zürich schlecht bedient worden: «Ich hatte zwar eine Anzugshose und ein Hemd meiner Firma an, aber das reichte wohl nicht.»

L. wollte seiner Frau ein Paar Perlenohrringe kaufen: «Doch die Verkäuferin hat mir immer wieder Perlenohrringe gebracht, die ich eher einem Schulmädchen geschenkt hätte.» Nach Protest habe die Verkäuferin ihm erklärt, dass die «richtigen» Perlen zu teuer seien. «Schlussendlich habe ich mich aber durchgesetzt und Perlen für insgesamt 2'000 Franken gekauft.»

Kein Dresscode bei Dior & Co.

Gibt es in Luxusläden in Zürich Dresscodes oder Anweisungen an die Mitarbeiter, gewisse Kunden nicht zu bedienen oder nur günstige Ware zu zeigen? Margrit Roth, Geschäftsführerin des Burberry-Ladens an der Bahnhofstrasse, winkt ab. «Kleidervorschriften gibt es bei uns nicht. Es steht der Mensch im Mittelpunkt und nicht, wie er aussieht oder angezogen ist. Bei uns sind Kunden in Flip-Flops ebenso willkommen wie jene in teuren Anzügen.» Gemäss der langjährigen Erfahrung von Roth kann man aufgrund der Kleider keine Schlüsse ziehen, ob jemand wohlhabend ist oder nicht.

Auch bei der Boutique von Christian Dior an der Bahnhofstrasse will man nichts von Dresscodes oder sonstigen Auswahlkriterien für die Kunden wissen. «Man kann nicht aufgrund des Äusseren erkennen, wer viel Geld hat und wer nicht. Manchmal erlebt man grosse Überraschungen», sagt Verkäuferin Ludmilla Ramage. Auch das Alter gebe keinen Hinweis auf das Vermögen. «Zu uns kommen manchmal Kinder wohlhabender Eltern, die noch im Teenageralter sind, aber für viel Geld hier einkaufen.» Man bediene bei Dior grundsätzlich jeden, und wer wolle, könne sich auch die ganz teuren Taschen ansehen. «Das ist kein Problem», so Ramage.

«Ein Missverständnis»

Eine ganz andere Version des Vorfalls mit Winfrey vertritt derweil Boutiquenbesitzerin Trudie Götz, bei der Oprah Winfrey die Tasche kaufen wollte. Im Tages-Anzeiger sagt sie: «Das war ein Missverständnis. Ich lege meine Hand ins Feuer für die Verkäuferin.» Die Modeberaterin sei eine routinierte Mitarbeiterin mit Jetset-Erfahrung, die ein Interesse an einem Verkauf gehabt hätte.

Laut Götz hat sich Winfrey erkundigt, wie teuer die Tasche sei. Die Angestellte habe ihr gesagt, dass es sich um die schönste und teuerste Tasche handele. Die Verkäuferin habe Winfrey gefragt, ob sie ihr die Tasche zeigen dürfe. Aber Winfrey habe nur gesagt: «No, no, I just want to have a look.» Die Verkäuferin habe ihr dann Taschen im Wert von 4000 Franken gezeigt, doch Winfrey habe kein Interesse an einem Kauf gehabt. Die Tasche ist in der Zwischenzeit in einer anderen Boutique in St. Moritz verkauft worden.

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