Aktualisiert 27.04.2020 10:38

Zürich

Mit Tempo 180 km/h durch den Uetlibergtunnel gebolzt

Ein Beifahrer soll mit Handyaufnahmen einen Lenker zur Raserfahrt animiert haben. Doch statt einer Verurteilung wurde das Verfahren eingestellt.

von
Stefan Hohler
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Der Beschuldigte soll im Jahr 2013 auf dem Hintersitz den Lenker gefilmt haben, als dieser mit einem Honda Civic R 2.0 mit mindestens 180 km/h durch den Uetlibertunnel bolzte. (Symbolbild)

Der Beschuldigte soll im Jahr 2013 auf dem Hintersitz den Lenker gefilmt haben, als dieser mit einem Honda Civic R 2.0 mit mindestens 180 km/h durch den Uetlibertunnel bolzte. (Symbolbild)

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Am Montag musste er sich deshalb vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

Am Montag musste er sich deshalb vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

Keystone
Verurteilt wurde er nicht.

Verurteilt wurde er nicht.

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Darum gehts

  • Ein Mann soll als Beifahrer einen Lenker zur Raserfahrt animiert haben.
  • Am Montag musste er sich dafür vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.
  • Verurteilt wurde er nicht, das Verfahren wurde eingestellt.

Es war im wahrsten Sinn des Wortes ein kurzer Prozess, der am Montagmorgen vor dem Bezirksgericht Zürich stattfand. Nur knapp eine Stunde dauerte das Verfahren. Angeklagt war ein heute 28-jähriger Spanier wegen Gehilfenschaft zur grober Verletzung der Verkehrsregeln. Er soll im Jahr 2013 auf dem Hintersitz den Lenker gefilmt haben, als dieser mit einem Honda Civic R 2.0 mit mindestens 180 km/h durch den Uetlibertunnel bolzte. «Jo huere nöd, lueg mol uf de Tacho alte Siech, hundertachzig», sagte er lachend und später fügt er bei «er isch glaub blitz wordä».


Für den Staatsanwalt war klar: Damit hatte der Beifahrer den Lenker zusätzlich zum Schnellfahren animiert und sich der Gehilfenschaft schuldig gemacht. Er verlangte eine bedingte Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu 60 Franken (4500 Franken). Zudem soll er eine Busse von tausend Franken sowie die Untersuchungskosten von knapp 3000 Franken bezahlen - ein teurer Raserspass.

Wusste der Lenker, dass er gefilmt wurde?

Doch dazu kam es nicht. An der Gerichtsverhandlung stellte der Verteidiger den Antrag, das Verfahren einzustellen, das Delikt sei schon verjährt. Und auch wenn es nicht verjährt wäre, so der Anwalt, sei nicht bewiesen, dass sein Mandant den Lenker gefilmt habe, waren doch noch drei oder vier weitere Mitfahrer im Wagen. Sein Mandant bestreite, das 33 Sekunden lange Handyfilmchen gedreht zu haben, das später in einem WhatsApp-Chat in der Clique herumgereicht wurde. Und sein Hauptargument: Der Lenker habe anfänglich gar nicht gewusst, dass er gefilmt wurde. Als er dies dann wahrnahm, habe er das Tempo reduziert. «Somit kann gar keine Gehilfenschaft vorliegen», sagte der Verteidiger.


Dieser Argumentation folgte auch das Gericht und stellte das Verfahren ein. Zwar ist Tat nach neuem Recht erst nach zehn Jahren verjährt, der Fall hatte sich aber an einem unbestimmten Tag im Jahr 2013 ereignet, als die Verjährungsfrist noch sieben Jahre dauerte. Aber auch unabhängig davon liege keine Gehilfenschaft vor, da der Raser gar nicht gemerkt habe, dass er gefilmt wurde. «Darum wird das Verfahren eingestellt und der Beschuldigte erhält eine Prozessentschädigung», sagte der Richter. Das Gericht sprach dem 28-Jährigen rund 7400 Franken als Aufwand für die Verteidigung zu.


Die Untersuchung des Staatsanwaltes hatte sich trotz dieser Verfahrenseinstellung aber gelohnt. Denn der Spanier war der einzige aus der Raserclique, der mit einem Freispruch davon kam. Sechs weitere Lenker aus dieser Gruppe, darunter auch der Uetlibergtunnel-Raser, sind wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln bereits verurteilt worden.

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