Aktualisiert 14.05.2014 09:16

Neue LimitenMit Tempo 65 auf der Autobahn gegen Stau

ETH-Verkehrsexperte Kay Axhausen will mit einer massiven Temporeduktion die Stauproblematik in der Schweiz lösen. Die Autolobby tobt.

von
N. Glaus
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ETH-Verkehrsexperte Kay Axhausen geht noch weiter als die geplante Tempolimite des Bundes: Er will Tempo 65 auf Schweizer Autobahnen einführen, um den ständigen Staus Herr zu werden.

ETH-Verkehrsexperte Kay Axhausen geht noch weiter als die geplante Tempolimite des Bundes: Er will Tempo 65 auf Schweizer Autobahnen einführen, um den ständigen Staus Herr zu werden.

Keystone
Für die Autolobby gibt es nur eine Lösung gegen den Stau: Der konsequente Ausbau der Schweizer Nationalstrassen.

Für die Autolobby gibt es nur eine Lösung gegen den Stau: Der konsequente Ausbau der Schweizer Nationalstrassen.

Für den Ausbau der Strasse kommen für Hans Koller, Generalsekretär Verband Strasse Schweiz, auch doppelstöckige Autobahnen und Unterführungen in Frage, wie es ein Beispiel aus den USA zeigt.

Für den Ausbau der Strasse kommen für Hans Koller, Generalsekretär Verband Strasse Schweiz, auch doppelstöckige Autobahnen und Unterführungen in Frage, wie es ein Beispiel aus den USA zeigt.

Die Staustunden steigen schweizweit jährlich an. So standen die Schweizer Autofahrer im vergangenen Jahr insgesamt 26'000 Stunden im Stau. Das sind über 850 Tage oder knapp 2,5 Jahre.

Um dieses Problem zu lösen, schlägt ETH-Verkehrsexperte Kay Axhausen eine massive Temporeduktion vor: Auf Schweizer Autobahnen soll man nicht schneller als 65 bis 70 km/h fahren. Auf allen anderen Strassen soll eine Tempolimite von 35 bis 40 km/h gelten. In Singapur kenne man dieses Modell bereits, sagte Axhausen gegenüber der NZZ.

Die SP-Nationalrätin Evi Allemann findet diesen Lösungsansatz sinnvoll: «Wir wollen den Verkehr auf Schweizer Strassen möglichst verflüssigen und das Unfallrisiko verringern. Da sind Temporeduktionen der richtige Weg.» Überhaupt ist Allemann davon überzeugt, dass flexible Tempolimiten die fixen ersetzen müssten, um zu Stosszeiten das Verkehrsaufkommen besser zu regeln. Der Vorschlag sei zudem ganz im Sinne des Bundes, der die Temporeduktion auf 80 km/h auf rund 400 Autobahnkilometern plant.

Auch der Zentralpräsident des Automobil Clubs der Schweiz Mathias Ammann kann der Temporeduktion Gutes abgewinnen: «Die Beschränkung des Tempos auf 70 km/h auf den Autobahnen kann eine vorübergehende Lösung zu Stosszeiten sein.» Längerfristig würde aber auch das nichts bringen.

Tempo erhöhen statt senken

Kritisch sind jedoch die Reaktionen seitens der Autolobby. «Diesen Vorschlag kann ich nicht ernst nehmen», sagt Nationalrat Walter Wobmann (SVP). «Je länger man fährt, desto länger befindet man sich auf der Strasse. Das heisst, es gibt noch mehr Stau. In diesem Sinne wäre Tempo 140 eine geeignete Lösung.»

Auch der Generalsekretär des Verbands Strasse Schweiz Hans Koller ist überzeugt, dass Axhausens Vorschlag keine Lösung ist. «Diese Möglichkeit geht von einem gleichmässigen Verkehrsfluss aus.» In der Realität gibt es aber verschiedene Strassenverkehrsmittel wie Personenwagen, Motorräder, Lieferwagen, Lastwagen oder Sattelschlepper, die alle unterschiedliche Bedürfnisse und Geschwindigkeiten haben. Eine konsequente Temporeduktion nütze deshalb nichts.

Doppelstöckige Autobahn als Lösung

Nur indem man die Strasseninfrastruktur ausbaue, könnten Staus verhindert werden, glaubt Hans Koller, Generalsekretär des Verbands Strasse Schweiz: «Es gibt keinen anderen Ausweg, als Hochleistungsstrecken zu bauen, die nicht überall eine Ausfahrt haben. Gibt es zu wenig Platz, um die Nationalstrassen auszubauen, müssen wir diese doppelstöckig oder mit Unterführungen konstruieren.» Doppelstöckige Autobahnen gibt es beispielsweise in den USA oder in Asien. Neben dem Ausbau der Infrastruktur befürwortet Koller auch Zwischenlösungen wie die Befahrung der Pannenstreifen oder die Verkehrsdosierung bei Autobahneinfahrten zu Stosszeiten oder die Verkehrsregulierung bei Autobahneinfahrten.

Dass die Strassen in der Schweiz noch mehr ausgebaut werden, dagegen wehrt sich Allemann. «Es braucht zwingend Alternativen. Mit einem Ausbau werden Engpässe nur verschoben.» Laut der Nationalrätin müsste unter anderem der ÖV so ausgebaut werden, dass noch mehr Leute das Auto zu Hause lassen. Zudem müsste in den Städten und Agglomerationen der preisgünstige Wohnungsbau intensiviert werden, damit die Leute dort wohnen können, wo sie arbeiten.

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