Das Tessin ruft: Mit Töfflibuebe gegen die Tourismusflaute
Aktualisiert

Das Tessin ruftMit Töfflibuebe gegen die Tourismusflaute

Eine kriselnde Feriendestination erfindet sich neu: Ein Werbespot von Michael Steiner soll urbane Mittvierziger aus der Deutschschweiz in die Sonnenstube locken.

von
Sabina Sturzenegger

Töfflibuebe – das sind heute keine Teenager mehr, sondern gestandene Herren. Sie erzählen gern, wie sie vor etwa 30 Jahren mit dem Mofa über den Gotthard ins Tessin getuckert sind. Sie wollten der grauen Alpennordseite entfliehen und im Tessin zum ersten Mal die Luft des Südens schnuppern.

Mit diesem 80er-Jahre-Klischee will die Tessiner Tourismusindustrie die Hotelbetten wieder füllen. Dazu wurde ein Werbespot gedreht, für den der Schweizer Kult-Regisseur Michael Steiner («Grounding», «Mein Name ist Eugen», «Missenmassaker») und Peter Brönnimann, «Werber des Jahres», verantwortlich zeichnen:

«Mit dem Spot wollen wir zeigen, wie nah das Tessin als Destination für die Deutschschweiz ist», sagt Brönnimann. Die Töfflibuebe mussten mindestens einen ganzen Tag für die Fahrt über den Gotthard investieren, Pannen und Rast inklusive. «Mit Zug oder Auto geht das viel schneller und einfacher», sagt der Werber. Die Kernbotschaft des Films: Für eine Fahrt in den Tessin braucht man nur rund zwei Stunden. Ab 2016, wenn die ersten Züge durch den Neat-Basistunnel flitzen, wird die Reisezeit nochmal verkürzt.

Die Werbeaktion hat sich die Tessiner Tourismusorganisation einiges kosten lassen: «Bis jetzt haben wir 500'000 Franken investiert», sagt Omar Gisler von Ticino Tourismus. «Die Bevölkerung aus dem Mittelland und der Greater Zurich Area soll sehen, dass sich das Tessin erneuert hat», betont Gisler.

25 Prozent Übernachtungen verloren

Eine Erneuerung war für den Südkanton bitter nötig: Seit dem Jahr 2000 sind dem Tessiner Tourismus rund 25 Prozent der Hotelübernachtungen weggebrochen. Für Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, braucht es auch Selbstkritik: «Das Tessin hat den Strukturwandel in der Hotellerie lange Zeit verpasst.» Heute warteten im Tessin viele modernisierte Hotels und attraktive Freizeitangebote auf Gäste aus der Deutschschweiz.

Der Spot richtet sich denn auch an eine Klientel, die dem Tessin in den letzten Jahren abhanden gekommen ist: Die Töfflibuebe aus der Deutschschweiz haben es inzwischen zu etwas gebracht und gehören zur konsum- und ausgabenfreudigen urbanen Mittelschicht. «Wir haben bewusst keine golfspielenden Jungrentner gezeigt», sagt Brönnimann.

Revival der Töfflibuebe

Als angenehmer Nebeneffekt könnte der Werbefilm auch eine jüngere Kundschaft ansprechen: «Der Vintage-Boom hat inzwischen auch die Töfflibuebe erreicht. Es gibt zurzeit ein Revival», erklärt Brönnimann.

Neben dem Werbespot wird das Tessin in den nächsten Monaten mit herkömmlichen Mitteln bei den Deutschschweizern weibeln: Ab dem 1. Mai verkehrt auf dem VBZ-Netz ein Tessiner Tram und der Kanton ist erster Ehrengast am Zürifäscht vom 5. bis 7. Juli. Mit tausenden blauen Sattelbezügen für Velos und Mofas haben die Ticinesi in den letzten Tagen zudem an den Zürcher Bahnhöfen auf sich aufmerksam gemacht.

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