Kinder spielen Kriegsszenen: «Mit türkischer Politik hat das alles nichts zu tun»
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Kinder spielen Kriegsszenen«Mit türkischer Politik hat das alles nichts zu tun»

20 Minuten sprach mit dem Organisator des kritisierten Kindertheaters von Uttwil, Ahmet Tak. Er wehrt sich gegen die Vorwürfe, Propaganda für Erdogan zu betreiben.

von
eli
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Im Thurgau stellten Primarschüler die Schlacht von Gallipoli nach: Ein Kind hält eine Spielzeugwaffe in der Hand.

Im Thurgau stellten Primarschüler die Schlacht von Gallipoli nach: Ein Kind hält eine Spielzeugwaffe in der Hand.

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Ein Türkei-Experte bezeichnet die Szenen als einen Anlass, bei dem Kinder gezielt für nationalistische Kriegs-Propaganda von Staatspräsident Tayyip Erdogan instrumentalisiert würden.

Ein Türkei-Experte bezeichnet die Szenen als einen Anlass, bei dem Kinder gezielt für nationalistische Kriegs-Propaganda von Staatspräsident Tayyip Erdogan instrumentalisiert würden.

AP
Ahmet Tak, Präsident des Dachverbandes der türkischen Elternvereine in der Ostschweiz, versteht die Polemik nicht: «Vor 20 oder 30 Jahren war dieses Stück für niemanden ein Problem, jetzt soll es plötzlich Propaganda für Erdogan sein?» sagt er im Interview mit 20 Minuten.

Ahmet Tak, Präsident des Dachverbandes der türkischen Elternvereine in der Ostschweiz, versteht die Polemik nicht: «Vor 20 oder 30 Jahren war dieses Stück für niemanden ein Problem, jetzt soll es plötzlich Propaganda für Erdogan sein?» sagt er im Interview mit 20 Minuten.

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Herr Tak*, was sagen Sie zu den Vorwürfen, Sie würden Kinder für die Propaganda der Regierung Erdogan einspannen?

Ahmet Tak: Diese Berichte haben uns sehr weh getan und wir weisen diese Vorwürfe entschieden zurück. Dieses Szenen, sie dauern kaum 10 Minuten, werden seit 30 oder noch mehr Jahren regelmässig von türkischen Kindern gespielt, auch hier in der Schweiz.

Was genau stellt die Szene dar?

Die Schüler befassen sich mit der Schlacht von Gallipoli, die später zur Gründung der modernen Türkei führte. Die Szenen haben übrigens eine humanitäre Botschaft, sie zeigen, wie sich türkische Soldaten um verwundete Feinde kümmern.

Aber Sie lassen sich hier von der türkischen Regierung vor den Karren spannen.

Wie denn? Wir haben in Uttwil den türkischen Nationalfeiertag begangen, wie wir das alle etwa zwei Jahre machen. Entgegen den Berichten waren auch keine Regierungsvertreter vor Ort. Im Gegenteil. Ich hatte den Botschafter und den Konsul eingeladen und zu meiner Enttäuschung ist niemand gekommen. Die einzige Person, die aus Ankara kam, war ein Geschichtsprofessor, der über die Schlacht und ihre Bedeutung referierte und den wir selbst eingeladen hatten.

Kinder mit Gewehren, was soll das?

Es sind Holzattrappen. In anderen Stücken sind es Schwerter und niemand regt sich auf. Es war bei dieser Schlacht nun mal so, dass mit Gewehren geschossen wurde. Und nochmals: Im Vordergrund steht die humanitäre Botschaft. Vor 20 oder 30 Jahren war dieses Stück für niemanden ein Problem, jetzt soll es plötzlich Propaganda für Erdogan sein?

Ist es das nicht?

Nein. Wir machen hier keine türkische Politik, wir verfolgen die türkische Politik aus der Ferne. Ich lebe seit 40 Jahren in der Schweiz, seit ich acht Jahre alt bin, seit 36 Jahren in Rapperswil. Hier kenne ich jede Gasse. In meinem Dorf in der Türkei bin ich ein Fremder. Das ist meine Wirklichkeit. Unsere Sorge ist, dass unsere Kinder eine gute Lehrstelle finden, sich gut integrieren. Und dass sie ihre Herkunft, unseren kulturellen Hintergrund verstehen. Aber mit türkischer Politik hat das alles nichts zu tun.

«Mit türkischer Politik hat es nichts zu tun»

20 Minuten sprach mit dem Organisator des kritisierten Kindertheaters von Uttwil, Ahmet Tak. Er wehrt sich gegen die Vorwürfe, Propaganda für Erdogan zu betreiben.

Ahmet Tak äussert sich zu den Propaganda Vorwürfen. (Video: lad)

*Ahmet Tak ist Präsident des Dachverbandes der türkischen Elternvereine in der Ostschweiz. Er lebt seit 40 Jahren in der Schweiz, davon 36 Jahre in Rapperswil.

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