Machtkampf im Iran: Mit Twitter und YouTube gegen das Regime
Aktualisiert

Machtkampf im IranMit Twitter und YouTube gegen das Regime

Im iranischen Machtkampf spielen die Gegner des Regimes virtuos mit den Möglichkeiten des Internets. Besonders beliebt sind der Kurznachrichtendienst Twitter und die Videoplattform YouTube.

von
Peter Blunschi

Das Regime sah es wohl kommen: Bereits vor der Präsidentschaftswahl am letzten Freitag schaltete es den SMS-Dienst ab, ausserdem wurden Websites wie Facebook gesperrt. Noch am Montag war es gemäss Medienberichten kaum möglich, SMS zu versenden. Doch die vielen jungen Iranerinnen und Iraner, die sich mit der angeblichen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad nicht abfinden wollen, haben längst neue Wege entdeckt.

Im Zentrum steht dabei der Kurznachrichtendienst Twitter, den manche bereits als irrelevant abgestempelt hatten. Im iranischen Machtkampf erweist er sich als ideales Transportmittel für die Botschaften der Regimegegner, die unter Namen wie mousavi1388 (1388 ist das aktuelle Jahr im persischen Kalender), StopAhmadi oder Persiankiwi laufend neue Posts aufschalten und Informationen liefern, die von den offiziellen Medien verschwiegen werden. Gemäss «New York Times» werden die Meldungen meist mit dem Tag #IranElection versehen. Allein am Montagabend registrierte Twitter rund 30 Meldungen pro Minute mit diesem Zusatz.

Abschaltung verschoben

Das in San Francisco ansässige Unternehmen zeigte sich dermassen beeindruckt, dass es eine geplante Abschaltung zwecks Unterhaltsarbeiten verschob und sich dabei auf die Rolle von Twitter als «wichtiges Kommunikationsmittel im Iran» berief. Jonathan Zittrain, ein Internet-Experte an der Eliteuni Harvard, zeigte sich gegenüber der «New York Times» nicht überrascht. Wegen seines offenen Zugangs sei Twitter besonders schwer zu zensieren: «Jene Eigenschaften, die Twitter dümmlich oder halbgar erscheinen lassen, machen es so mächtig.»

Eine wichtige Rolle spielt auch die Videoplattform YouTube: in den letzten Tagen wurden zahlreiche, vorwiegend mit Handys aufgenommene Filme aus dem Iran aufgeschaltet. Sie liefern ein ungeschöntes Bild von der Brutalität von Polizei und Milizen, aber auch von der unbeugsamen Haltung der Protestierenden. Hier eine kleine Auswahl:

Polizisten in Teheran prügeln auf Menschen ein

In der Stadt Isfahan flüchten Polizisten vor der demonstrierenden Menge

Aufnahmen von der grossen Mussawi-Kundgebung am Montag in Teheran

Auch in Shiraz gehen die Menschen auf die Strasse

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