Olympia 2022: Schweizer Bobfahrerin Melanie Hasler hat keine Angst

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Bobpilotin Melanie Hasler Mit über 130 km/h den Eiskanal hinunter? «Schön! Ich habe keine Angst»

Die junge Aargauerin Melanie Hasler will im Bob eine Olympia-Medaille holen. Dass das schwierig wird, weiss sie. Doch wieso sollte sie es nicht schaffen? Die Geschichte von Hasler ist aussergewöhnlich.

von
Nils Hänggi
(aus Peking)
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Hasler ist Sportsoldatin, das hilft ihr finanziell. Später will sie ins Zeitmilitär. «Dann kann ich mich weiter voll auf den Sport konzentrieren», so die Aargauerin.

Hasler ist Sportsoldatin, das hilft ihr finanziell. Später will sie ins Zeitmilitär. «Dann kann ich mich weiter voll auf den Sport konzentrieren», so die Aargauerin.

melaniiexe/Instagram
Für Melanie Hasler sind es die ersten Olympischen Winterspiele. 

Für Melanie Hasler sind es die ersten Olympischen Winterspiele. 

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«Ich weiss noch, wie ich es erst am Abend irgendwann in meinem Zimmer realisiert habe. Ich grinste nur noch», erzählt sie. 

«Ich weiss noch, wie ich es erst am Abend irgendwann in meinem Zimmer realisiert habe. Ich grinste nur noch», erzählt sie. 

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Darum gehts

«Ich weiss noch, wie ich es erst am Abend irgendwann in meinem Zimmer realisiert habe. Ich grinste nur noch.» Das erzählt die Schweizer Bobpilotin Melanie Hasler über den Tag, als sie die Limite für die Olympischen Spiele in Peking erreicht hat. Und als Swiss Olympic Mitte Januar sie dann offiziell für die Spiele selektionierte, konnte es die 23-Jährige gar nicht mehr richtig fassen. Sie erzählt gegenüber 20 Minuten: «Es war wie Weihnachten, Geburtstag und Ostern zusammen.» 

Die junge Bobpilotin startet in China im Zweierbob zusammen mit Nadja Pasternack. Zudem tritt sie im Monobob an. Diese Disziplin wird in Peking zum ersten Mal auch an Olympischen Spielen ausgetragen – exklusiv bei den Frauen. Hasler hat gute Medaillenchancen. Mitte Januar verpasste sie an der EM im Monobob das Podest nur knapp. Und bei den Testrennen auf der Olympiabahn in China im Oktober war Hasler sehr schnell.

Vom Volleyball-Talent zur Bobpilotin

«Da habe ich gemerkt, dass ich eine Medaille gewinnen kann», so Hasler und lacht. «Ich war auch ein wenig überrascht, das muss ich zugeben.» Da die Strecke neu sei, hätten alle Athletinnen die gleichen Bedingungen. Hasler will aber nicht zu optimistisch sein. «Klar, eine Medaille ist möglich», so das junge Schweizer Sporttalent, «ein Olympia-Diplom wäre aber auch schon unglaublich.»

Unglaublich. Das ist auch ein wenig die Geschichte, wie die Aargauerin Bobpilotin wurde. Jahrelang spielte Hasler Volleyball – und das auf einem Top-Niveau. Mit 13 trainierte sie siebenmal in der Woche, später gehörte sie im Beach­volleyball zum hoffnungsvollen Nachwuchs. Und dann kam Christoph Langen, der zweifache Bob-Olympiasieger aus Deutschland. Langen war 2017 Nachwuchsnationaltrainer der Schweizer Bobfahrer und auf der Suche nach neuen Talenten.

«Alle meinten: Ich muss Bob fahren»

In einem Sportlager in Tenero wurde die Sprungkraft der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemessen. Und Hasler? Die überzeugte – und wie. Mitbekommen hat sie das nicht gleich. Das erste Mal habe sie davon gehört, als ihr Volleyball-Nationaltrainer in einem Training zu ihr kam. «Ich dachte, das sei ein schlechter Scherz. Ich wusste gar nicht, dass meine Sprungkraft für den Bobsport besser geeignet war», so die 23-Jährige. 

«Alle meinten: Ich muss Bob fahren, ich muss diesen Sport ausprobieren. Und ich dachte einfach: Bob? Langen will mich verarschen», erzählt Hasler lachend. Dann gab sie sich aber einen Ruck und probierte die für sie neue Sportart aus. Schnell merkte sie: «Das will ich immer machen.» Hatte Hasler keine Angst? «Das erste Mal schon. Ich hatte eigentlich nur einen Gedanken: Hoffentlich stürze ich nicht.» Doch die Freude sei sofort da gewesen. Und mittlerweile habe sie auch keine Angst mehr. «Dazu habe ich doch gar keine Zeit. Wenn ich fahre, muss ich mich völlig konzentrieren. Jede Bewegung muss passen, Millimeter entscheiden, Hundertstel.» 

Daheim liefen alle mit Maske rum – wegen Corona

Hasler setzt also alles auf eine Karte. Obwohl sie sich unerwartet schnell für die EM und WM qualifizierte, war es für sie nie leicht, finanziell zu überleben. Bobsport ist teuer. Ein neuer Schlitten kostet schnell einmal mehr als 60’000 Franken. Das Material ist entscheidend, der Zeitaufwand ist gross. Oder wie Hasler erklärt: «Es gibt nur Vollgas, man ordnet dem Bobfahren alles unter. Im Winter ist man eigentlich ein halbes Jahr weg. Ausser an Weihnachten ist man vielleicht mal daheim.»

Hasler ist Sportsoldatin, das hilft ihr finanziell. Später will sie ins Zeitmilitär. «Dann kann ich mich weiter voll auf den Sport konzentrieren», so die Aargauerin. Im Gespräch merkt man, dass sie einen Plan hat. Sie weiss, was sie will und wie sie ihre Ziele erreichen kann. Auch für Olympia ordnete sie alles unter. Gegen eine mögliche Corona-Ansteckung unternahm sie alles. «Vor meinem Abflug liefen wir daheim alle mit Maske rum, ich benutzte mein eigenes Bad.» Am Sonntag um 2.30 Uhr (Schweizer Zeit) gilt es ernst für Hasler. Dann heisst es für die Medaillenhoffnung: Den Eiskanal runter mit über 130 km/h. Hasler: «Schön!»

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