15.06.2020 19:22

Hasle bei Burgdorf BEMit Messer auf Ehefrau eingestochen – Obergericht durchleuchtet Fall erneut

Am 6. Februar 2016 wurde eine Frau von ihrem Ehemann in Hasle bei Burgdorf BE brutal getötet. Vor einem Jahr wurde der Schuldige wegen Mordes verurteilt. Doch mit diesem Urteil war er nicht zufrieden; seine Verteidigung legte Berufung ein. Am Dienstag wird der Fall vor dem Obergericht neu behandelt.

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Nach einer Nacht in der Disco und unter Alkoholeinfluss ging der Beschuldigte in den frühen Morgenstunden des 6. Februars 2016 in die Wohnung in Hasle bei Burgdorf BE. Dort griff der Täter laut der ersten Instanz zu einem Victorinox-Küchenmesser und stach im Schlafzimmer mehrmals auf seine Ehefrau ein. Das Opfer sei aufgrund der Verletzungen langsam verblutet und erstickt.

Nach einer Nacht in der Disco und unter Alkoholeinfluss ging der Beschuldigte in den frühen Morgenstunden des 6. Februars 2016 in die Wohnung in Hasle bei Burgdorf BE. Dort griff der Täter laut der ersten Instanz zu einem Victorinox-Küchenmesser und stach im Schlafzimmer mehrmals auf seine Ehefrau ein. Das Opfer sei aufgrund der Verletzungen langsam verblutet und erstickt.

Newspictures/Beat Kälin
Das Ehepaar wohnte in der Emmenau im bernischen Hasle bei Burgdorf. In den frühen Morgenstunden des Februarmorgens wurde der Täter schliesslich von der Polizei verhaftet. Er hatte die Polizei selber alarmiert.

Das Ehepaar wohnte in der Emmenau im bernischen Hasle bei Burgdorf. In den frühen Morgenstunden des Februarmorgens wurde der Täter schliesslich von der Polizei verhaftet. Er hatte die Polizei selber alarmiert.

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Im Jahr 2019 wurde der Mann aus Tunesien vor dem Regionalgericht in Burgdorf schliesslich verurteilt. Mit einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren wegen Mordes wurde der Mann bestraft.

Im Jahr 2019 wurde der Mann aus Tunesien vor dem Regionalgericht in Burgdorf schliesslich verurteilt. Mit einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren wegen Mordes wurde der Mann bestraft.

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Vor etwas mehr als einem Jahr fällte das Regionalgericht in Burgdorf sein Urteil: Eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren wegen Mordes sprach der vorsitzende Richter gegen den 35-jährigen Angeschuldigten dabei aus. Der Mann soll seine Ehefrau im Februar 2016 zu Hause in Hasle bei Burdorf aus purer Eifersucht getötet haben. Laut dem Gericht hat der Mann in den frühen Morgenstunden, nachdem er vom Feiern heimgekehrt war, ganz bewusst mit einem Küchenmesser zugestochen. «Es war eine verwerfliche Auslöschung eines Menschenlebens», sagte der Richter im Mai 2019 bei der Urteilsbegründung.

Da war das letzte Wort im Fall jedoch nicht gesprochen – die Verteidigung ging innert Frist in Berufung. An diesem Dienstag werden die Umstände um den Tod der 38-jährigen Schweizerin nun von der zweiten Strafkammer nochmals aufgerollt. Die höhere Instanz, das Obergericht des Kantons Bern, hat den Fall nochmals zu prüfen. War es tatsächlich Mord – oder vielleicht doch eher vorsätzliche Tötung?

Während der Strafrahmen bei Mord von zehn Jahren Freiheitsstrafe bis zu lebenslänglich reicht, wird man gemäss Strafgesetzbuch bei vorsätzlicher Tötung mit einer Freiheitsstrafe von fünf bis 20 Jahren bestraft. Auch gibt es den Tatbestand des Totschlags, dort fällt die Strafe noch geringer aus: «Handelt der Täter in einer nach den Umständen entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung, so ist die Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren», steht unter Artikel 113.

Bei der eintägigen Verhandlung vor der zweiten Strafkammer wird das Tötungsdelikt also nochmals behandelt. Die Urteilseröffnung des Obergerichts erfolgt dann am Donnerstag, 18. Juni.

20 Minuten wird live über den Prozess berichten.

Chronik des Verbrechens

Der lange Weg zur brutalen Tat

In der Ehe des späteren Täters und des Opfers kriselte es schon lange vor der Tat vom 6. Februar 2016. Immer wieder kam es zu häuslicher Gewalt, die Kinder wurden von der KESB bereits fremdplatziert.
Täter und Opfer hatten mit psychologischen Problemen zu kämpfen, Drogen und Alkohol dominierten den Alltag. Eifersuchtsanfälle des Mannes, wegen denen gar die Polizei ausrücken musste, standen ebenfalls an der Tagesordnung.

Aufgrund dieser heftigen Eifersucht kam es schliesslich im Februar 2016 zur brutalen Tötung der 38-Jährigen.

Am Vortag des tödlichen Verbrechens gab es nämlich erneut Streit. Die Frau suchte daraufhin Rat bei einem männlichen Kollegen; dies brachte ihren Mann in Rage. Es kam so bereits Stunden vor dem endgültigen Verbrechen zu mehreren Auseinandersetzungen.

Dann, nach einer Nacht in der Diskothek und unter Alkoholeinfluss, kehrte der gebürtige Tunesier in den frühen Morgenstunden des 6. Februars zurück in die gemeinsame Wohnung. Dort griff der Täter laut der ersten Instanz zu einem Victorinox-Küchenmesser und stach im Schlafzimmer mehrmals auf seine Ehefrau ein. Das Opfer sei aufgrund der Verletzungen langsam ausgeblutet und erstickt.

Am Schluss habe der Angeklagte gemäss eigenen Angaben seine tote Frau umarmt und gesagt: «Ich liebe dich. Verzeihe mir bitte». Dann habe er die Polizei gerufen. Als diese um 5.40 Uhr in Hasle bei Burgdorf eintraf, liess sich der Mann widerstandslos festnehmen.

Während des ersten Prozesses sagte der Beschuldigte: «Es ist einfach passiert. Ich war ein anderer Mensch.»

(miw)

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