Postleitzahl: Mit vier Ziffern die Briefwelt umgekrempelt
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PostleitzahlMit vier Ziffern die Briefwelt umgekrempelt

Vor 50 Jahren führte die Schweiz die Postleitzahlen ein - als drittes Land nach den USA und Deutschland. Für die Pöstler bedeutete dies vor allem: weniger Auswendiglernen.

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«Ein Postlehrling hat bis jetzt viele Stunden daran geben müssen, sämtliche Poststellen der Schweiz und darüber hinaus auch die nächste Poststelle von sehr kleinen Ortschaften auswendig zu lernen», berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» im Vorfeld der Einführung der Postleitzahlen. Denn für das Sortieren der Briefe und Pakete - damals noch reine Handarbeit - war die sogenannte Pöstlergeographie unumgänglich.

Der «ausgeprägte Mangel an geographiekundigem Personal» war denn auch einer der Hauptgründe für die Einführung der Postleitzahlen. Dies teilte die PTT in einem Sonderdruck des eigenen Amtsblattes vom 26. Juni 1964 mit. Der zweite Grund war die «stürmische Verkehrszunahme bei der Post in der Folge der anhaltend guten Wirtschaftslage».

Die «eilige Briefpost» hatte in 15 Jahren um 50 Prozent zugenommen. Damals verarbeitete die Post täglich rund 8 Millionen Kleinsendungen. Da halfen auch vorläufige Massnahmen wie der Einsatz von Frauen für die Grob- und Städtesortierungen nicht wirklich weiter.

Ende der Pöstlergeographie

Dank der neu eingeführten Postleitzahlen sollten in Zukunft auch Hilfskräfte ohne besondere Geografiekenntnisse bei der Sortierung mithelfen können. Dies war allerdings nur ein Zwischenschritt: Erklärtes Ziel bei der Einführung der Postleitzahlen war die vollautomatische Sortierung.

An der Landesausstellung 1964 in Lausanne präsentierte die Post erstmals eine Maschine, «die Briefe mit Postleitzahlen wesentlich schneller sortiert als die Hände noch so geübter Pöstler», wie es im Buch «Gelb bewegt - die Schweizerische Post ab 1960» heisst.

1967 wurde im Briefversand Lausanne die erste kleinere Maschinenkette in Betrieb genommen. Ein Jahr später kam in der Berner Schanzenpost erstmals eine teilautomatisierte und maschinelle Briefverarbeitungsanlage zum Einsatz. In der Zürcher Sihlpost ging eine neue maschinelle Paketsortieranlage in Betrieb. Die Sortierkapazität stieg auf einen Schlag um 50 Prozent.

Kampf um «gute Zahlen»

Die Bevölkerung gewöhnte sich schnell ans neue System. Wohl nicht nur darum, weil die PTT ihre Mitarbeiter in einem Schreiben aufforderte, sich «für die Neuerung freudig und tatkräftig» einzusetzen. Zudem kamen Sendungen mit Postleitzahl zuverlässiger und schneller beim Empfänger an.

Einzelne Gemeinden kämpften heftig um «gute Zahlen». Gossau SG zum Beispiel beantragte seit 1964 wiederholt eine «angemessene» Postleitzahl. Der vierte Anlauf im Jahr 1996 war schliesslich erfolgreich. Statt der ungeliebten 9202 dürfen die Gossauer nun ein 9200 vor ihre Ortschaft stellen. «Diese Postleitzahl entspricht der Grösse und wirtschaftlichen Bedeutung von Gossau», teilte der Gemeinderat stolz mit.

Es gibt keine Alternative

Seit der Einführung der Leitzahlen vor 50 Jahren hat sich einiges verändert. «In den letzten zehn Jahren hat die Entwicklung noch einmal einen gewaltigen Sprung gemacht, unsere Briefsortierzentren sind hocheffiziente Hightech-Anlagen», sagt Postsprecher Oliver Flüeler. «Heutige Sortieranlagen kennen jeden Briefkasten.» Sie würden die Briefe so sortieren, dass der Pöstler bei einem Mehrfamilienhaus die Briefkästen in der jeweiligen Reihenfolge der Kästen durchbedienen könne.

Die Postleitzahlen spielen auch heute bei der Sortierung eine gewichtige Rolle - als Basisinformation für die folgenden Sortierschritte. «Auch wenn die Sortiertechnik viel komplexer ist», so Flüeler, «gibt es weder Pläne, die Postleitzahlen abzuschaffen, noch eine Alternative dazu.» (fee/sda)

Das System der Postleitzahlen

Die vier Ziffern geben Auskunft über die geografische Lage einer Adresse. Die erste Zahl steht für die Region. Die Schweiz ist von Ost nach West durchnummeriert. Die Region Westschweiz Süd hat die Nummer 1, Westschweiz Nord die 2, Bern/Oberwallis die 3, Basel die 4, Aargau die 5, die Zentralschweiz und das Tessin die 6, Graubünden die 7, Zürich und Thurgau die 8 und die Ostschweiz die 9.

Die zweite Zahl bezeichnet die genauere Lage in dieser Region. Die Ziffer 40xx etwa steht für Basel Stadt, 45xx für Solothurn, 46xx für Olten und 48xx für Zofingen.

An dritter Stelle folgt die Angabe der Bahnstrecke, auf der die Post verschickt wird. Da Briefe und Pakete heute jedoch meist nur noch zwischen den Sortierzentren mit der Bahn transportiert werden, kommt dieser Ziffer keine Bedeutung mehr zu.

Die vierte Zahl schliesslich gibt Auskunft über den Ort. So steht die Endziffer 7 in der Postleitzahl 6417 zum Beispiel für den Ort Sattel im Kanton Schwyz, die 8 in 6418 für Rothenthurm. Grössere Gemeinden haben mehrere Postleitzahlen, eine Postleitzahl kann aber auch mehrere politische Gemeinden tangieren.

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