Aktualisiert 10.02.2004 17:18

Mit Volldampf ins Industriezeitalter: Erste Lok fuhr vor 200 Jahren

Die Geschichte der Lokomotive beginnt - typisch englisch - mit einer Wette: Im Mutterland des Industriezeitalters behauptet 1804 der Konstrukteur und Erfinder Richard Trevithick (1771-1833) das Unglaubliche.

Für die bis dahin auf Pferde angewiesenen Minenbahnen in Cornwall wollte der Sohn eines Bergwerkszahlmeisters ein mechanisches Pferd, ein Dampfross bauen, basierend auf der Dampfmaschine von James Watt, die schon damals zur Legende geworden war.

Ein Bergwerksbesitzer hielt dagegen und versprach Trevithick die stolze Summe von 500 Guinee, sollte sein tollkühnes Vorhaben gelingen. Niemals werde es gelingen, 10 Tonnen Gusseisen über knapp 15 Kilometer mit einer auf Schienen fahrenden Dampfmaschine zu transportieren.

Am 13. Februar 1804 - so datieren jedenfalls die meisten Gelehrten die Jungfernfahrt - trat Trevithick den Beweis an: Mit dem Erfinder selbst am Regler setzte sich schnaufend und zischend die erste, nach dem nahe gelegenen Bergwerk Pen-y-Darran benannte Lokomotive der Welt in Bewegung.

4 Stunden für 14 Kilometer

Am Tag danach schrieb Trevithick an einen Bekannten: «Sir, wir beförderten zehn Tonnen Eisen, fünf Wagen und 17 Menschen (...). Es sind etwa neun Meilen (14,5 Kilometer), die wir in vier Stunden und fünf Minuten zurücklegten.»

Trevithick hatte es geschafft. Für Sönke Windelschmidt vom Eisenbahnmuseum Bochum sah die «Pen-y-Darran» zwar aus wie eine umgekippte Wassertonne mit Schornstein und Rädern und schaffte gerade einmal fünf Meilen (acht Kilometer) pro Stunde. Doch es funktionierte.

Trevithick hatte Watts Dampfmaschine so verbessert, dass nun ein höherer Druck im Kessel erzeugt und so der Reibungswiderstand der eisernen Schienen überwunden werden konnte.

Schwachpunkt Schienen

Die Schienen sollten noch für Jahre die Achillesferse der neuen Eisenbahn bleiben. Trevithicks Lok war zu schwer für die gusseisernen Pferdebahngleise der Bergwerke im Süden und Nordosten Englands, sagt Rainer Mertens vom Museum der Deutschen Bahn in Nürnberg.

Das Interesse der Bergwerksbesitzer an der Dampflok erlahmte nach einer Reihe von Unfällen. Erst 1813 schaffte George Stephenson den technischen Durchbruch. Er baute 1835 auch die Lokomotive für den Adler, die erste Eisenbahn in Deutschland auf der Strecke zwischen Nürnberg und Fürth.

Frustrierter Pionier

Dem ehrgeizigen Trevithick blieb der Ruhm versagt. 1808 liess er in London eine Demonstrationsanlage errichten, um aller Welt die Tauglichkeit seiner Lok zu beweisen. Am Euston Square zog seine neue Lok «Catch me who can» (Fange mich wer kann) eine Kutsche mit 20 Kilometern pro Stunde im Kreis herum.

Für einen Schilling konnte jedermann mitfahren. Doch es nützte nichts. Kurz bevor sich ein Markt für Lokomotiven in England auftat, brach Trevithick nach mehr als zehn Jahren seine Entwicklungsarbeit enttäuscht ab. Der Siegeszug der Eisenbahn jedoch war nicht mehr aufzuhalten.

(sda)

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