Aktualisiert 26.09.2016 05:38

Lotus Elan S4 CoupéMit Vollgas in den Handling-Himmel

Kenner sind sich einig: Der Elan gehört auf die Liste der Autos, die man einmal gefahren sein sollte. Weniger als 600 Kilo treffen auf über 100 PS!

von
B. v. Rotz
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Der Lotus Elan ist sehr kompakt, keine 3,7 Meter lang und nur 1,42 Meter breit.

Der Lotus Elan ist sehr kompakt, keine 3,7 Meter lang und nur 1,42 Meter breit.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
Nur wenige Autos der Sechzigerjahren machen mehr Spass beim Fahren, vorausgesetzt man erliegt dem sportlichen Charme des leichtgewichtigen Engländers.

Nur wenige Autos der Sechzigerjahren machen mehr Spass beim Fahren, vorausgesetzt man erliegt dem sportlichen Charme des leichtgewichtigen Engländers.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
Erst ab 1965 gab es den Lotus Elan auch als Coupé - auf Wunsch der Käufer.

Erst ab 1965 gab es den Lotus Elan auch als Coupé - auf Wunsch der Käufer.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com

Mit einer Länge von 368 cm sowie einer Breite von 142 cm bei 117 cm Höhe ist der Lotus Elan einer der kompaktesten Sportwagen aller Zeiten. Kombiniert mit einem lustvoll atmenden Vierzylinder mit über 100 PS entwickelt der Elan einen Vortrieb, der manchen zeitgenössischen Sportwagen alt aussehen lässt.

Es sind nicht die absoluten Fahrleistungswerte, die dabei erstaunen, sondern die stupende Agilität, die die Kombination von minimalem Gewicht mit ausreichend Leistung ausmachen. Ein gut im Saft stehender Lotus Elan reagiert auf minimalste Gasfussbewegungen und bremst trotz fehlender Servounterstützung (Ausnahme SE- und Sprint-Modelle) genauso spontan.

Kurventalent

In den Kurven offenbart der Lotus Elan sein ganzes Talent. Natürlich hilft ihm auch hier sein geringes Gewicht von nur 600 Kilo, doch auch die Chassis-Steifheit und die vier unabhängig aufgehängten Räder tragen ihren Teil bei. Selbst auf superschmalen 155-er-Reifen – da ist manches Notrad heute breiter – umrundet der kleine Sportwagen Bögen aller Art weitgehend neutral und fast ohne Seitenneigung.

Die Lenkung wirkt angenehm direkt und sehr exakt, die Schaltung arbeitet knackig und mit kurzen Wegen, nur die Füsse haben etwas gar wenig Platz für den Tanz auf den Pedalen.

Man hat kaum Zeit, das elegante Holzarmaturenbrett und die vier Smiths-Instrumente genauer anzuschauen, schon folgt die nächste Kurve und im Ohr hat man den raspelnden Soundtrack des Vierzylinders.

Aus Erfahrungen lernen

Der Lotus Elan war nicht Colin Chapmans erster Sportwagen, denn vor dem Elan gab es bereits einige sehr rustikale Freizeitsportler wie den Typ VI und den Seven, aber auch den eleganten Elite, den eigentlichen Vorgänger des Elan.

Gezeichnet von einem Buchhalter gehört der Lotus Elite zu den schönsten Sportwagen aller Zeiten, für Lotus-Chef Colin Chapman aber sorgte er trotz gutem Absatz für rote Zahlen, denn bei jedem Wagen wurden rund 100 Pfund draufgelegt.

Also musste der Nachfolger deutlich günstiger herzustellen sein. Deshalb setzte man auf ein relativ günstig zu produzierendes Stahlblech-Chassis in Form eines X und einen Motor, der in der Basis von Ford kam. Die Karosserie bestand wie beim Elite wieder aus Kunststoff.

Trotzdem nicht billig

Im Oktober 1962 wurde der neue Sportwagen erstmals vorgestellt. In der Schweiz kostete der Elan damals 1963 17'500 Franken, bis 1968 stieg der Preis moderat auf 18'500 Franken. Zum Vergleich kostete 1963 ein Jaguar E-Type 26'300 Franken – also «nur» 5800 Franken mehr als das Kunststoff-Cabriolet aus Norwich.

Vier Serien gab es vom Elan, auf den S1 folgte bereits 1964 der S2. 1965 führte man neben dem Cabriolet auch ein Coupé ein, das auch den Übergang zum S3 einläutete. Diana Rigg alias Emma Peel fuhr in der Fernsehserie «Mit Schirm, Charme und Melone» sowohl den S2 als auch den S3 als Cabriolet – gute Werbung für das kleine Auto.

Ab 1968 gab es dann den S4 und für die Siebzigerjahre den Sprint mit 126 PS dank grösseren Ventilen. 1973 endete die Produktion des Elan, einen eigentlichen Nachfolger gab es vorerst nicht. Ende der Achtzigerjahre produzierte Lotus dann wieder einen Elan, dieses Mal als M100 allerdings mit Frontantrieb und Motor von Isuzu.

Nicht für jedermann!

Es ist leicht, sich für den Lotus Elan zu begeistern, doch wurden nicht alle Besitzer mit ihm glücklich. Eingebaute Schwachstellen und unzulängliche Wartung machen den filigranen Sportwagen nicht zum zuverlässigsten Genossen, trotz der eigentlich relativ einfachen Bauart.

Die meisten dieser Probleme sind schon lange ausgeräumt. Potenzielle Fahrer sollten aber nicht zu den ängstlichsten Menschen gehören, schliesslich befindet man sich hinter dem Steuer des Elan gerade einmal auf Stossstangenhöhe moderner SUVs. Für die Lenker dieser Ungeheuer ist man ein Elan praktisch unsichtbar.

Wen das nicht stört, der gelangt mit dem Elan in den Handling-Himmel und wird viele vergnügte Stunden im engen Cockpit erleben.

Weitere Informationen zum Lotus Elan, viele Bilder und Originalsprospekte gibt es auf Zwischengas.com.

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