Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Publiziert

Mit Willys Jeep Station Wagon begann das SUV-Zeitalter

Heute bilden die SUV die stärkste Kategorie bei den Neuwagenzulassungen. Der Anfang für diese Fahrzeuggattung wurde bereits 1946 gelegt und mit dem Willys Jeep Station Wagon nicht ganz überraschend in den USA.

von
Bruno von Rotz
3.1.2021

Als der Autohersteller Willys-Overland im Jahr 1940 mit dem «Willys Quad» der US-Armee den Prototyp des Jeeps vorstellte, hatte die Firma schon eine 37-jährige Geschichte hinter sich. Angegangen hatte es nämlich mit der Marke Overland im Jahr 1903. 1907 wurde daraus Willys-Overland. Bis 1940 war man mit wechselndem Erfolg hauptsächlich als Anbieter von Personenwagen im Geschäft, aber mit dem Jeep wurde ein komplett neues Segment erschlossen, das in den ersten Jahren natürlich ausschliesslich vom Armeegeschäft profitierte.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren allerdings neue Käufersegmente gefragt und so baute man auf der Basis des Standard-Jeeps ein deutlich vielseitiges Fahrzeug.

Vom Geländewagen zum Allzweckfahrzeug

Mitte der Vierzigerjahre verpflichtete man den Industriedesigner Brooks Steven und beauftragte ihn, einen «Station Wagon», also einen Kombi zu zeichnen. Während das Design vor allem vorne an den Geländewagen Jeep erinnerte, glich der Rest des Wagens ab A-Säule eher den typischen amerikanischen Kombis, die ihre Form meist mit Hilfe von Holzelementen erhielten. Diesen Naturwerkstoff wollte man bei Willys aber wegen der Kosten, der aufwändigen Verarbeitung und aus Sicherheitsaspekten nicht verwenden. So entstand ein Stahlblechaufbau, der aus vielen kleinen Blechelementen zusammengeschweisst wurde, mit seiner Oberflächenstruktur aber immer noch an die «Woodies» erinnerte.

Zwar baute die neue Modellvariante auf Bausteinen des bewährten Militär-Jeeps auf, aber der Motor wurde weiterentwickelt und auf den Allradantrieb verzichtete man vorerst. Die Vorderräder konnten so einzeln aufgehängt werde, der Radstand wurde für mehr Raumkomfort verlängert.

Fast 1,3 Tonnen wog der Kombi leer, bot dafür aber auch richtig viel Platz und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h. Um die Drehzahlen beim nur mit drei Gängen arbeitenden Getriebe zu senken, gab es einen Overdrive (Schnellgang), der zum zweiten und dritten Gang dazu geschaltet werden konnte.

Der Willys Jeep Station Wagon hat ein bekanntes Gesicht, das natürlich an den Militär-Jeep erinnert, als Kombi war er aber deutlich anders konzipiert.

Der Willys Jeep Station Wagon hat ein bekanntes Gesicht, das natürlich an den Militär-Jeep erinnert, als Kombi war er aber deutlich anders konzipiert.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Zwei Heckscheiben für den familientauglichen Allrad-Kombi.

Zwei Heckscheiben für den familientauglichen Allrad-Kombi.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Der Willys Jeep Station Wagon kommt dank zuschaltbarem Vorderradantrieb überall durch.

Der Willys Jeep Station Wagon kommt dank zuschaltbarem Vorderradantrieb überall durch.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com

Vom Zweirad- zum Vierradantrieb

Bereits 1949/1950 wurde auch beim «Wagon» ein zuschaltbarer Antrieb der Vorderräder angeboten, allerdings auf Kosten der Einzelradaufhängungen und (zunächst) mit Verzicht auf den Schnellgang.

Auch die Antriebstechnik wurde verbessert. Als Option gab es schon ab 1947 einen Reihensechszylindermotor, 1950 wurde die die modernere «Hurricane»-Motorengeneration eingeführt.

Der Willys Station Wagon war vergleichsweise günstig. 1950 zahlte man für die zweiradangetriebene Vierzylinder-Version 4-63 CHF 13’950, mit Sechszylindermotor waren für den 6-63 CHF 14’400 fällig, die 4x4-Version 4x4-63 kostete CHF 15’500, rund zweieinhalb soviel wie für den VW Käfer 11a De Luxe (CHF 6200) zu berappen waren. Gebaut wurde der Station Wagon bis 1964, dann erfolgte die Ablösung durch den Jeep Wagoneer.

Viele dieser Autos wurden als Nutzfahrzeuge gekauft und sie dienten für vielfältige Zug-Aufgaben, als Einsatzfahrzeug für die Feuerwehr, als Militärfahrzeug oder SBB. Später erlebte mancher dieser Wagen eine zweite Jugend, genauso wie das porträtierte rote Modell, das noch heute als Familientransportmittel eingesetzt wird.

Der fotografierte Willys Station Wagon mit Vierrradantrieb und Baujahr 1950 wurde einst als Miliärfahrzeug eingesetzt, dann aber 1961 ausgemustert. Über Umwege kam der Wagen zum heutigen Besitzer, der schon immer ein Flair für dieses Auto gehabt hatte, seit er sie vor vielen Jahrzehnten im Alltagseinsatz bewundert hatte.

Weitere Informationen sowie viele aktuelle und historische Aufnahmen zum Willys Jeep Station Wagen gibt es auf www.zwischengas.com.

Zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
88 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Sünneli-News

04.01.2021, 22:40

Forscher des Paul Scherrer Instituts in Villigen AG (Schweiz) wollten es genau wissen. Sie haben in einem Life-Cycle-Assessment untersucht, wie sich die Produktion von Strom und Batterie auf die Umweltbelastung auswirken. In der Schweiz hat ein Mittelklasse-Elektrofahrzeug nach rund 50'000 gefahrenen Kilometern die Emissionen durch die Herstellung der Batterie kompensiert. Bei einem E-Kompaktwagen mit kleinerer Batterie sieht es sogar noch deutlich besser aus!

Torqueoise

04.01.2021, 17:24

In Welche Energie-Effizienz-Kategorie gehört dieses Fahrzeug?

Reality Head

04.01.2021, 16:50

Gross= schlechter Luftwiderstand. Schwer= Hohes Gewicht das bewegt werden muss braucht mehr Energie als ein leichtgewichtiges Auto. Je höher das Gewicht ist, desto mehr Energie wird verbraten... Bei einem Verbrenner bedeutet dies. Höherer Schadstoff-Ausstoss!