Tote Schriftzeichen: Mit Wörterbuch die Maya-Sprache erwecken
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Tote SchriftzeichenMit Wörterbuch die Maya-Sprache erwecken

Die Maya bauten gigantische Pyramiden, waren Meister im Rechnen und hinterliessen 800 rätselhafte Schriftzeichen. Forscher wollen diese untersuchen und ein Wörterbuch erstellen.

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Im Nationalpark Sian Ka'an (Mexiko) befinden sich die Maya-Ruinen von Muyil.

Im Nationalpark Sian Ka'an (Mexiko) befinden sich die Maya-Ruinen von Muyil.

Ein «Wörterbuch des Klassischen Maya» möchte ein deutsches Forscherteam produzieren. Um das Ziel zu erreichen, will es rund 10'000 Inschriften aus der Zeit von 250 v. Chr. bis 900 n. Chr. erschliessen und digitalisieren, wie Projektleiter Nikolai Grube von der Universität Bonn am Mittwoch bekannt gab.

Darauf basierend soll dann das Wörterbuch als Datenbank und in gedruckter Form erstellt werden. Man will den gesamten Sprachschatz der Maya abbilden. «Der Schlüssel für die Schrift muss noch gefunden werden, um einen Einblick in die alte indianische Kultur vor der Ankunft der europäischen Eroberer zu bekommen», sagte Grube.

Auch die Grammatik und Rechtschreibung der alten Maya-Sprache soll erforscht werden. Hilfreich ist dabei, dass heute noch etwa sechs bis acht Millionen Menschen in Mexiko und Guatemala rund 30 Maya-Sprachen beherrschen. Durch Sprachvergleiche wollen die Forscher das klassische Maya rekonstruieren.

Kreuzworträtsel halb ausgefüllt

30 bis 40 Prozent der Maya-Zeichen seien noch nicht entziffert, sagte Grube. Einige Texte seien bereits entschlüsselt worden, andere aber noch gar nicht. «Es ist wie ein Kreuzworträtsel», so der Projektleiter. «Je mehr man gelöst hat, umso einfacher wird das Ausfüllen der weissen Felder.»

Aber an einigen Stellen beisse man sich dann doch die Zähne aus. Inzwischen fanden die Wissenschaftler zumindest heraus, dass es einen Ost- und einen Westdialekt der Maya gab.

«Der amerikanische Kontinent ist ein Testfeld», erklärte Grube. «Dort haben sich die Dinge völlig unabhängig von Europa und Asien entwickelt.» Das Erstaunliche aber ist, dass es dennoch ähnliche Entwicklungen auf den Kontinenten gab. So gebe es zwischen der alten ägyptischen Schrift und der Maya-Schrift strukturelle Vergleichbarkeiten etwa bei Silben oder Vokalzeichen, sagte der Forscher.

Eine Sache des Selbstbewusstseins

Die Maya heute leben oft am Rande der Gesellschaft. Für sie sei die Tatsache, dass sie eine hoch entwickelte alte Kultur hatten, ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung ihrer eigenen Identität, sagte der Forscher. Das ist auch seine Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet in Deutschland über viele Jahre die Schrift der Maya erforscht wird.

Im Westen verbinden viele mit der Maya-Kultur vor allem nicht belegte Weltuntergangs-Fantasien, die Esoteriker in die Welt setzten. «Die Maya waren besessen von Kalendern», sagte Grube. «Die haben alles genau datiert.» Diese Mathematik-Obsession erleichtert den Hieroglyphen-Forschern heute die Arbeit, denn die Maya datierten penibel auch alle ihre schriftlichen Hinterlassenschaften.

(fee/sda)

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