Hetzjagd im Internet: Mit Zarnajew verwechselt - Student tot
Aktualisiert

Hetzjagd im InternetMit Zarnajew verwechselt - Student tot

Ein 22-jähriger Student, der zu Unrecht als Täter von Boston verdächtigt wurde, ist tot. Auf sozialen Netzwerken im Internet war eine regelrechte Hetzjagd auf ihn veranstaltet worden.

von
jbu

Bevor das FBI die Brüder Zarnajew als Tatverdächtige von Boston identifizierte, stand im Internet und in vielen Medien stundenlang ein anderer Mann am Pranger: Der 22-jährige Sunil Triparthi, ein amerikanischer Student indischer Herkunft, der seit Wochen vermisst wurde. Viele Hobby-Detektive wollten den jungen Mann auf den Bildern erkannt haben, die das FBI am Donnerstag vor einer Woche veröffentlicht hatte. Beim «Verdächtigen Nummer zwei» mit der weissen Baseball-Mütze sollte es sich demnach um Sunil handeln.

Im Forum Reddit sowie auf den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook wurde sofort eine regelrechte Hetzjagd auf den jungen Mann veranstaltet. Fotos und Spekulationen wurden gepostet, Drohungen und rassistische Beschimpfungen veröffentlicht. «Wenn Du gerade auf Twitter bist und siehst, wie wir auf deinen Tod warten, beeil dich, ich will schlafen», schrieb ein User gemäss Süddeutsche.de. Auch internationale Medien nahmen die Spur auf und nannten Triparthis Namen im Zusammenhang mit den Attentaten von Boston. Bei der Familie des Mannes klingelten ununterbrochen die Telefone.

Leiche in einem Park gefunden

Bereits am Tag darauf identifizierten die Behörden dann die Zarnajew-Brüder als wahre Tatverdächtige. Sunil Triparthi wurde von jedem Verdacht freigesprochen, seine Familie erhielt Entschuldigungen von allen Seiten. Doch der junge Student blieb verschwunden.

In einer neuen Social-Media-Kampagne wurde Sunil daraufhin gesucht. Freunde und Familie versuchten, den jungen Mann per Facebook und Youtube zur Heimkehr zu bewegen. Wenige Tage später dann die traurige Gewissheit: Der Vermisste war tot. «Am 23. April wurde unser geliebter Sunil in den Gewässern des India Point Park in Providence entdeckt», heisst es in einem Statement, das die Familie Triparthi veröffentlichte.

Die genauen Todesumstände sind noch nicht geklärt. Laut seiner Mutter litt der junge Student an Depressionen, weshalb er sich vor seinem Verschwinden auch von der Brown University in Providence dispensieren liess. Ob sein Tod im Zusammenhang mit den falschen Anschuldigungen im Internet steht, ist noch nicht bekannt.

Mit diesem Video suchte Tripathis Familie nach «Sunny»:

(Quelle: Youtube.com/ S Tripathi)

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