Muttermord: «Mit zehn hat das alles begonnen»
Aktualisiert

Muttermord«Mit zehn hat das alles begonnen»

In Wien beginnt der Prozess gegen eine 15-Jährige. Sie erstach vor fünf Monaten ihre Mutter, weil diese ihr ein Internetverbot erteilte. Dennoch ist der Fall nicht so eindeutig, wie es oberflächlich scheint.

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Seit Mittwochmorgen steht die zierliche Angelika D. vor einem Wiener Straflandesgericht. Am 13. April hatte die damals noch 14-Jährige während eines Streits ein Messer gezückt und mehrmals auf ihre Mutter eingestochen. Die 37-Jährige soll dem Mädchen das Surfen im Internet verboten haben. Angelika D. rammte daraufhin die Mordwaffe siebenmal in den Rücken der Mutter. Als sich diese umdrehte, stach die Tochter ein weiteres Mal zu – diesmal in die Brust. «Aber töten wollte ich sie nicht», versicherte sie damals bei der Einvernahme.

Nun, fünf Monate später, muss das Gericht entscheiden, ob das Mädchen des Mordes schuldig gesprochen wird. Denn trotz Geständnis gilt die Unschuldsvermutung. Wie das Nachrichtenportal «oe24.at» berichtet, soll die Minderjährige schon länger vor der Tat unter den psychischen Misshandlungen der Mutter gelitten haben. «Mit zehn hat das alles begonnen», schildert die Angeklagte. Laut Staatsanwaltschaft sei die Tat aber nicht alleine mit Rache erklärbar. Die Mutter habe dem Mädchen grundsätzlich die Kindheit geraubt.

Ein Weg zur Isolation

Angelika D. soll bereits vor dem blutigen Drama zunehmend mit der Realität abgebrochen haben. Sie habe zuerst das Gymnasium geschmissen, an der neuen Schule sei sie zur Aussenseiterin geworden. Sie schreibt dafür regelmässig über ihre Frustration und ihre Wut in einem Blog. Als ihr die Mutter auch das noch verbietet, soll es zum Affektausbruch gekommen sein: «Das hat sich über Monate aufgebaut und ist in dem Augenblick wie ein Druckkochtopf, der nicht mehr standhält, explodiert», erklärt ihr Anwalt Ernst Schillhammer.

Der Konflikt mit ihrer Mutter steigerte sich seit November 2009. Die hagere Mutter, gebürtige Tschechin, die sich in Österreich nicht mehr wohl fühlte und zunehmend unzufrieden wirkte, soll Tochter Angelika oft geschlagen und gehänselt haben. Nachbarn bezeugen häufigen Streit und physische Aggressionen. «Mit deiner Brille bist du hässlich», pflegte die Mutter zu sagen.

Laut Vertrauten soll sich Angelika D. irrsinnig vor dem Prozess fürchten. Es soll sich nun zeigen, ob die speziellen Jugendgeschworenen (Lehrer, Erzieher und weiteres pädagogisches Personal) und der Schwurgerichtshof unter Leitung der Richterin Beate Matschnig milde urteilen – oder ob sie Angelika D. die volle Härte des Gesetzes spüren lassen. Dann würden ihr nach österreichischem Jugendstrafrecht ein bis zehn Jahre Haft drohen.

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