Aktualisiert 10.11.2010 13:53

WinterdienstMit Zucker statt Salz gegen den Schnee

Die Schneeräumung sorgt jährlich für Diskussionen. Jetzt wollen Politiker das ungeliebte Streusalz durch eine süsse Alternative ersetzen.

von
feb
Wird in der Schweiz in Zukunft vermehrt Zucker - und nicht mehr Salz, wie auf dem Bild - im Winterdienst eingesetzt?

Wird in der Schweiz in Zukunft vermehrt Zucker - und nicht mehr Salz, wie auf dem Bild - im Winterdienst eingesetzt?

Der harte Winter in der Schweiz hat seine Spuren hinterlassen. Viel wurde über die Schwarzräumung (die nahezu vollständige Befreiung der Strassen und Wege von Schnee und Eis) diskutiert. Und genauso viel wurde das grossflächige Salzen der Strassen als ökologischer Unsinn kritisiert. Damit soll nun Schluss sein.

«Zuckern statt salzen» heisst die Motion, die SVP-Nationalrat Oskar Freysinger am 1. Oktober eingereicht hat. Darin fordert er den Bundesrat auf, die Machbarkeit des Einsatzes von Zucker im Winterdienst zu prüfen. Freysinger ist der Meinung, dass Salz im Winterdienst hohe Kosten verursacht. Fehlendes Salz etwa durch Importe zu ersetzen, führe zu grossen wirtschaftlichen und ökologischen Belastungen. Die Umwelt - zum Beispiel die Felder - würden durch das Salz, welches entlang der Schweizer Strassen liege, in Mitleidenschaft gezogen.

Zudem verursache Salz Rostschäden bei Fahrzeugen, aber auch bei Bauten, heisst es in der Motion weiter. Beim Rübenzucker soll dies anders sein. Er wirkt laut Freysinger in Sirupform gar effizienter als Salz und ist biologisch abbaubar. Entsprechende Produkte würden in den USA bereits zu Höchstpreisen verkauft. Ein weiterer Vorteil des Zuckers sei, dass so erst noch die Schweizer Landwirtschaft gefördert würde.

Die Idee findet bei den Grünen Anklang

Bastien Girod, Nationalrat der Grünen und Umweltwissenschaftler, unterstützt die Zucker-Idee. Er sagte zur «Aargauer Zeitung»: «Wenn schon mal eine gute Idee von der SVP kommt, unterstütze ich sie natürlich.» Girod ist ebenfalls der Meinung, es müsse etwas getan werden, Salz belaste die Umwelt stark.

In Bern sind letztes Jahr bereits erste Versuche mit Zucker gemacht worden. Martin Rösti, Leiter des Nationalstrassenbetriebs im Kanton Bern, zeigte sich damals schon überzeugt: «Bisher mussten unsere Leute bei der Verarbeitung Schutzmasken und Handschuhe tragen. Das ist nun unnötig», sagte Rösti nach der ersten Testphase zu 20 Minuten Online. Die süsse Alternative, ein Abfallprodukt aus der Zuckerherstellung mit dem Namen Safecote, wirke bis zu minus 35 Grad abtauend, aber nicht ätzend.

Doch der Zucker stösst auch an seine Grenzen: «Wenn schon viel Schnee auf den Strassen liegt, nützt Zucker höchstens etwas in Kombination mit Salz», sagt Rösti zur «Aargauer Zeitung». Deshalb könne es vor allem präventiv eingesetzt werden. In den nächsten Wochen sollen detaillierte Ergebnisse der Versuche publiziert werden.

Was meinen Sie? Wäre Zucker im Winterdienst sinnvoller als Salz? Schreiben Sie Ihre Meinung ins Talkback.

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