Rothrist AG: Mitarbeitende berichten von prekären Hygienezuständen in Masken-Firma
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Rothrist AGMitarbeitende berichten von prekären Hygienezuständen in Masken-Firma

Beim Maskenhersteller Wero Swiss soll es wiederholt zu Missachtungen der Corona-Schutzmassnahmen gekommen sein. Die Masken könnten ein Gesundheitsrisiko darstellen, sagt Infektiologe Andreas Cerny.

von
Dafina Eshrefi
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Bei der Maskenverarbeitung würden teilweise «prekäre Zustände» herrschen, berichten mehrere Quellen.

Bei der Maskenverarbeitung würden teilweise «prekäre Zustände» herrschen, berichten mehrere Quellen.

20 Min Community
Die Masken werden ohne Handschuhe verpackt.

Die Masken werden ohne Handschuhe verpackt.

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«Abstand unter den Mitarbeitern wird kaum eingehalten. Weder bei der Produktion, noch in der Mittagspause», berichten Insider.

«Abstand unter den Mitarbeitern wird kaum eingehalten. Weder bei der Produktion, noch in der Mittagspause», berichten Insider.

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Darum gehts

  • Bilder aus dem Betrieb des Maskenherstellers Wero Swiss zeigen, dass die Corona-Massnahmen nicht immer eingehalten werden.

  • Mitarbeitende berichten von prekären Zuständen. Der Geschäftsleiter weist die Vorwürfe von sich.

  • Der Infektiologe Andreas Cerny sieht bei diesen Zuständen allenfalls Probleme für Mitarbeiter, Qualität und Anwender.

Sie sollen Schutz vor Corona bieten – doch bereits bei ihrer Herstellung mangelt es an Einhaltung der Schutzvorschriften: «Viele Mitarbeiter tragen während der Produktion ihre eigene Maske nur am Kinn oder unter der Nase und verpacken die Ware oftmals ohne Handschuhe», sagt ein Mitarbeiter.

20 Minuten liegen aktuelle Bilder des Schweizer Maskenproduzenten, Wero Swiss in Rothrist (AG), vor. Darauf zu sehen: Mitarbeitende, die beim Verpacken der Masken keine Handschuhe tragen, ihre Masken sitzen unter Nase und Mund. Es herrschten teilweise «prekäre Zustände», berichtet eine weitere Person. Zudem mangle es oft an Seife und Desinfektionsmittel.

«Man soll keine Corona-Panik verbreiten»

Der Mitarbeitende berichtet weiter: «Abstand unter den Mitarbeitern wird kaum eingehalten. Weder bei der Produktion, noch in der Mittagspause.» Das zeigen auch Fotos, die 20 Minuten vorliegen. Laut der Person achten die Schichtleiter nur dann auf die Schutzmassnahmen, wenn Kontrollen angekündigt sind, oder jemand von der Geschäftsleitung im Betrieb einen Besuch abstattet.

Beschwerden bei der Schichtleitung würden wenig bringen. «Fordert man einen Mitarbeitenden auf, die Maske richtig zu tragen oder Handschuhe anzuziehen, wird man vom Schichtleiter auch mal aufgefordert, ruhig zu sein, nicht zu schwatzen und keine Corona-Panik zu verbreiten», sagt die Quelle zu 20 Minuten.

Laut einem weiteren Mitarbeiter wurde eine Arbeitskraft – nur drei Tage nach dem Einsatz im Betrieb – positiv auf das Corona-Virus getestet: «Ausgerechnet jemand, der ohne Handschuhe und mit dem eigenen Mundschutz am Kinn Masken verpackt hat!» Oft sei der Eindruck erweckt worden, dass die Betriebsführung die Pandemie und die Schutzkonzepte nicht ernst nehme.

«Könnte zukünftige Benutzer anstecken»

Der Fall beleuchte Probleme auf mehreren Ebenen, sagt Andreas Cerny, Infektiologe am Moncucco-Spital in Lugano TI: «Das eine ist der ungenügende Schutz der Mitarbeiter, das andere die Qualität des Produktes und die Sicherheit der Anwender, für die die Masken bestimmt sind.» Entsprechend seien Korrekturmassnahmen von den zuständigen Behörden zu ergreifen. Laborexperimente hätten gezeigt, dass Spuren von infektiösem Virus auf der Aussenseite von Masken bis sieben Tage lang nachweisbar sein können. «Aufgrund dieser und auch anderer Studien wurde empfohlen, die Aussenseite der Masken nicht zu berühren», sagt Cerny. «Wir können deshalb nicht ausschliessen, dass die unter den erwähnten Bedingungen produzierten Masken zukünftige Benutzer anstecken können.»

Der Geschäftsführer von Wero Swiss, Felix Schönle, weist die Vorwürfe entschieden zurück. Zwar könne er bestätigen, dass die Bilder in seinem Betrieb gemacht worden sind. Wann und in welchem Zusammenhang diese aufgenommen worden sind, könne er jedoch nicht eruieren. «Der Betrieb wurde bisher mehrfach unangemeldet kontrolliert, Verstösse gegen das Schutzkonzept sind keine festgestellt worden.» Auch intern werde permanent überprüft, ob die strengen Regeln eingehalten werden. «Ich kann mir daher vorstellen, dass ein unzufriedener, ehemaliger Mitarbeiter seinen Betrieb anschwärzen will», sagt Schönle.

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt der Kantonsärztliche Dienst Aargau, dass es Ende November 2020 bei Wero Swiss eine Kontrolle gegeben habe, die ein ungenügendes Schutzkonzept hervorbrachte. Dieses habe in der Folge angepasst werden müssen. «Bei der Umsetzungskontrolle des angepassten Schutzkonzeptes kam es zu keinen Beanstandungen durch die zuständige Behörde», erklärt Michael Hassler vom Kantonsärztlichen Dienst weiter. Die Kontrolle wurde im «Rahmen eines Infektionsausbruchs» durchgeführt.

Am vergangenen Dienstag kontrollierte die Polizei im Auftrag des Departements für Volkswirtschaft und Inneres Aargau die Einhaltung des Corona-Schutzkonzepts von Wero Swiss erneut. Zwei Tage zuvor hatte 20 Minuten den Geschäftsleiter von Wero Swiss , Felix Schönle, mit den Vorwürfen konfrontiert. Laut dem Protokoll, das 20 Minuten vorliegt, wurden anlässlich der Begehung keine Mängel festgestellt.

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Hier findest du Hilfe:

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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