Bassersdorf ZH – Mitarbeiter des Strassenverkehrsamts sollen Fahrprüfungen manipuliert haben
Aktualisiert

Bassersdorf ZHMitarbeiter des Strassenverkehrsamts sollen Fahrprüfungen manipuliert haben

Wer in der Schweiz Autofahren will, muss seine Fahrkünste zuerst beim Verkehrsamt unter Beweis stellen. In Bassersdorf stehen nun mehrere Mitarbeitende unter Verdacht, ausgewählten Personen durch die Prüfung geholfen zu haben.

von
Benedikt Hollenstein
1 / 6
Drei Mitarbeiter des Strassenverkehrsamts stehen unter Verdacht, ihre Befugnisse ausgenutzt zu haben, um einzelne Personen durch die Prüfung zu bringen. (Symbolbild)

Drei Mitarbeiter des Strassenverkehrsamts stehen unter Verdacht, ihre Befugnisse ausgenutzt zu haben, um einzelne Personen durch die Prüfung zu bringen. (Symbolbild)

20min/Marco Zangger
Einzelnen Personen, die seit Juli 2020 in Bassersdorf ihre praktische Autoprüfung absolvierten, bekamen anfangs Dezember Post vom Abteilungsleiter.

Einzelnen Personen, die seit Juli 2020 in Bassersdorf ihre praktische Autoprüfung absolvierten, bekamen anfangs Dezember Post vom Abteilungsleiter.

20min/Sonja Mulitze
Unter Verdacht steht nebst einem Verkehrsexperten auch der Zulassungschef. (Symbolbild)

Unter Verdacht steht nebst einem Verkehrsexperten auch der Zulassungschef. (Symbolbild)

Tamedia AG

Darum gehts

  • Das Strassenverkehrsamt Bassersdorf trennte sich Mitte November von drei Mitarbeitenden.

  • Der Zulassungschef und die beiden anderen Angestellten stehen unter Verdacht, Fahrprüfungen manipuliert zu haben.

  • Der ehemalige Angestellte, in dessen Zuständigkeitsbereich auch die Kontrolle von importierten Autos fiel, ist auch Geschäftsführer einer Gebrauchtwagenfirma.

Die Vorwürfe, die die Zeitungen von Tamedia erheben, lassen aufhorchen: Wegen amtlich organisierter Manipulation sind auf den Schweizer Strassen womöglich diverse Leute unterwegs, die bei ihrer Fahrprüfung am Strassenverkehrsamt Bassersdorf interne Unterstützung erhielten. Anstoss für die Recherchen war ein Brief des Abteilungsleiters Carlo Gsell an einzelne Personen, die in den letzten eineinhalb Jahren in Bassersdorf ihre Fahrprüfung absolviert hatten.

«Kontrollfahrt» für Autoprüfung-Absolventen

Konkret fordert der Brief zu einer «Kontrollfahrt», da die praktische Fahrprüfung mit «überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht vorschriftsgemäss durchgeführt worden sei». Weil der zuständige Verkehrsexperte die Prüfung nicht korrekt durchgeführt habe, würden erhebliche Zweifel an der Fahrkompetenz der jeweiligen Personen bestehen, wie Gsell im Brief weiter schreibt. Gemäss dem Mediensprecher des Strassenverkehrsamtes hat man mittlerweile Anzeige gegen die Verdächtigen erstattet, bei der Staatsanwaltschaft Zürich laufe ein Verfahren.

Experte und Zulassungschef involviert

Gemäss Recherchen der Tamedia-Zeitungen stehen drei Männer im Fokus der Nachforschungen, darunter der Zulassungschef, der ein Team von etwa sechs Angestellten führt und für die Autokontrollen verantwortlich ist, einer seiner Mitarbeiter, und auch ein Verkehrsexperte, der die Kenntnisse der Absolventinnen und Absolventen bei der praktischen Fahrprüfung bewerten soll. Alle drei Personen hatten Zugang zum Computersystem, mit dem die Autokontrollen und Fahrprüfungen geplant wurden und konnten so theoretisch Bekannten, Familienmitgliedern und weiteren Schützlingen helfen, durch die Prüfung zu kommen.

Das Zürcher Strassenverkehrsamt beschäftigt in Bassersdorf in einer Fahrzeughalle mit angeschlossenem Bürotrakt gesamthaft etwa 20 Angestellte. Hier absolvieren Lernfahrerinnen und Lernfahrer nicht nur ihre Autoprüfung, die Mitarbeitenden kontrollieren täglich auch bis zu 130 LKWs und Autos auf ihre Fahrtüchtigkeit.

Autos für eigene Firma zugelassen?

Die Gesetzeslage besagt, dass alle in die Schweiz importierten Fahrzeuge zuerst eine Kontrolle beim Strassenverkehrsamt durchlaufen müssen. Auch hier bestanden für den Abteilungsleiter Möglichkeiten, sich einen Vorteil zu verschaffen. Der ehemalige Mitarbeiter ist nämlich auch Geschäftsführer einer Autofirma in Kloten. Diese vertreibt Neu- und Gebrauchtwagen, darunter auch Fahrzeuge aus dem Ausland. Für den Verdächtigen wäre es als Zulassungschef ein Leichtes gewesen, Fahrzeugen seiner Firma durch die Kontrolle zu helfen.

Beim Strassenverkehrsamt hält man sich bedeckt zum Manipulationsvorwurf. Wie der Mediensprecher Severin Toberer gegenüber dem «Tages-Anzeiger» schreibt, habe man sich per 15. November 2021 von den betroffenen Mitarbeitern getrennt und Strafanzeige erstattet. Über die Zahl der mutmasslich Beteiligten, den Zeitraum des Betrugs oder allfälligen Schmiergeldern will sich das Amt nicht äussern und verweist auf das laufende Verfahren der Staatsanwaltschaft. Der Zulassungschef weist jegliche Beteiligung von sich.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

230 Kommentare