Aktualisiert 05.05.2015 13:35

Nacktselfies beim Bund«Mitarbeiter zu googeln ist umstritten»

Dem Bund sind im Umgang mit Social Media die Hände gebunden: Gegen frivole Mitarbeiter ist er beinahe machtlos.

von
Nicole Glaus
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Eine Sekretärin des Bundes macht wegen Nackt-Selfies Furore.

Eine Sekretärin des Bundes macht wegen Nackt-Selfies Furore.

Twitter
Viele der Bilder soll die Frau an ihrem Arbeitsplatz gemacht haben.

Viele der Bilder soll die Frau an ihrem Arbeitsplatz gemacht haben.

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Auch draussen auf der Strasse zeigt sie sich gerne oben ohne.

Auch draussen auf der Strasse zeigt sie sich gerne oben ohne.

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Eine Mitarbeiterin der Parlamentsdienste twittert Nacktfotos aus ihrem Büro und spielt in über 200 Pornos mit – und keiner ihrer Chefs merkts. Sind die Social-Media-Richtlinien und -Kontrollen beim Bund zu lasch? Im Verhaltenskodex der Bundesverwaltung heisst es: «Die Angestellten achten auch im Privatleben darauf, den guten Ruf, das Ansehen und die Glaubwürdigkeit des Bundes nicht zu beeinträchtigen.» Angesichts des aktuellen Falls kommt der Paragraph ziemlich zahnlos daher. Auf Anfrage beim Eidgenössischen Personalamt EPA heisst es jedoch, man halte an dem bestehenden Social-Media-Leitfaden fest. «Der rechtliche Rahmen ist vorhanden.»

Denn dem Bund fehlt, genauso wie anderen Unternehmen auch, die rechtliche Grundlage, um sich des Problems präventiv anzunehmen. Thomas Geiser, Spezialist für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen, sagt: «Ein Arbeitgeber kann seinen Angestellten keine Vorschriften darüber machen, wie sie sich in ihrer Freizeit verhalten müssen.» Die Weisungen seien nur verpflichtend, wenn diese beispielsweise regeln, ob der Mitarbeiter über Vorgänge bei der Arbeit berichten darf.

«Mitarbeiter zu googeln ist sehr umstritten»

Das Problem: Oft ist es schwierig, die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen. Was eine Person ins Internet stellt, fällt schnell auch auf ihren Arbeitgeber zurück. Das zeigt sich am Fall der Bundessekretärin exemplarisch: Dass sie privat Pornos drehte, geht ihren Arbeitgeber nichts an. Indem sie aber Nacktbilder aus ihrem Büro twitterte, könnte sie den Ruf des Bundes geschädigt haben.

Müsste der Bund die Social-Media-Aktivitäten seiner Mitarbeiter also einfach besser kontrollieren? Auch dies ist laut Geiser heikel. «Seine Mitarbeiter zu googeln ist sehr umstritten.» Grundsätzlich dürfe der Arbeitgeber seine Mitarbeiter nur in Bereichen des Internets kontrollieren, die öffentlich zugänglich seien. Bei einem geschützten Facebook-Profil wäre das etwa nicht der Fall.

«Es braucht Vertrauen»

Auch Andrea Iltgen, Geschäftsführerin und Social-Media-Expertin bei Xeit, geht davon aus, dass der Bund «drastische Ausrutscher» wie den Fall der Porno-Sekretärin nicht mit Reglementen und Kontrollen verhindern kann. In gewissen Fällen seien den Unternehmen die Hände gebunden. Iltgen empfiehlt, die Verantwortlichen sollten schon früher ansetzen: «Bereits bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter muss darauf geachtet werden, wie die Personen mit Social Media umgehen.»

Zudem müssten die Mitarbeiter für Themen wie Privatsphäre-Einstellungen sensibilisiert werden. Ein Restrisiko bleibe jedoch immer. «Die Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern ein gewisses Grundvertrauen entgegenbringen», so Iltgen.

Gesunder Menschenverstand

Für Philipp Bauer vom Arbeitgeberverband sind eine stärkere Sensibilisierung und klare Grundsätze im Umgang mit Social Media die einzigen Möglichkeiten, dem Problem zu begegnen. «Grundsätzlich betonen wir aber, dass sich der Arbeitgeber nicht ins Privatleben seiner Angestellten einmischen sollte.» Einschränkungen würden sich höchstens ergeben, wenn Reputation oder Arbeitsverhalten tangiert werden. Bauer appelliert an den gesunden Menschenverstand: «Ich glaube, die meisten Leute sind sich bewusst, wo die Grenzen überschritten sind.»

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