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Offener Brief an Viola AmherdMitholzer wehren sich gegen zehnjährige Evakuation

60 Mitholzerinnen und Mitholzer wenden sich in einem offenen Brief an VBS-Chefin Viola Amherd. Die mindestens zehnjährige Dorfevakuation, die der Bundesrat angeordnet hat, wollen sie nicht einfach so hinnehmen.

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Diese Häuser werden voraussichtlich ab 2030 nicht mehr bewohnt sein.

Diese Häuser werden voraussichtlich ab 2030 nicht mehr bewohnt sein.

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Im Berg dahinter befindet sich verschüttete Munition.

Im Berg dahinter befindet sich verschüttete Munition.

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Der Bund will das Munitionslager definitiv räumen lassen.

Der Bund will das Munitionslager definitiv räumen lassen.

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Darum gehts

  • Anfang hatte der Bundesrat beschlossen, die Sprengstoffrückstände aus dem ehemaligen Munitionslager Mitholz definitiv zu räumen.

  • Als Folge müssen zahlreiche Bewohner das Dorf verlassen – für mindestens zehn Jahre.

  • Nun wenden sich Bewohnerinnen und Bewohner in einem offenen Brief an Bundesrätin Viola Amherd. Sie wollen die Evakuation nicht ohne Weiteres hinnehmen.

60 Mitholzerinnen und Mitholzer wenden sich in einem offenen Brief an VBS-Chefin Viola Amherd. Sie fordern eine erneute Prüfung und eine Überarbeitung der mindestens zehnjährigen Dorfevakuation, die der Bundesrat als Folge der Räumung des Munitionslagers beschlossen hat. Zudem verlangen sie Einblick in die geprüften Szenarien und wollen ihre Perspektive einbringen können, wie die «Jungfrau Zeitung» berichtet.

Mitholz sei «mehr als nur ein Zuhause», halten die Bewohner im Brief fest: «Mitholz ist Teil unserer Geschichte und Identität. Viele von uns leben hier bereits seit Generationen.» Den Entscheid zur Räumung des Munitionslagers heisse man zwar gut, nicht jedoch die vorliegenden Rahmenbedingungen, sprich den 10-jährigen Exodus. Es gebe für diese Variante unzählige offene Fragen – «weshalb es uns umso mehr verwundert, zu einem doch relativ frühen Zeitpunkt und ohne weiteren Einbezug der Bevölkerung, mit einem so drastischen Entscheid in dieser Bestimmtheit konfrontiert zu werden».

«Wir würden nicht nur die Heimat verlieren»

Man vermisse klare Erläuterungen bezüglich der bisher bewerteten Varianten: «Wir sind davon überzeugt, dass es für die aktuell angestrebte Variante der Räumung des Munitionslagers bessere Lösungen gibt, als unser Mitholz zu einem Geisterdorf verkommen zu lassen. Wir würden nicht nur die Heimat verlieren.»

Anfang Dezember hatte der Bundesrat beschlossen, das Munitionslager im Berg von den verbliebenen Sprengstoffüberresten zu befreien. Läuft alles nach Plan, soll 2030 mit der Räumung begonnen werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Mitholz müssen für über zehn Jahre wegziehen – die ersten voraussichtlich bereits ab 2025. Betroffen sind zwischen 50 bis 60 Haushalte.

Unglück von Mitholz

In der Nacht auf den 20. Dezember 1947 explodierte in Mitholz der Berg. Ein Teil des Munitionslagers flog in die Luft. Neun Personen verloren ihr Leben, das Dorf Mitholz wurde schwer verwüstet, 200 Personen waren sofort obdachlos. Nach der Explosion wurde so viel Munition wie möglich aus den Trümmern geborgen, der Rest blieb zugeschüttet im Berg – sicher verwahrt, wie man annahm. Berichte aus den Jahren 1949 und 1986 stützten diese Annahme. Erst seit 2018 setzte sich der Bundesrat wieder mit Mitholz auseinander, und Experten warnten vor der Gefährlichkeit des noch immer sprengfähigen Materials.

(sul)

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52 Kommentare
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Nicht so tragisch

11.01.2021, 20:25

Ich muss mein geliebtes Eigenheim in den nächsten 10 Jahren wegen Hochwasserschutzmassnahmen für immer verlassen. Ich schaue mich jetzt schon um für neues Zuhause.

Suria

11.01.2021, 19:34

dann bleibt doch da aber bitte nicht jammern wenn es schief läuft

Kopfschmerzen

11.01.2021, 19:25

Hier ist mal wieder ein Stell dich ein der Stammtisch Experten.