Aktualisiert 29.10.2019 19:09

Verschüttete SprengkörperMitholz–Munition ist noch voll sprengfähig

Wie ein Untersuchungsbericht des Bundes zeigt, ist der Sprengstoff im ehemaligen Munitionslager Mitholz noch explosionsfähig. Auch die Auswirkungen auf das Grundwasser wurden überprüft.

von
cho

Die Situation in Mitholz ist weltweit einzigartig. (Video: Keystone)

Im Zusammenhang mit dem erheblichen Risiko, das vom verschütteten Munitionslager in Mitholz ausgeht, sind zahlreiche Untersuchungen durchgeführt worden. Eine ergab, dass die untersuchte Munition noch voll sprengfähig ist: In Labor- und Sprengversuchen wurde in einem Fall eine Übertragung der Explosion einer Stahlgranate auf eine 50 Kilogramm schwere Fliegerbombe nachgewiesen.

Die Munition im Berginnern wurde durch die Explosion 1947 und den anschliessenden tagelangen Bränden stark beschädigt. Aufgrund des Zustands und des Alters des Materials ist eine sichere Handhabung nicht mehr gewährleistet, wie aus einem am Dienstag publizierten Standbericht des VBS hervorgeht.

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Im zweiten Weltkrieg wurde in der Gemeinde Kandergrund BE ein unterirdisches militärisches Munitionslager gebaut.

Im zweiten Weltkrieg wurde in der Gemeinde Kandergrund BE ein unterirdisches militärisches Munitionslager gebaut.

Keystone/Walter Studer
Im Jahr 1947 kam es darin zu Explosionen, wobei neun Menschen starben. Ein weiterer Teil konnte daraufhin geräumt werden.

Im Jahr 1947 kam es darin zu Explosionen, wobei neun Menschen starben. Ein weiterer Teil konnte daraufhin geräumt werden.

Keystone/Walter Studer
Nach dieser Katastrophe sah Mitholz wie ein vom Krieg verwüstetes Gebiet aus.

Nach dieser Katastrophe sah Mitholz wie ein vom Krieg verwüstetes Gebiet aus.

Keystone/Walter Studer

Grundwasser nicht in Gefahr

Auch Geologen befassten sich mit dem Munitionsdepot. Bei ihren 3D-Kartierungen entdeckten sie unter anderem Felsblöcke, von denen aufgrund von Fallhöhe und Kubatur eine erhöhte Gefahr für die sich darunter befindende Munition ausgeht.

Der mögliche Felssturz im Gebiet Spitze Stei oberhalb von Kandersteg wirkt sich laut geologischer Expertise hingegen nicht auf die Risikosituation in Mitholz aus.

Gewässerspezialisten haben bisher auch keine Hinweise, dass die Munition Grund- oder Oberflächenwasser beeinträchtigt. Es wurden auch zusätzliche Probeentnahmestellen definiert und die Untersuchungen engmaschiger angelegt.

Blick ins ehemalige Munitionslager bei Mitholz

Ein Experte erklärt, was bei der Explosion vom 19. Dezember 1947 bei Mitholz geschehen ist. Video: SDA

Automatische Sirenen

Schliesslich wurde auch die Notfallorganisation verbessert. So überwachen zahlreiche Sensoren den Fels und die Kaverne, um die Bevölkerung möglichst frühzeitig auf eine drohende Gefahr hinweisen zu können.

Sensoren und Kameras erfassen Felsbewegungen, Temperaturveränderungen oder Gasentwicklung. Die Wärmebildkameras sind direkt mit der Alarmzentrale und den Sirenen verbunden. Bei den übrigen Messsystemen werden zuerst Fachpersonen alarmiert: Hier ist der zeitliche Vorlauf grösser als bei einer allfälligen Hitzeentwicklung im Munitionslager.

(cho/sda)

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